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Neue Altstadt: August Häuser zieht auf den Römerberg

Von Der ehemalige Dommuseum-Direktor August Heuser freut sich auf seinen Einzug in den „Glauburger Hof“ der neuen Altstadt. Weniger begeistert ist er vom ökumenischen Kirchenmuseum, dem Neubau des Historischen Museums und der Rekonstruktion der Rathaustürme.
August Heuser, der ehemalige Leiter des Dommuseums, schaut sich im Glauburghof in der Braubachstraße um. Foto: Holger Menzel August Heuser, der ehemalige Leiter des Dommuseums, schaut sich im Glauburghof in der Braubachstraße um.
Altstadt. 

Als August Heuser sich um den Zuschlag für eine Eigentumswohnung im „Glauburger Hof“ in der Braubachstraße bewarb, fehlte dem postmodernen Neubau noch der jetzige Schmuckgiebel mit dem charakteristischen Sinnspruch „Das Neue stürzt und altes Leben blüht aus den Ruinen.“ Die Umkehr von Friedrich Schillers Aphorismus, nach dem neues Leben aus den alten Ruinen blüht, ist für den früheren Direktor des Dommuseums nur folgerichtig: „Am Salzhaus haben wir ja den Phönix, der aus der Asche der alten Ruinen steigt, als Mosaik von Wilhelm Geißler“, stellt er fest.

Zugegeben, noch vor einigen Jahren sah Heuser den Wiederaufbau der neuen Altstadt kritisch: Der Kunsthistoriker, der im Dom und Dommuseum die Konfrontation von alter und moderner Kunst favorisierte, trauerte zwar nicht dem abgerissenen Technischen Rathaus hinterher, wollte jedoch eine Neubebauung in modernen und zeitgemäßen Formen. Doch dann reizte den im Jahr 1949 in Frankfurt geborenen Theologen und Kunsthistorriker, der als kleiner Junge in der Nachkriegszeit durch die Pfützen auf dem planierten Domhügel sprang, dann doch die Aussicht, in der neuen Frankfurter Altstadt zu wohnen.

Der reich verzierte Schmuckgiebel des Glauburger Hofs fällt ins Auge. Bild-Zoom Foto: Holger Menzel
Der reich verzierte Schmuckgiebel des Glauburger Hofs fällt ins Auge.

Heuser bewarb sich um eine Eigentumswohnung in mittlerer Wohnlage, als der „Glauburger Hof“ ohne Giebel noch kastenförmiger aussah. Er hat den Aufbau des kuriosen und umgeplanten Stilmixes miterlebt und dazugelernt: „Ein neues Wohnquartier aus verschiedenen Elementen von der Rekonstruktion bis zur freieren postmodernen Interpretation zu schaffen, ist eine hochmoderne Leistung“, ist Heuser nun überzeugt.

Junger Flüchtling dabei

Gerade in der Braubachstraße, in der sich erhaltene und rekonstruierte Gründerzeit, Jugendstil und Frühmoderne mit Skylineblick mischen, sucht Heuser die zentrale Nähe zu Oper, Theater und Museen. „Ich habe lange und gerne in Schwanheim gelebt, brauche dort aber keinen Garten oder großen Supermarkt, seit meine drei Kinder aus dem Haus sind.“ Dafür bringen der 68-Jährige und seine Frau Cornelia Wilz mit Elyas (18) beim Einzug im kommenden Frühjahr den wohl ersten Flüchtling ins Altstadtquartier: „Er hat mit uns die Eigentumswohnung besichtigt und findet sie richtig toll.“

Bedauerlich findet Heuser jedoch, dass seine Anregung, den Dom in die Rekonstruktion einzubeziehen und das zweite Geschoss des Kreuzgangs mit dem Erker wiederherzustellen, nicht weiterverfolgt wurde. „Das hätte schön mit der Goldenen Waage korrespondiert und wäre ein würdiger Abschluss des Krönungsweges gewesen“, findet er.

Kritik am KIrchenmuseum

Das umstrittene Stadthaus am Markt sei zwar in seiner Architektur durchaus gelungen: „Denn es empfindet die Kubatur des Königshofes vor dem Dom nach und bildet ein schützendes Dach für den Archäologischen Garten.“ Doch von der nun vorgeschlagenen Minimallösung für ein ökumenisches Kirchenmuseum ist Heuser ziemlich enttäuscht: „Warum man das Stadthaus nicht früher umplanen konnte und für die paar Quadratmeter Ausstellungsfläche nachträglich viel Geld für den Umbau mit Folgekosten von 250 000 Euro pro Jahr ausgibt, leuchtet mir wirklich nicht ein“, sagt Heuser.

Er hatte mit dem Leiter des Ikonenmuseums Richard Zacharuk schon vor Jahren ein größeres ökumenisches Museum zur Frankfurter Synode anno 794 favorisiert. Die identitätsstiftende Funktion der neuen kleinteiligen Altstadt sieht Heuser hauptsächlich in Verbindung mit dem Domhügel. „Am Römerberg selbst gelingt das mit dem Neubau des Historischen Museums nicht so gut, dafür ist der etwas zu groß ausgefallen“, findet er.

Westlich des Römers stünden die Sankt Leonhards-Kirche und das Karmeliterkloster als wichtige Solitärbauten für die Frankfurter Geschichte. Eine flächendeckende Nachempfindung der Altstadt sei dort ebenso wenig nötig wie die nun von Architekt Christoph Mäckler favorisierte historische Aufstockung der Rathaustürme: „Das bringt keine Bereicherung für das Stadtbild. Und wer die Türme in ihrer früheren Gestalt nicht kannte, vermisst dort nichts.“

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