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Verletzte Nilgans: Auf einem Bein fest im Leben

Von Sie schwimmt schneller als ihre gesunden Artgenossen und lässt sich von ihnen nichts gefallen: Einbein, die Nilgans, die Tierfreunde über Monate hinweg gesundgepflegt haben. Jetzt wurde sie wieder ausgewildert.
Nilgans „Einbein“ lässt sich nicht unterkriegen. Foto. Martina Chane Nilgans „Einbein“ lässt sich nicht unterkriegen. Foto. Martina Chane
Frankfurt. 

„Sie kommt jedes Mal, wenn sie mich sieht“, sagt Martina Chane, Gründerin des Projeks Oase. Sie hat die Gans entdeckt im November des Vorjahres, auf der oberste Treppenstufe der Alten Brücke. „Die Verletzung war wirklich schlimm. Das rechte Bein war weg, Knochen, Bänder und Sehnen lagen frei.“ Dies berichtet Monika Endler, die auf dem Flussschiff „Heimliche Liebe“ am Niederräder Ufer lebt und die Nilgans bis vor kurzem hochgepäppelt hat.

Unheilvolle Begegnung

Einbein hatte wahrscheinlich an jenem Novembertag eine unheilvolle Begegnung mit einem Hund und wäre dem Tod geweiht gewesen, wenn sich nicht Chane und Endler um sie gekümmert hätten.

„Die Nilgans bekam Traubenzuckelösung, damit sich die Energie und der Kreislauf nach dem Blutverlust stabilisieren konnten“, berichtet Monika Endler. Einbein habe freiwillig sehr viel getrunken. Vermutlich rettet das ihr Leben. Ihr Herz schlug anfangs schnell und unregelmäßig, doch nachdem das Tier genug Flüssigkeit aufgenommen hatte, beruhigte es sich. Der Stumpf wurde versorgt und anschließend gab es an Bord der „Heimlichen Liebe“ ein warmes Plätzchen mit weichem Stroh für den Vogel.

Einbein war traumatisiert, so sehr, dass die Gans – kein Gänserich, wie Chane betont – die Nahrung verweigerte. Vier Wochen lang musste das Tier per Kropfsonde ernährt werden. Trotzdem zeigte Einbein auch in dieser schweren Zeit Kontakt. Vier Monate blieb sie – so lange, bis alle Narben abgeheilt, alle offenen Stellen mit Haut bedeckt waren.

„Prächtiges Tier“

„Sie ist ein prächtiges Tier geworden, das die gesunden Enten und Nilgänse hier voll im Griff hat“, berichtet Endler. Die selbstbewusste und selbstsichere Einbein lasse sich nichts gefallen, sondern kommandiere im Gegenteil die anderen herum. Einbein komme fantastisch mit ihrem einen Bein klar, so Tierschützerin Endler. Den Schwerpunkt verlagert die Gans so geschickt, dass das verbliebene Bein das ganze Gewicht des Körpers trägt. Auf dem einen Bein sei sie flotter unterwegs als andere auf zweien – wobei schwimmen und fliegen kein Problem seien.

Nach vier Monaten wurde Einbein jetzt wieder in die Freiheit entlassen. Sie hat sich auf der kleinen Insel der Alten Brücke wieder einen Platz unter den Nilgänsen erkämpft und schon einen Partner gefunden.

Gans schön gut.

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