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Sensation: Archäologen stoßen auf Götterfiguren an Römerstadtschule

Von Bei den Ausgrabungen an der Römerstadtschule wurden weitere Götterfiguren gefunden, welche die Bedeutung des Tempelbezirks im antiken Nida unterstreichen. Auch im neuen Jahrbuch des Denkmalamts spielt die Ausgrabung eine wichtige Rolle.
Sensationelle Funde: Die Götterfigur Diana und der Sockel mit dem Bronzefuß. Foto: Leonhard Hamerski Sensationelle Funde: Die Götterfigur Diana und der Sockel mit dem Bronzefuß.
Frankfurt. 

Archäologie ist oft wie ein Puzzlespiel. „Man findet normalerweise erstmal Scherben der damaligen Gebrauchskeramik, quasi den Müll der Römer“, sagt Andrea Hampel, Leiterin des Frankfurter Denkmalamts. Doch dann tauchten in einem Brunnenschacht im südlichen Teil des Tempelbezirks von Nida zwei Sockel, eine Statuette und ein Fuß aus Bronze auf. Aber wo ist die Figur, die zu dem Fuß gehört?

„In diesem Fall haben wir es dann wohl doch mit einem feindlichen Übergriff zu tun, als man die Stadt Nida im dritten Jahrhundert aufgegeben hat“, meint Hampel. Dass die fehlende zweite Figur trotzdem bestimmt werden kann, ist ein Glücksfall: Denn auf dem mit schwer lesbaren Wortkürzeln beschrifteten Sockel, in den der Abdruck des Fußes genau passt, lässt sich ein deutliches „MERCVRIO“ erkennen.

„Da der geübte Experte weiter unten den Namen des Konsuls Albinus entziffern kann, können wir dank seiner Amtszeit die Figur sogar genau auf das Jahr 246 nach Christus bestimmen“, freut sich Hampel. Neben dem Götterboten Merkur lässt sich die kleinere Statuette dank ihres stilisierten Köchers auf dem Rücken als die Jagdgöttin Diana identifizieren.

Rolle als Handelszentrum

Mithilfe dieser neuen Fundstücke erweitert sich der Götterhimmel, dem im Tempelbezirk gehuldigt wurde: Bislang sind neben dem Göttervater Jupiter Dolichenus bereits die Wissenschaftsgöttin Minerva, die Glücksgöttin Fortuna und die keltisch-römische Fruchtbarkeitsgöttin Epona nachgewiesen. „Durch die neuen Funde wird noch einmal klar, dass Nida eine bedeutende Rolle als Handelszentrum spielte“, unterstreicht Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). Denn Merkur war bekanntlich auch der Gott der Kaufleute und Diebe. „Vor allem wird uns immer mehr bewusst, dass wir es mit einer herausragenden römischen Tempelanlage zu tun haben, von denen es nördlich der Alpen wohl nur eine Handvoll gibt“, betont Hampel.

Zivile Siedlung

Die weitere Geschichte der Ausgrabungen auf dem 4500 Quadratmeter großen Gelände wird im Forschungsbericht „Archäologie in Frankfurt am Main, 2012-2016“ beschrieben. Die Lektüre über die Grabungen lohnt sich: Sie umfassen nahezu alle historischen Epochen und Erdzeitalter, von Fischfunden aus dem Miozän in der Uniklinik über die der Jungsteinzeit in Niederursel bis zum Kriegsbunker in der Innenstadt.

Im Tempelbezirk von Nida wurden bislang rund zehn größere und kleinere Sakralgebäude ausgegraben. „Wir wissen aber noch nicht, ob sie alle zeitgleich entstanden sind, oder im Laufe der Jahrhunderte nacheinander gebaut wurden“, räumt Hampel ein.

Das ehemalige Forum, das man bisher hier vermutet hatte, dürfte dafür in der östlichen Nachbarschaft gelegen haben, wo man wegen fehlender Grabungsfunde einen freien Platz annimmt. Nida wurde im ersten nachchristlichen Jahrhundert als zivile Siedlung errichtet und war nach einem Einfall der Alemannen noch um das Jahr 260 bewohnt, wie durch Münzfunde zu belegen ist.

„Es wäre an sich nicht verwunderlich, wenn man die Götterfiguren nach der Aufgabe der Siedlung etwa nach Mainz mitgenommen hätte“, so Hampel. Doch ein schneller Raub sei hier wahrscheinlicher als ein religiöser Hintergrund – sonst hätte man es wohl kaum mit abgebrochenen Gliedmaßen von verschwundenen Figuren zu tun.

Forschungsbericht lesen

Der Forschungsbericht „Archäologie in Frankfurt am Main 2012-2016“ ist für 37 Euro im Frankfurter Denkmalamt, Kurt-Schumacher-Straße 10, erhältlich.

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