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Hochhaus in Nieder-Eschbach: Aufzug defekt: Seniorin (99) sitzt seit Wochen fest

Von Seit einem Monat steht der Fahrstuhl im höchstem Wohnhaus im alten Teil Nieder-Eschbachs still. Während die Aufzugsfirma auf Ersatzteile wartet, sind die Bewohner mit ihrer Geduld am Ende. Viele von ihnen sind alt, der Gang durchs Treppenhaus auf Dauer zu anstrengend.
Maria Dörner weiß nicht weiter. Seit vier Wochen sitzt die 99-Jährige in ihrer Wohnung fest. Jeden Tag hofft sie, dass der Lift wieder fährt. Bilder > Maria Dörner weiß nicht weiter. Seit vier Wochen sitzt die 99-Jährige in ihrer Wohnung fest. Jeden Tag hofft sie, dass der Lift wieder fährt.
Nieder-Eschbach. 

Maria Dörner ist traurig. Während draußen die Bäume ausschlagen, auf den Wiesen die ersten Blumen sprießen und die Vögel zwitschern ist die 99-Jährige in ihrer Wohnung gefangen. Sie muss sich das Naturschauspiel von ihrem Balkon im fünften Stock ansehen, weil der einzige Aufzug in dem zehnstöckigen Hochhaus in der Albert-Schweitzer-Straße 52 nicht mehr fährt. Seit vier Wochen. So lange hat Maria Dörner ihre Wohnung nicht mehr verlassen.

„Ich bin ein aktiver Mensch. Einmal die Woche bin ich schwimmen gegangen. Bis der Aufzug kaputt ging. Seitdem bin ich hier eingesperrt“, sagt die Seniorin, die froh ist, dass zumindest ihr Sohn Reinhard ihr zur Seite steht. Er ist es auch, der ihr jetzt die lebensnotwendigen Spritzen gibt. Denn Dörners Hausarzt hat Probleme mit der Bandscheibe, zu Fuß bis in den fünften Stock schafft er es auch nicht.

40 Wohnungen befinden sich in dem zehnstöckigen Gebäude, rund 100 Menschen leben dort. Die meisten Bewohner sind älter, aber es gibt auch einige junge Familien. „Ohne Hilfe schaffe ich es nicht mit meinem zweijährigen Sohn rauszugehen. Wagen und Kind kann ich nicht alleine transportieren“, sagt eine Mutter aus dem dritten Stock. Ein Stockwerk tiefer wohnt Petra Nöll. Alleine die Treppen rauf und runter, das schaffe sie noch so eben, erzählt die Rentnerin. „Aber einen Wasserkasten bekomme ich alleine nicht hinauf. Da hole ich Hilfe“, sagt sie.

Besonders hart getroffen hat es Inge Günther. Die 86-Jährige wohnt im achten Stock. Trotzdem versucht sie jeden Tag einmal hoch und runter zu laufen. Wie lange sie für die acht Stockwerke zu Fuß braucht, das weiß sie nicht. „Ich habe nur noch eine Sehkraft von fünf Prozent, die Uhr erkenne ich nicht. Hauptsache, ich komme gut an“, sagt sie. Verschnaufen kann sie auf jedem Stockwerk, auf einem der dort aufgestellten Stühle. „Wir helfen uns, wo wir können“, sagt Jochen Haseleu, Schwiegersohn von Inge Günther und zugleich Sprecher des Eigentümerbeirats. Denn bei den Einheiten im Gebäude handelt es sich um Eigentums- und nicht um Mietwohnungen.

Keine Ersatzteile

Schon in den vergangenen Jahren gab es immer mal wieder Probleme mit dem Aufzug, länger als einen Tag stand er bisher aber nicht still, berichten die Bewohner. Wie auch das Haus wurde der Fahrstuhl 1962 gebaut, nur die Steuerung ist recht neu. Vor zwölf Jahren wurde sie ausgetauscht. Das Problem sei ohnehin ein ganz anderes, erklärt Robert Resch, Hausverwalter bei der Immobilienverwaltung Fonica Rhein-Main und für das Objekt in Nieder-Eschbach zuständig. „Damit der Aufzug wieder funktioniert, müssen ein neuer Motor und eine Platine her. Weil der Aufzug schon so alt ist, ist die Beschaffung der Ersatzteile allerdings recht schwierig“, erläutert er.

Eingebaut und gewartet wird der Aufzug von der in Berlin ansässigen Firma Schindler. Dort habe es allerdings keines der benötigten Ersatzteile gegeben. „Deswegen mussten sie extra in England angefertigt werden. Aktuell sind sie auf dem Weg von der Insel nach Deutschland“, sagt der Verwalter. Ohnehin ist er überzeugt, dass „über kurz oder lang“ ein neuer Aufzug eingebaut werden müsse. Durch diesen langen Ausfall seien die Eigentümer hoffentlich wachgerüttelt worden. „Sie müssen investieren. Denn lange geht das nicht mehr gut“, ist Resch sicher.

Von einem neuen Fahrstuhl wollen die Bewohner des Hochhauses allerdings erst einmal nichts wissen. Zumindest nicht von der Firma Schindler. „Zunächst wollen wir, dass dieser Aufzug wieder fährt. Mittelfristig werden wir uns wohl nach einer neuen Firma umschauen. Denn mit der Leistung sind wir nicht zufrieden“, erklärt Jochen Haseleu. Das sieht Otto Pühl, Vorsitzender des VdK-Ortsverbandes und sehr engagiert, wenn es um die Barrierefreiheit im Stadtteil geht, ganz genauso. „Ein Aufzug muss funktionieren. Diese Situation ist eine Katastrophe“, sagt er.

Geduldsprobe

Maria Dörner harrt derweil im fünften Stock aus. Auch wenn sie ihre Spaziergänge „sehr vermisst“, übt sie sich in Geduld. Weil die Oma von zwei Enkelinnen weiß, dass die manchmal nötig ist. „Ich freue mich auf den Tag, an dem ich endlich wieder raus kann. Lange kann es nun ja wirklich nicht mehr dauern“, gibt sie die Hoffnung nicht auf.

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