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Aus für die Gemeinschaftsstraße

In der Sitzung des Ortsbeirats 13 (Nieder-Erlenbach) war man sich einig: Die Gemeinschaftsstraße im Ortskern hat keine Zukunft, ein verkehrsberuhigter Bereich soll her. Doch ob und wann der kommt, bleibt offen.
Viel Verkehr auf der Gemeinschaftsstraße: Kommen hier noch der Bus oder parkende Autos in die Quere, wird es eng. Daher wünscht sich der Ortsbeirat Regeln für den alten Ortskern.	Foto: Semrau Viel Verkehr auf der Gemeinschaftsstraße: Kommen hier noch der Bus oder parkende Autos in die Quere, wird es eng. Daher wünscht sich der Ortsbeirat Regeln für den alten Ortskern. Foto: Semrau
Nieder-Erlenbach. 

Ob Helmut Michel für einen Satz im Ortsbeirat jemals so viel Applaus bekommen hat? Während der Sitzung am Dienstagabend jedenfalls brandet Beifall auf, als das CDU-Ortsbeiratsmitglied sagt: "Die Gemeinschaftsstraße ist gescheitert. Dass es ohne Schilder funktioniert, sind Hirngespinste." Gemeint ist das Projekt "Shared Space", das seit drei Jahren im alten Ortskern von Nieder-Erlenbach durchgeführt wird – und zu heftigsten Diskussionen geführt hat.

"Was gemacht wurde, reicht nicht", sagt ein Anwohner zu den im Sommer erfolgten Nachbesserungen mit Pollern, Fahrradständern und einer Bank. Parkende Autos seien nach wie vor das Hauptproblem. Sie blockieren nicht zuletzt oft die Linienbusse, die in der Straße verkehren. "Wir werden immer wieder hier sitzen und dasselbe Thema haben", meint Michel.

Für ihn wie auch die anderen Ortsbeiratsmitglieder ist längst klar: Es muss eine andere Lösung her. Eine verkehrsberuhigte Zone haben sie bereits im Juni beantragt. Da waren die vier Planungswerkstätten zur Gemeinschaftsstraße gelaufen, der Abschlussbericht fehlte aber noch. Der ist nun da (die FNP berichtete), sorgt aber für wenig Begeisterung. "Es ist eine Beschreibung an sich, im Fazit steht aber nicht viel Neues", meint Ortsvorsteher Matthias Mehl (CDU).

Wenige Fürsprecher

"Wir wollten ein Verkehrskonzept für den Ortskern und nicht nur die Gemeinschaftsstraße thematisieren", kritisiert auch Grünen-Fraktionschefin Annette Malsch. Nach allem, was sie gelesen hat, ist auch sie sich sicher: "Wir sollten bei der verkehrsberuhigten Zone bleiben." Mehl verweist aber darauf, dass während der Planungswerkstatt eine Mehrheit zurück zu Tempo 30 in der Straße Alt-Erlenbach – dem Kernstück der Gemeinschaftsstraße – wollte. Eine verkehrsberuhigte Zone, umgangssprachlich auch Spielstraße genannt, fand da nur wenige Fürsprecher. "Da war nicht klar, was dies überhaupt bedeutet", sagt Malsch.

Doch Ortsvorsteher Mehl will noch einmal die Rückkoppelung mit den Bürgern. "Was sagen Sie dazu?", fragt er die knapp 40 Zuhörer. Mit "super" und "richtig" ist nur Zustimmung zu vernehmen. Doch schnell kommen die ersten Skeptiker. "Wie lange müssen wir denn darauf warten?", will ein Anwohner wissen. Das weiß Mehl auch nicht: "Wir können die verkehrsberuhigte Zone nicht befehlen." Entscheiden muss der Magistrat.

Der gab zumindest eine vorläufige Antwort auf den Antrag der Stadtteilpolitiker. Diese besagt unter anderem, dass bereits Sofortmaßnahmen ergriffen worden seien, dass die Stadt keine Grundstücke für Parkplätze pachtet und weiterhin Busse durch den Ortskern fahren müssten. Die Antwort zur verkehrsberuhigten Zone könne "innerhalb der vorgegebenen Frist leider nicht abschließend beantwortet werden", so der Magistrat. Frühestens Ende Februar soll es soweit sein.

Neue Probleme

Eine Umsetzung könnte dann zügig erfolgen. Denn es müssten nur die "Shared-Space"-Hinweisschilder an der linken Straßenseite demontiert und rechts neue Schilder aufgestellt werden. Dazu kommt noch das Einzeichnen von Parkplätzen. Denn Parken ist in einer verkehrsberuhigten Zone nur in ausgewiesenen Flächen erlaubt. Es würden also einige Parkplätze wegfallen, was zu neuen Problemen führen könnte.

"Die Mühlen mahlen bei allen Anträgen langsam", versucht Malsch die Bürger ob des Zeitbedarfs zu beruhigen. Mehl vermutet gar, dass es bis zu drei Jahre dauern könnte. "Das ist zu lange. Das bedeutet, dass wir drei Jahre weiter in der Misere verharren", schimpft ein Bürger. Ob eine verkehrsberuhigte Zone überhaupt möglich ist, entscheidet aber nicht zuletzt auch die Lokale Nahverkehrsgesellschaft Traffiq. Denn bisher hatte sie diese Zone immer wegen des Zeitverlusts der Busse abgelehnt. Schon eine Minute kann hier dazu führen, dass ein weiterer Bus gebraucht wird – mit Kosten, die in die Hunderttausende Euro pro Jahr gehen können. Traffiq-Sprecher Klaus Linek versprach gegenüber der FNP, die Einrichtung zu prüfen. Mehr konnte er noch nicht sagen.

"Wir streben hier seit 20 Jahren einen lebenswerten Raum an", sagt SPD-Fraktionschefin Barbara Ziegner. Das könnte aus Sicht des Ortsbeirats mit der verkehrsberuhigten Zone erreicht werden. "Sie ist damals wie heute richtig", meint Ziegner. Ob und wann es soweit ist, bleibt aber offen.ses

(ses)
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