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Schüler gehen Kartoffeln ernten: Aus der Erde in den Mund

Bei der Kartoffelernte in Seckbach erfahren rund 100 Schüler hautnah, woher die Erdfrüchte im Supermarkt stammen. Wie man das gute alte Gericht „Kartoffeln mit Quark“ zubereitet, lernen sie gleich mit.
Bevor er sie isst, präsentiert der neunjährige Francesco eine Kartoffel mit ihrer schwarz gebrannten Schale. Innen ist sie weich und lecker. Foto: Holger Menzel Bevor er sie isst, präsentiert der neunjährige Francesco eine Kartoffel mit ihrer schwarz gebrannten Schale. Innen ist sie weich und lecker.
Seckbach. 

Die Rechnung ist einfach: Regen plus Erde ergibt Kinderglück. Obwohl Matsch in der Erwachsenenwelt einen weniger schmeichelhaften Ruf hat, springt der kleine Junge mit Schwung zu den anderen in die Pfütze am Feldesrand. Schlamm und Wasser spritzen, Kinder kreischen auf. Auch bei der Kartoffelernte war es den Schülern das größte Vergnügen, mit den Schuhen mal so richtig im Ackerschlamm steckenzubleiben.

Damit lenkte der Matsch nicht vom eigentlichen Thema „Tolle Knolle Kartoffel“ ab. Genau um dieses haptische Erlebnis geht es dem Verein „Umweltlernen in Frankfurt“ beim Projekttag. Die rund 100 Drittklässler der Ebelfeldschule und der Friedrich-Fröbel-Schule sollen hautnah begreifen, im wörtlichen Sinne, woher die Erdäpfel kommen und wie sie im Supermarkt landen.

Dafür durchzog ein Jahr lang das Thema Kartoffel fast alle Unterrichtsfächer. Vom Kartoffeldruck im Kunstunterricht bis zur Geschichte, wie sich das ursprünglich südamerikanische Gewächs in Europa verbreitete. Über Friedrich den Großen wird etwa erzählt, dass er seinen Acker bewachen ließ, um die Kartoffel besonders wertvoll erscheinen zu lassen.

Den Abschluss bildet nun die Kartoffelernte in Seckbach auf dem Feld nahe der Unfallklinik. Der Landwirt Andreas Damm ließ dafür extra ein paar Zeilen Kartoffeln für die Kinder stehen.

Zwiebeln und Quark

Für die Schüler lautet der Dreischritt zum Mittagessen: graben, grillen, Quark anrühren. Nachdem sie die Kartoffeln nämlich aus der Erde geholt und vom Grün befreit haben, landen die Knollen in einem kleinen Lagerfeuer. Ohne Grillrost und ohne Alufolie liegen die Kartoffeln 20 Minuten lang zwischen den glühenden Kohlen. Genug Zeit, um Quark, Schmand und Frühlingszwiebeln zu vermengen. Dass die Kartoffeln, schwarz und von Asche umhüllt, das kleine Feuer verließen, ekelte keines der Kinder. Mit den Fingernägeln zog der neunjährige Francesco die Schale ab, tunkte die Kartoffel in die Quarkschale und ließ es sich schmecken.

Einen solchen „Serviervorschlag“ wird man im Supermarkt wohl auf keiner Verpackung finden. Auch Kartoffeln, die noch mit Erde bedeckt sind, sind selten. Dabei halten sich Kartoffeln länger, wenn die Erde die Nachtschattengewächse vor Licht schützt, sagt Damm. Sonst bilde die Knolle den Giftstoff Solanin und werde grün. So etwas wüssten aber immer weniger Kinder in Zeiten, in denen man geschälte Kartoffeln im Glas kaufen kann. Überhaupt werde in den Familien immer weniger gekocht. Grundsätzlich stimmt Barbara Clemenz vom Verein „Umweltlernen in Frankfurt“ dem zu. Jedoch gebe es auch in allen Klassen Kinder, deren Eltern sehr wohl den Kleinen vermittelten, sich gesund und ökologisch-bewusst zu ernähren. Doch auch für sie sei es wichtig, hier zu erleben, dass Landwirtschaft auch zu Frankfurt gehört.

Leider nicht Traktor fahren

Dem Regen verdanken die Kinder aber nicht nur den Schlamm, sondern auch den Trecker, den Damm mitgebracht hat. „Können wir darauf klettern?“, fragt Francesco. Darf er nicht, antwortet Damm. Das ist zu gefährlich. Normalerweise müsste der Traktor und die Erntemaschine zu dieser Zeit auf dem Feld unterwegs sein, weil sie die Anschaffungskosten von 100 000 Euro wieder reinholen muss. Doch heute ist die Erde zu nass. So kann Damm den Schülern an dem riesigen Gerät zeigen, wie der Pflug die Kartoffeln aus der Erde holt und auf dem Weg über mehrere Fließbänder vom Strunk befreit. Acht Tonnen kann der Trecker ernten, bevor er abladen muss. „Wie viel sind denn acht Tonnen?“, fragt Francesco und wiederholt mit aufgerissenen Augen Damms Antwort, es seien 4000 Kartoffelsäcke. Francesos Hand schießt erneut nach oben. „Dürfen wir dann jetzt auf den Trecker klettern?“

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