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Startorante: Ausbildungsrestaurant für schwierige Jugendliche ist zum Treffpunkt geworden

Von Das Ausbildungsrestaurant „Startorante“ feiert sein zehnjähriges Bestehen auf dem ehemaligen Teves-Gelände im Gallus mit einem kreativen regionalen Buffet und Kabarettprogramm von Johannes Scherer. Gegründet wurde das Restaurant für die Ausbildung von Mädchen, seit vergangenem Jahr können aber auch Jungen und junge Männer dort ihre Ausbildung absolvieren.
Aleks Evtimov (17) und Henry Becker (18) machen eine Ausbildung bei „Startorante“ – und haben große Pläne für die Zukunft, Foto: Holger Menzel (Holger Menzel) Aleks Evtimov (17) und Henry Becker (18) machen eine Ausbildung bei „Startorante“ – und haben große Pläne für die Zukunft,
Gallus. 

Zugegeben, das Kochen und die Gastronomie können durchaus ein hartes Brot sein. Doch Aleks (17) und Henry (18) haben diese Branche für sich entdeckt, fachsimpeln bereits, wie man den Fisch oder das Omelette richtig anbrät. Aleks möchte nach der Grundausbildung sein Diplom machen. „Und ich könnte mir vorstellen, später auf einem Schiff zu arbeiten“, sagt Henry.

Die Chancen der beiden sind nicht schlecht. „Immerhin ist hier vor fünf Jahren der Fernsehkoch Mirko Reeh auf eine japanische Auszubildende aufmerksam geworden“, erinnert sich die Projektleiterin und Ausbilderin des Startorante Monika Vohs. Die Beschäftigung beim Fernsehkoch war damals die Kür, die Pflicht sind zwei Jahre Ausbildung für die Fachkräfte im Gastgewerbe sowie drei Jahre für die Restaurantfachfrauen und -männer sowie die Köchinnen und Köche. Denn seit vergangenem Jahr bekommen in dem für weibliche Auszubildende gegründeten Lokal auch Jungen und junge Männer von 16 bis 27 Jahren eine Chance, die bislang keine geeignete Stelle auf dem ersten Ausbildungsmarkt finden konnten.

„Derzeit haben wir sogar neun männliche und nur zwei weibliche Auszubildende und haben immer noch zwei Plätze zu vergeben“, sagt Maud Beeskow, Geschäftsführerin des Beschäftigungsträgers FAPRIK (Förderung von Ausbildungsprojekten im kaufmännischen Bereich), der außerdem noch das Papiergeschäft Schub-Laden in der Spessartstraße in Bornheim betreibt. Dass die männlichen Auszubildenden jetzt in der Überzahl sind, könnte an dem hohen Zuspruch durch Geflüchtete in einem ursprünglich eher männlich geprägten Beruf liegen. „Denn wer in der Gastronomie kocht, ist viele Stunden im Einsatz und muss schwere Töpfe tragen, das kostet schon ganz schön Kraft“, sagt Vohs.

Ausbau für 200 000 Euro

Kraft kostete vor zehn Jahren auch der Aus- und Umbau der früheren Teves-Kantine zum Ausbildungsrestaurant: „Die Werkstatt Frankfurt, die damals in der Mainzer Landstraße ansässig war, informierte uns über die Raumkapazitäten auf dem Gelände im Umfeld des Günes Theaters und der benachbarten Ateliers. Sie regte an, hier einen Ausbildungsbetrieb für junge Leute einzurichten, die im Idealfall schon gastronomische Erfahrungen, aber sonst Probleme haben, einen Platz zu finden“, erinnert sich Beeskow.

Die FAPRIK habe sich damals als Träger angeboten, da sie bereits das Schülercafé „Milchbar“ im Nord- end betrieb. Doch dann kam die eigentliche Herausforderung: Für den rund 200 000 Euro teuren Ausbau zum Ausbildungsrestaurant mussten zwei Umkleidekabinen und zwei Kühlhäuser neu eingebaut werden. „Diese Räumlichkeiten waren vorher extern oder im Keller untergebracht, was dann aber nicht mehr zulässig war“, sagt Beeskow. Damit sich auch die Gäste wohlfühlen, sollte der renovierte Gastraum später noch durch eine Außenterrasse ergänzt werden.

Das erste Ausbildungsjahr startete 2018 mit zehn Ausbildungsplätzen für Mädchen und junge Frauen, die Zug um Zug bis auf14 Plätze aufgestockt wurden. Heute beschäftigt das Startorante mit Catering auch im Römer vier hauptamtliche Mitarbeiter, das Sozialdezernat und die Stiftung „Pro Region“ finanzieren die Ausbildungsplätze.

Dass es auf der Außenterrasse im Frühjahr grünt und blüht, verdankt das Restaurant einem weiteren Meilenstein: Vor vier Jahren legten die dort beschäftigten Jugendlichen zwölf Hochbeete und eine Kräuterspirale an. „Wir wollten hier nicht nur frisch kochen, sondern nach Möglichkeit auch selbst gezogene Früchte, Kräuter und Gewürze verwenden“, sagt Vohs.

Viele regionale Produkte

Regionale und saisonale Produkte sind besonders häufig auf der Speisekarte zu finden, seien es Gerichte mit Grüner Soße, Kräuteromelette, Käsespätzle mit den passenden Zwiebeln oder auch Zucchini-Spaghetti mit veganer Bolognesesauce auf Tomaten- und Tofubasis. Heute zählen viele Betriebe im Gallus, wie der Deutsche Fachverlag, WISAG oder auch das Ordnungsamt, zu den Stammkunden. „Eine abendliche Gastronomie wird sich wohl vorerst nicht lohnen. Aber unseren künftigen neuen Anwohnern möchten wir gerne nachmittags etwas bieten“, sagen Beeskow und Vohs. Natürlich kein hartes Brot, sondern süßen und saftigen Kuchen.

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