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Serie "Junge Schulen": Auf der kooperativen Gesamtschule gibt es spezielle Lernbüros

Welche weiterführende Schule soll mein Kind ab Sommer besuchen? Diese Frage beschäftigt die Eltern der jetzigen Viertklässler. Bis zum 5. März müssen sie sich entschieden haben. Wir haben derweil schon einmal Frankfurts fünf jüngsten weiterführenden Schulen einen Besuch abgestattet – heute die kooperative Gesamtschule (KGS) Niederrad.
Schulkinder der KGS Niederrad: Fußball spielen sie in der Pause, lernen können die Jungs und Mädchen in sogenannten Lernbüros. Foto: Leonhard Hamerski Schulkinder der KGS Niederrad: Fußball spielen sie in der Pause, lernen können die Jungs und Mädchen in sogenannten Lernbüros.
Niederrad. 

„Edward, ich seh dich!“, ruft Eva Seifert aus dem ersten Stock hinein in den Trubel unten auf dem Pausenhof. Die Schulleiterin kennt die Namen aller 150 Schüler. Und die wiederum kennen ihre Mitschüler, egal ob sie nun im Gymnasial-, Realschul– oder Hauptschulzweig sind. Sie treffen sich auf dem Schulhof, essen zusammen in der Mensa – und sie lernen alle zusammen unter einem Dach. Die einen in der Klasse Apfelbaum, die anderen in der Klasse Kokospalme.

Die Namen sind Programm: Ob sich hinter der Tür nun die Hauptschulklasse, eine der zwei Realschulklassen oder eine der drei Gymnasialklassen befindet, das ist zweitrangig. Auch wenn es diese klare Einteilung an der Schule gibt: „Sie sagt nichts über einen Menschen aus“, sagt Eva Seifert. Das will sie ihren Schülern zeigen. Umso wichtiger war es ihr deshalb, dass alle Schüler in einem Gebäude untergebracht werden. Eine Herausforderung auf dem kleinen Gelände an der Goldsteinstraße. Heute sind alle Klassenräume im Holzmodulbau. Nur die Räume für Kunst und Naturwissenschaften, das Lehrerzimmer und das Sekretariat sind im Gebäude nebenan, in der ehemaligen Außenstelle der Salzmannschule.

In der Erste-Hilfe-Ecke oben im Sekretariat wartet Sewra schon. Sie darf heute die Schulführung übernehmen. Die beginnt bei einem ihrer Lieblingsräume: dem Silentium.

„Schüler lernen wirlich“

„Pssst“, sagt sie und öffnet leise die Tür. Ihre Mitschüler sitzen aufgereiht am Fenster über ihren Büchern. Die einen lernen Englisch, die anderen Deutsch, wieder andere Mathe. Jeder arbeitet für sich. Im Raum nebenan sitzen die Schüler an Gruppentischen – hier ist Partnerarbeit ausdrücklich erlaubt.

Es ist „Lernbüro“-Zeit, erklärt Sewra. Jeden Morgen dürfen die Schüler entscheiden, zu welchem Hauptfach sie in der ersten Stunde gehen wollen. Natalia Bender war am Anfang skeptisch, ob das funktioniert. „Aber die Schüler lernen wirklich“, sagt die ehemalige Realschullehrerin, die heute Tutorin an der KGS ist. Bei aller Freiheit: Eine intensive Begleitung ist Eva Seifert genauso wichtig. Einmal die Woche bespricht sich jeder Schüler mit seinem Tutor. Dabei klären sie, was gut läuft, was noch schwierig ist und wie es weiter geht.

Im Lernbüro Deutsch greift sich Sewra ein kleines Heft aus einer der bunten Schubladen. Die einen sind für die Gymnasialschüler, die anderen für die Real- und Hauptschüler. „Hier, das ist der Baustein: Das bin ich“, sagt Sewra. „Da musste man einen Brief schreiben und Wörter nach dem Alphabet sortieren.“ Sewra erinnert sich noch an jeden einzelnen Baustein. „Das merkt man sich eben besser so“, sagt sie selbstbewusst.

Genau das ist die Hoffnung von Eva Seifert. Wie viel wirklich bei den Schülern durch diese neue Art von Lernen hängen bleibt, das wird sich zeigen müssen. Schließlich ist die Schule gerade erst ein paar Monate alt. Die Lernbüros sind der Versuch, jedem Schüler gerecht zu werden. Aus seiner Erfahrung als Gymnasiallehrer weiß der stellvertretender Schulleiter Dietmar Blume, dass klassischer Unterricht dafür nicht mehr so gut geeignet ist. „Die einen brauchen für eine Aufgabe zwei Minuten, die anderen 30 Minuten.“

Die Lernbüros sind es auch, die die Schulzweige durchlässig machen sollen. Eva Seifert will den Kindern keine Grenzen setzen. Wenn ein Kind gut in Mathe ist, darf es sich auch an anspruchsvolleren Bausteine ausprobieren.

Singend in die Schule

Ausprobieren sollen sich die Schüler aber auch in den Projekten. In dieser Woche dreht sich an der Schule alles rund ums Mittelalter. Dabei dürfen sich die Schüler aussuchen, an welchem Thema sie arbeiten wollen. Sewra und ihre Freundinnen haben sich ein ganz besonderes ausgesucht: Ritterturniere. „Fachbüro“, „Projekt“ und „Knobelclub“ statt Deutsch, Geschichte und Mathe. „Das war schon eine Umstellung mit dem Stundenplan“, erzählt Elterbeiratsvorsitzende Nedi Mandic. Da muss man erst mal durchblicken, auch wenn sich letztlich die selben Fächer dahinter verbergen. Bis 16.30 Uhr können die Schüler an der KGS bleiben, üben, an ihren Projekten arbeiten, eine der vielen AGs besuchen. Danach ist Feierabend. Hausaufgaben gibt es keine. „Kinder müssen auch mal spielen dürfen“, findet Eva Seifert. Bei Familie Mandic geht es zu Hause manchmal trotzdem mit Schule weiter. Immer öfter hilft ihre Tochter Anna dem jüngeren Bruder bei seinen Hausaufgaben. „Vielleicht kommt das aus den Lernbüros“, sagt sie. Nächstes Jahr steht auch für ihren Sohn der Schulwechsel an. Für sie ist es keine Frage: Auch er wird auf die KGS gehen. „Die Kinder kommen einfach gerne hierher“, sagt sie. Und sie sind nicht die einzigen: „Ich gehe singend in die Schule“, erzählt Eva Seifert.

Dieses Jahr bekommt die Schule ein drittes Stockwerk. Dann gibt es auch genug Platz für zwei Jahrgänge. 2019 ziehen die Schüler dann in ein komfortableres Provisorium um: mit Lehrküche und Werkstatt. Wenn die jetzige fünfte Klasse die zehnte Klasse verlässt – dann sind hoffentlich sie im Neubau. Wo der sein wird, steht allerdings noch nicht fest. Aber, und die Zusage gilt: Die Schule bleibt in Niederrad.

Nächster Teil

In der nächsten Folge stellen wir das Adorno-Gymnasium in Nied vor. Alle Schulporträts gibt es im Internet unter www.fnp.de.

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