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Autoren berichten von Heimat

Von Sie stammen aus den verschiedensten Ländern, doch sie sind in Frankfurt angekommen, einer multikulturellen Stadt mit 180 Nationen. Auf der ersten Frankfurter Immigrationsbuchmesse stellten rund 20 Autoren ihre Bücher aus der Fremde und dem Leben in der Mainmetropole vor.
Nordweststadt. 

Die Autoren haben in Frankfurt Wurzeln geschlagen, doch sie tragen die Heimat im Herzen. "Es war einer der ersten Tage im Frühling 1962 in Sabsewar. Die Sonne strahlte zwischen den Zweigen und Knospen des Kirschbaums hervor", liest Behjat Mehdizadeh aus ihrer Kurzgeschichte "Die Lehmfamilie" in der Anthologie "Wortwandlerinnen" – und entführt ihre Zuhörer sofort in die weiten Landschaften des Irans. Giuseppe Bruno beschreibt in der Autobiographie "Der Zug in der Fremde" seine Kindheit als Bauernjunge in Butera, "dem schönsten Dorf der Welt 485 Meter über dem Meeresspiegel" in Sizilien und seine Zeit in Frankfurt.

Integration und Dialog

Behjat Mehdizadeh und Giuseppe Bruno gehören zu den 20 Autoren, die ihre Erfahrungen aus dem Leben in Deutschland und in anderen Ländern der Welt auf der ersten Frankfurter Immigrationsbuchmesse im Titusforum vorstellten. Es ist eine eigene Messe für spezielle Ziele, die auf einer großen Buchmesse nur wenig Beachtung fänden. "Deshalb setzen wir uns für die kulturelle Integration aller Migranten in Frankfurt und den Dialog mit den Einheimischen ein", betont Hamidul Khan, Vorsitzender der Deutsch-Bengalischen Gesellschaft. Er selbst musste seine Heimat Bangladesh wegen der Militärdiktatur verlassen und stellte sein Fachbuch "Universalgenie Rabindranath Tagore" vor.

"Tagore war ein weltbekannter Philosoph und Weggefährte Mahatma Gandhis", betonte er. Da Khan bereits viele interkulturelle Veranstaltungen im Titusforum organisiert hatte, konnte er leicht die Kontakte zu den beteiligten Verlagen, Literaturclubs und Verlagen knüpfen. 50 Prozent der Kosten hat die Gesellschaft mit Hilfe von Sponsoren beigesteuert, die andere Hälfte kam aus Zuschüssen der Stadt zusammen.

Die Beweggründe der Autoren der Buchmesse sind unterschiedlich: Muepu Muamba hat in jungen Jahren die Verwandlung der Kolonie Belgisch-Kongo in die Demokratische Republik Kongo erlebt, die dann in einer blutigen Diktatur mündete. "Schriftsteller wollte ich ursprünglich nicht werden", bekennt er. Doch er wollte Einblicke in sein abenteuerliches Leben geben, das er erlebte, bevor er vor elf Jahren nach Frankfurt kam.

Winfried Polte hingegen engagierte sich in der Entwicklungshilfe in Afrika und beschreibt als deutscher Autor in "Lyrisch-literarische Betrachtungen zweier Welten" seine eigenen Wahrnehmungen von Timbuktu. Die Stadt im westafrikanischen Mali ist wie Frankfurt eine Vielvölkerstadt, die unter anderem Berbern, Mauren und Mandinkas eine Heimat bietet.

Reise in die Großstadt

Doch irgendwann war es bei den Migranten vorbei mit der kindlichen Liebe zur Heimat: Dann wurden schnell die Koffer gepackt, und die Reise ging in eine Großstadt irgendwo in der Ferne. Dies versprach damals Arbeit, Bildung und viele Chancen in der persönlichen Entwicklung. "In Frankfurt angekommen, ging es ziemlich rund und auf dem Hauptbahnhof ging das Befummeln los", erzählt Giuseppe Bruno. "Bevor ich als sogenannter Gastarbeiter am Güterbahnhof anpacken musste, wollten die fühlen, wie kräftig ich bin."

Die gebürtige Marokkanerin Fouzia Taibi ist im westlichen Frankfurt daheim und verarbeitet in Gedichten und Kurzgeschichten ihre Erfahrung, als Mitarbeiterin einer Fluggesellschaft wie in "Uniform mit Wundermaske" auftreten zu müssen: "In der deutschen Literaturwelt angenommen zu werden, ist für uns noch schwerer als für einheimische Autoren", stellt sie fest. Deshalb engagiert sie sich mit Mehdizadeh im "Literaturclub für Frauen aus aller Welt", in dem derzeit elf Nationen vertreten sind.

Mehdizadeh kam 1994 aus familiären Gründen nach Deutschland, ihre Kinder Soufia und Josef studieren in Frankfurt und Mainz. Sie hat im Mehrgenerationenhaus eine Biographie- und Erinnerungswerkstatt gegründet, um die Erfahrungen der verschiedenen Kulturen Frankfurts aufzuarbeiten. "Als Sizilianer bin ich trotz harter Kindheit meinem Heimatdorf verbunden, fühle mich aber in Frankfurt mit seiner Grünen Soße richtig wohl", betont neben ihr Bruno. "Wir haben es selbst in der Hand, uns gut zu integrieren."

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