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Kahlschlag in Eschersheim: Aufregung um Rodung eines Waldstücks nahe der A 661

Von Entsetzen in Eschersheim: Ein seit 25 Jahren an der A 661 gewachsenes Waldstück wird abgeholzt. Die Untere Naturschutzbehörde beruhigt die Gemüter: Es ist alles rechtens. Die Baumschule Lukas rodet das Gelände, um die gepachteten Flächen im Urzustand an die Eigentümer zurückzugeben.
Von den hochgewachsenen Bäumen sind nur noch die Stümpfe zu sehen. Die Stämme liegen umgesägt daneben. Foto: Leonhard Hamerski Von den hochgewachsenen Bäumen sind nur noch die Stümpfe zu sehen. Die Stämme liegen umgesägt daneben.
Frankfurt. 

Gewaltig ist der Anblick der Baggerzange, die im Minutentakt Bäume aus dem Boden reißt, durch die Luft wirbelt und auf dem Boden ablegt. Von dem drei Hektar großen Waldstück zwischen der Autobahn 661 und der Straße „Im Geeren“ ist nicht mehr viel übrig geblieben. Was jetzt die Fläche dominiert, sind abgeholzte Bäume, herausgerissene Sträucher und Baumstümpfe.

Dass der seit Jahrzehnten gewachsene Wald nun in so kurzer Zeit verschwindet, ist für die Anwohner eine Katastrophe. „Wir haben diesen Wald zum Spazierengehen genutzt, die Kinder haben dort gespielt. Als die ersten Bäume herausgerissen wurden, hatten viele Menschen Tränen in den Augen“, berichtet Maren Goetz, die seit zehn Jahren im benachbarten Neubaugebiet wohnt.

Gerodet wird das Waldstück von der Baumschule Lukas, die die Fläche seit 1991 von sechs verschiedenen Eigentümern gepachtet hat. „Weil es mir gesundheitlich nicht gut geht und es fast unmöglich ist, einen Nachfolger zu finden, müssen wir uns verkleinern und den Betrieb über kurz oder lang aufgeben“, erläutert Inhaber Peter Lukas die Hintergründe. In den Pachtverträgen sei gesetzlich geregelt, dass die Flächen in ihrem Urzustand, sprich als Ackerfläche, an die Eigentümer übergeben werden.

Arbeiten gestoppt

Diesen Passus betont Lukas mehrfach. Weil einige Eschersheimer die Untere Naturschutzbehörde der Stadt über die großflächige Rodung informiert haben und die Arbeiten deswegen gestoppt werden mussten. „Es musste zunächst überprüft werden, was dort gerodet wird und welche Auswirkungen die Arbeiten auf die dort lebenden Tiere haben“, begründet Volker Rothenburger, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde, diese Entscheidung.

Zunächst wurde das Forstamt eingeschaltet, um zu klären, ob es sich dort um einen Wald im Sinne des Waldgesetzes handelt. Dies wurde so bestätigt. Allerdings handelt es sich um keinen Wald, der aus heimischen Arten besteht, sondern aus den durchwachsenen Baumschulpflanzen, die von der Firma Lukas dort angepflanzt wurden. „Deswegen hätte das Regierungspräsidium Darmstadt diesen illegalen Wald ohnehin entfernen müssen. Weil dies aber derzeit die Baumschule Lukas tut, konnten die Arbeiten fortgeführt werden. Es ist also alles legal, was auf dem Gelände passiert“, so Rothenburger. Auch habe es keine artenschutzrechtlichen Bedenken gegeben: „Die dort lebenden Tiere sind nicht schützenswert.“

Auch wenn die Rodungsarbeiten nun fortgeführt werden können, entspannt ist Peter Lukas deswegen noch lange nicht. „Diese drei Hektar machen nur ein Viertel der gesamten Fläche aus, die wir in Frankfurt gepachtet haben. Ich vermute, dass wir an den anderen Standorten den gleichen Zirkus wieder erleben“, sagt er. Besonders verärgert haben ihn die Bürger, die das Waldstück bislang wie eine öffentliche Fläche behandelt haben und sich nun über die Rodung beschweren. „Wir durften das Gelände nicht umzäunen, da es Naturschutzgebiet ist. Über die Spaziergänger und dort spielenden Kinder haben wir uns aber nie beschwert“, bittet er diese jetzt um Verständnis. Was nach Rückgabe mit dem Gelände passiert, ist noch unklar. Allerdings gibt es für rund ein Drittel der Fläche einen Aufstellungsbeschluss für einen B-Plan. Über kurz oder lang sollen dort Wohnungen entstehen.

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