Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 7°C
4 Kommentare

Stadtteil im Nordend: Aus Innovationsquartier wird Günthersburghöfe

Von Es ist umstritten wie kaum ein zweites, das sogenannte Innovationsquartier im Nordend. Trotzdem treibt die Stadt die Planung voran. Jetzt fiel die Entscheidung: Das Quartier wird nach den Plänen der Architektengruppe „to be Stadt“ gebaut.
Anwohnerin Wera Eiselt bleibt den Bebauungsplänen gegenüber skeptisch, auch hier beim Blick aufs Modell der „Günthersburghöfe. Foto: Leonhard Hamerski Anwohnerin Wera Eiselt bleibt den Bebauungsplänen gegenüber skeptisch, auch hier beim Blick aufs Modell der „Günthersburghöfe.
Frankfurt. 

Endlich steht fest, wie das neue Quartier zwischen dem Günthersburg- und dem Wasserpark im Nordend aussehen wird. Am Wochenende hat ein Preisgericht aus sechs Entwürfen den Sieger gekürt. Gebaut werden sollen die „Günthersburghöfe“ vom Büro tobe-Stadt von Torsten Becker, dem Büro Stefan Bernard Landschaftsarchitekten, dem Büro Kölling und dem Büro Crossboundaries von Antje Voigt Architekten.

„Der Entwurf zeichnet sich dadurch aus, dass das Nordend mit seiner charakteristischen Blockrandstruktur „weitergebaut“ und gleichzeitig ein beachtlicher Anteil der vorhandenen Bäume erhalten werden kann“, lobt Planungsdezernent Mike Josef (SPD) nachdem die Experten entschieden haben. Der Preis ist mit 45 000 Euro dotiert.

Mitglieder der Bürgerinitiative „Grüne Lunge“ fürchten um die Luftzufuhr im Nordend. Sie tragen symbolisch die Natur zu Grabe. Bild-Zoom Foto: Leonhard Hamerski
Mitglieder der Bürgerinitiative „Grüne Lunge“ fürchten um die Luftzufuhr im Nordend. Sie tragen symbolisch die Natur zu Grabe.

„Die Arbeit respektiert auf innovative und besondere Art und Weise die Qualität des Ortes und reagiert kreativ auf die Herausforderungen der Aufgabenstellung“, sagt Ferdinand Heide, Vorsitzender des Preisgerichts. „Der Entwurf hat einen hohen Grünanteil mit angrenzender „Wildnis“, die zu positiven klimatischen Wechselwirkungen im Quartier führt,“ so der Stadtklimatologe Prof. Dr. Lutz Katzschner, der mit in der Jury saß.

Einwände berücksichtigt

Der Bad Vilbeler Architekt Moritz Kölling freute sich sehr über das Ergebnis: „Wir haben unseren Entwurf nach der ersten Vorstellung im Juni komplett umgearbeitet. Ich war im Prozess nicht sicher, ob am Ende ein schlüssiges Konzept entstehen kann, das möglichst viele Wünsche berücksichtigt.“ Im Juni waren die ersten Ideen der beteiligten sechs Architekturbüros erstmals den Frankfurtern vorgestellt und danach nach ihnen Anmerkungen überarbeitet worden. Viele verfolgen die Planungen der Stadt für das neue Quartier kritisch. Einige Bürger werden ihre Gärten verlieren, andere fürchten um das Stadtklima, da das Baugebiet in einer Frischluftschneise aus der Wetterau liegt.

Die Architekten Moritz Kölling, Antje Voigt und Sabine Kölling vor der Darstellung der „Günthersburghöfe“, die sie entworfen haben. Bild-Zoom Foto: Leonhard Hamerski
Die Architekten Moritz Kölling, Antje Voigt und Sabine Kölling vor der Darstellung der „Günthersburghöfe“, die sie entworfen haben.

Kritik in diese Richtung wurde auch bei der Vorstellung der Entwürfe am Samstagvormittag laut, die der Sitzung des Preisgerichts voranging. „Wir glauben nicht, dass man die alten Bäume stehen lassen kann, wenn die Stadt weiter fordert, dass dort 1500 Wohnungen entstehen“, sagte die Anwohnerin Gabriele Teichert. Sie war eine von etwa 50 Mitgliedern der Bürgerinitiative „Grüne Lunge am Günthersburgpark“, die zur Vorstellung gekommen war.

Die Bürgerinitiative trug symbolisch einen Sarg ins Planungsdezernat, weil das „Innovationsquartier“ auch nach Überarbeitung der Pläne das Aus für die grünen Zonen auf dem 16,6 Hektar großen Areal zwischen dem Wasserpark im Norden und dem Günthersburgpark im Süden bedeuten würde. Auch der Großteil der rund 8,6 Hektar großen Kleingartenfläche müsste den Neubauten weichen. Die Gegner nutzten das Forum, um ihre Kritikpunkte klarzumachen. Gelbe Karten pinnten sie neben die Architektenpläne: „Nichts ist innovativer als die Natur“ oder auch „Nichts ist innovativer als neue Nachbarn“. „Wer pflegt das Grün?“ und „Wo parken die Autos?“ waren weitere Fragen.

Mike Josef versuchte, die Sorgen zu zerstreuen: „Nicht nur Frankfurt, alle Städte müssen Zuwachs an Einwohnern verkraften.“ Wer nicht über steigende Mieten und steigende Preise für Wohneigentum klagen wolle, müsse bauen. Die Angst vor den Neubauquartieren rühre aus den 60er und 70er Jahren, als massenhaft Satellitenstadtteile mit Hochhäusern und autogerechter Anbindung entstanden sind. „Das wollen wir ja gerade nicht“, versicherte Josef.

Kritiker sind nicht zufrieden

Die Bürger und die Bürgerinitiative könnten sich auch weiterhin am Planungsverfahren und der Gestaltung des neuen Quartiers beteiligen. Im nächsten Schritt müsse jetzt im Stadtparlament ein Bebauungsplan beschlossen werden, der auf dem gewählten Entwurf beruht. Danach beginnt die Auseinandersetzung mit den Investoren, die einzelne Häuser bauen werden. „Wir haben es hier nur mit dem städtebaulichen Entwurf zu tun. Es geht um Fragen wie die nach den Zufahrten, nach der Versiegelung, den Grünflächen. Die Gebäude denken Sie sich am besten völlig weg!“ Für diesen letzten Satz bekam Josef Beifall auch von den Gegnern des Bauprojekts.

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse