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Auf den Zug umsteigen

Von Von Frankfurt mal eben schnell nach Berlin oder Hamburg zu fliegen, ist für viele Menschen eine Selbstverständlichkeit, für die Fluglärmgegner ist dies aber unnötig, könnte man doch auch mit der Bahn fahren. Herbert Debus vom BUND stellte Überlegungen, Zahlen und Fakten dazu vor.
Sachsenhausen. 

Ursula Fechter war der große Star an diesem Abend in der Bergkirche der Dreikönigsgemeinde, wo sich die Bürgerinitiative Sachsenhausen (BIS) traf, um sich einen Vortrag von Herbert Debus zum Thema „Flüge auf Züge“ anzuhören.

Ursula Fechter, die seit vielen Jahren gegen Fluglärm und den Ausbau des hiesigen Airports kämpft, schaffte es bei der Kommunalwahl dank der vielen persönlichen Stimmen auf der SPD-Liste von Platz 8 auf 3 vorzurücken und sitzt fortan im Stadtparlament. Ständig wurde sie von Mitstreitern gedrückt und geherzt, immer wieder wurde ihr zu ihrem Erfolg gratuliert. Fechter selbst gab sich jedoch gelassen, fast schienen ihr die vielen Glückwünsche unangenehm zu sein. „Uschis Wahl zeigt, dass unser Thema sehr wohl ernst zu nehmen ist und nicht einfach unter den Tisch fallen darf“, sagte Ina Hauck von der BIS. „Wir müssen aber trotzdem weiterkämpfen, damit die Lebensqualität im Frankfurter Süden wieder hergestellt wird.“

Langgehegter Wunsch

Ein wichtiger Hebel, um den Lärm zu mindern, ist für die Fluglärmgegner die Reduzierung der Flugbewegungen. Erreicht werden könnte dies, indem innerdeutsche Flüge auf die Schiene verlegt werden. Diese Forderung ist nicht neu: sie wird von der Umwelt- und Naturschutzorganisationen seit Jahren propagiert. Jetzt stellte Herbert Debus vom BUND-Kreisvorstand Groß-Gerau den fluglärmgeplagten Frankfurtern Studien vor, die sich mit eben diesem Thema befasst haben. Grundlage war das Luftverkehrskonzept von Nichtregierungsorganisationen aus dem Jahr 2014.

„Es darf uns nicht nur um den Frankfurter Flughafen alleine gehen“, sagte Herbert Debus. „Wir müssen über unseren Tellerrand hinausschauen.“ Das gelte aber nicht nur für die Lärmgegner, sondern auch für die Flughäfen selbst. Das Problem sei nämlich, dass es in Deutschland kein Flughafensystem gebe. „Jeder kann bauen, was und wo er will. Es gibt keine Kooperationen zwischen den einzelnen Airports, keine Arbeitsteilung, weil die Konkurrenzsituation zu groß ist“, sagte Debus. Deshalb gebe es auch keine direkten Bahnverbindungen zwischen den Flughäfen. „Das ist ein Fehler“, so Debus. Einzig die sogenannte „Airrail“-Verbindung, die Bahnverbindung zwischen dem Frankfurter und dem Kölner Flughafen sei ein gutes Beispiel dafür, dass solche Konzepte funktionieren. „Da ist eine gute Kooperation zwischen Fraport, der Deutschen Bahn und Lufthansa gelungen“, so Debus. 15 Verbindungen gebe es täglich. 2011 wurde dieses Angebot von rund 200 000 Passagieren genutzt. „Dieses Konzept muss auch auf andere Flughäfen ausgeweitet, die Strecken ausgebaut werden“, sagte Debus.

„Politischer Wille fehlt“

Am Frankfurter Flughafen wurden 2013 insgesamt 48 664 An- und Abflüge für Kurzstreckenflüge von und nach Berlin, Düsseldorf, Hamburg, München, Basel und Brüssel gezählt. Ihre Auslastung lag bei 70,2 Prozent, was einer Zahl von 5,2 Millionen Fluggästen entspricht. Die Bahn habe auf diesen Strecken eine freie Sitzplatzkapazität von 6,2 Millionen Passagieren. Auch Flüge nach Zürich, Amsterdam und Paris könnten auf die Schiene verlagert werden, ebenso diejenigen nach Bremen, Friedrichshafen, Stuttgart und Leipzig. „Mehr als 100 000 Flüge können verlagert werden – sofort. Das würde eine erhebliche Lärmreduzierung mit sich bringen“, sagt Debus. „Dafür muss es aber einen klaren politischen Willen geben.“ Und der fehle bisher leider noch.

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