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Auf dem Sprung zum Welterfolg

Von Vincent Heck ist ein Kampfsporttalent – in Vovinam. Seinen ersten Sieg fuhr er bei den Deutschen Meisterschaften 2011 in Schwert- und Einzelform ein. Der diesjährige EM-Titel soll nicht die Spitze in Hecks Karriere bleiben.
Vovinam wird ohne und mit Waffen ausgeübt. Es basiert auf dem Prinzip der Harmonie zwischen Hart und Weich. Es umfasst auch das Training des gesamten Körpers und nutzt Kraft und Reaktion des Gegners. Der Sprung Vincent Hecks zum Oberkörper Trans (23), nennt sich auf Vietnamesisch „Don Chan“ und wird öfters im Training praktiziert. Vovinam umfasst Hand- und Ellenbogentechniken, Fußkicks, Fußfeger, Würfe und Hebeltechniken. Trainiert werden Angriffs- und Abwehrtechniken, Befreiungstechniken, Fußtechniken, Formen, Freikampf und der traditionelle Ringkampf. Foto: Rüffer Vovinam wird ohne und mit Waffen ausgeübt. Es basiert auf dem Prinzip der Harmonie zwischen Hart und Weich. Es umfasst auch das Training des gesamten Körpers und nutzt Kraft und Reaktion des Gegners. Der Sprung Vincent Hecks zum Oberkörper Trans (23), nennt sich auf Vietnamesisch „Don Chan“ und wird öfters im Training praktiziert. Vovinam umfasst Hand- und Ellenbogentechniken, Fußkicks, Fußfeger, Würfe und Hebeltechniken. Trainiert werden Angriffs- und Abwehrtechniken, Befreiungstechniken, Fußtechniken, Formen, Freikampf und der traditionelle Ringkampf. Foto: Rüffer
Nordweststadt. 

Vincent Hecks (21) himmelblauer Kampfsportanzug ist glatt gebügelt. Große, durchtrainierte Figur. Um seine Hüfte baumelt ein gelber Gürtel, die Deutschlandflagge schimmert am linken Anzugärmel. Barfuß steht Heck in der Halle der TSG Nordwest seinem Trainingspartner und Freund Dinh Du Tran (23), gegenüber. Wie vor jedem Kampf folgt eine respektvolle Verbeugung: "Nghiem Le" – starke Hand aufs gütige Herz. Volle Konzentration auf den hellen Turnmatten. Im nächsten Moment sind beide in Kampfposition. Ein kurzer Anlauf, und Heck springt mühelos in die Luft und auf Trans Oberkörper zu. Die Erdanziehungskraft scheint für beide Kampfsportler wie ausgeschaltet zu sein.

Nach dem Training sitzt Heck mit angewinkelten Beinen auf einer Turnbank. Der athletische Oberkörper lugt zwischen dem Anzug hervor. "Diese Technik heißt Don Chan", erklärt er etwas außer Atem. Auf Hecks Stirn sind Schweißperlen zu erkennen. Er lacht Freund Tran zu: "Wir hatten gerade zwei Wochen frei. Da rostet man etwas ein." Ein motivierter Athlet, erst am Anfang seines Potenzials. "Hast du zugenommen?", witzelt Tran. Beide lachen.

Anstrengendes Training

Heck und die Geschwister Tran sind Europameister in Vovinam, allerdings in unterschiedlichen Disziplinen. Die in Deutschland unbekannte vietnamesische Kampfkunst schult nicht nur den Körper, sondern auch den Geist. Ausdauer, Kampfkunsttechniken, Disziplin und Selbstverteidigung. Die Vovinam-Philosophie sei nicht zu unterschätzen. "Das Training ist sehr anstrengend", sagt er. Der gebürtige Frankfurter begann mit 14 Jahren den Kampfsport auszuüben. "Ich habe schon immer viel Sport gemacht. Dann entdeckte ich Vovinam für mich." Bei einer Sportvorführung lernte er die vietnamesische Kampfkunst kennen. Die Vielfältigkeit mache den Sport sehr attraktiv. "Man hat nie ausgelernt. Es gibt unglaublich viel zu lernen." Dabei lehnt sich Heck entspannt zurück und streift sich kurz durch seine kurzen, braunen Haare.

Gegensätze vereinen

Man könnte meinen, er sei enorm unter Druck. Die Konkurrenz schläft nie. Von Stress jedoch keine Spur. Ein sympathisches Grinsen und jener Kommentar lassen verstehen, dass Hecks Ansprüche bescheiden sind. "Auf der Vovinam-EM in Italien ging es mir darum, von anderen Sportlern zu lernen. Der Sieg ist ein schöner Bonus. Verlieren ist aber auch kein Weltuntergang." Er fügt hinzu: "Es bleibt eine Ehre, überhaupt teilnehmen zu dürfen." Seine ausgeglichene Art könnte man auch mit dem Urlaub erklären. Da wirft Trainingspartner Tran ein: "Das gehört zur Philosophie", und deutet auf das Vovinam-Logo: Ein blau-rotes Ying Yang, das die Gegensätze Hart und Weich vereint. Selbstkontrolle, einen kühlen Kopf bewahren."

Heck und Tran wurden von seinem Vater, Meister Tran, diszipliniert geschult. Dieser etablierte nämlich Vovinam in den 1970er Jahren in Deutschland. Bisher fehle es jedoch an Aufmerksamkeit für die 1938 in Vietnam gegründete Sportart, die aus mehreren Arten von Kampfsportkünsten bestehe. "Es ist noch keine olympische Disziplin. Aber in den USA, Europa, Asien und seit neuestem in Afrika gewinnt es an Bekanntheit."

Auf die Frage nach Kampfsportverletzungen antwortet Heck knapp, er habe sich nie ernsthaft verletzt. "Die Technik, wie man richtig fällt etc. lernt man gleich in den ersten Unterrichtsstunden." Am besten gefällt ihm dabei der starke Einsatz von Waffen. "Im Vergleich zu Taekwon-Do oder beim körpernahen Judo hat Vovinam keine Spezialisierungen. Das fasziniert mich und ist sehr effektiv", sagt Heck konzentriert, den Arm locker über eine Stuhllehne gelegt. Hart und Weich. Die Gegensätze vereint in einem Ganzen werden deutlicher. Er erscheint trotz dieser Gegensätzlichkeit sehr authentisch. Die Kampfsport-Tugenden prägen.

Zudem herrsche stets Kollegialität und Respekt. Man gratuliere den Tuniergewinnern. Heck holte dieses Jahr in der Disziplin Halsscheren, Don Chan, den Titel. "Klar kommt es vor, dass wir mal keine Lust haben zu trainieren. Wir motivieren uns aber gegenseitig. Danach leiden wir gemeinsam an Muskelkater." Ab und zu wird ein freier Tag eingeplant, Ruhephasen seien bei bis zu 20 Trainingsstunden pro Woche wichtig. Dazu gehören neben dem Technik- auch Konditions- und Krafttraining.

Studiert Medizin

"Hauptberuflich bleibe ich aber Medizinstudent. Ich sehe mich nicht als Leistungssportler. Vovinam ist ein Hobby", erklärt Heck. Familie und Freunde unterstützen den Kampfsportler dabei. Er gesteht: "Natürlich gehe ich auch mal Feiern und abends aus." Dabei erinnert sich Heck an eine brenzlige Situation nach einer Partynacht: "Ein betrunkener Mexikaner hat mich grundlos angegriffen. Da habe ich ihn auf den Rücken gelegt. Natürlich so, dass er sich nicht verletzte." Prinzipiell vermeiden Kampfsportler Konflikte, nur in Situationen der Selbstverteidigung werden sie aktiv. Dies bringt Heck seit vier Jahren auch seinen Schülern in Trainingsstunden bei. "Man lernt Respekt, Ruhe und eine gewisse, innere Haltung. Es ist nicht autoritär, aber es gibt eine Autorität."

Am Ende gibt der Europameister zu: "Der Tag könnte mehr Stunden haben." Ein Wunsch, der sich nicht erfüllen lässt. Was jedoch im Möglichen ist: Das Ziel 2013 bei der Vovinam-Weltmeisterschaft in Paris dabei zu sein. Heck fügt mit einem Funkeln in den Augen hinzu: "Dabei wäre es ein großartiger Erfolg, überhaupt eine Medaille für das deutsche Team zu holen!"

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