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Barber Convention in Frankfurt: Barbershops liegen im Trend: Einblicke in eine Männerdomäne

Von Barbershops und Herrenfriseure schießen in Deutschland wie Pilze aus dem Boden. Männer lassen sich dort nicht nur das Haar schneiden und den Bart stutzen, sie trinken auch Whisky, rauchen Zigarre – und genießen es, fern der Frauen unter sich zu sein. Die erste internationale Barber Convention in Frankfurt bot Gelegenheit, dem Lifestyle-Trend auf den Grund zu gehen.
Barber Jerome Kantner verpasst seinem Stammkunden Olaf eine Herrenfrisur mit perfektem Scbeitel. Foto: Christian Christes (CHRISTES) Barber Jerome Kantner verpasst seinem Stammkunden Olaf eine Herrenfrisur mit perfektem Scbeitel.
Frankfurt. 

In seiner linken Hand hält Jerome Kantner eine Sprühflasche mit Haarwasser, mit dem Kamm in seiner rechten verpasst er seinem Stammkunden Olaf den perfekten Scheitel. 2014 hat sich der Herrenfriseur bei einem renommierten Wettbewerb in Lissabon zum Weltmeister seiner Profession geschnippelt. Jetzt steht er, umringt von neugierigen Zuschauern, in der Frankfurter Klassikstadt und erläutert wortreich die Schritte, die nötig sind, um aus wucherndem, verstrubbeltem Männerhaar wieder eine Frisur zu zaubern, die ihrem Träger Ehre macht.

Bilderstrecke Bartträger und Barbiere: Die Barber Convention in Frankfurt
Bei der „Barber Convention“ dreht sich alles um Bart, Rasur und den klassischen Herrenschnitt. Die zweitägige Messe fand am 17. und 18. September in der "Klassikstadt" in Fechenheim statt.

Normalerweise schwingt Kantner, 46 Jahre alt, in seinem Salon in Mainz-Hechtsheim Schere und Rasierklinge. An diesem Wochenende macht er aber eine Ausnahme, um die erste internationale Barber Convention in Fechenheim zu besuchen. 42 Aussteller aus Deutschland, England, Dänemark und anderen europäischen Ländern sind in die Klassikstadt in Fechenheim gekommen, um Werkzeuge und Produkte für die Barbershops zu präsentieren, die in der jüngeren Vergangenheit wie Pilze aus dem Boden geschossen sind.

Barbershops sind Lifestyle-Friseursalons für Männer, mancherorts ist Frauen der Zutritt sogar streng verboten. Die Besucher können sich in den Shops mit Clubcharakter nicht nur die Haare schneiden und den Bart stutzen lassen, sie können auch Bier und Whisky trinken, Zigarre rauchen und ohne die Gefahr weiblicher Einmischung über Themen wie Fußball oder Autos fachsimpeln.

Die Ausstattung der Barbershops ist in der Regel aufwendig und entführt die Herren der Schöpfung in die 30er bis 70er Jahre des 20. Jahrhunderts. Antike Holzmöbel, auch mal ein Chesterfield-Sofa. „Vintage“, heißt das Zauberwort, das sich auch in der Kleidung von Barbern wie Jerome Kantner niederschlägt. Der zieht die Register seiner Kunst auf der Barber Convention in einem Outfit, das auch zu einem Kellner im Wiener Kaffeehaus passen würde: feine Lederschuhe, weite Anzugshose und ein weißes Hemd unter zugeknöpfter Weste.

Bier am Freitagabend

„Die Jungs legen heute mehr Wert auf ihr Äußeres als früher und sind auch bereit, mehr Geld für Pflege zu bezahlen“, sagt Kantner. Olaf, dessen Frisur er gerade „den letzten Schliff“ gibt, ist das beste Beispiel dafür: „Ich fahre jeden Monat von Würzburg nach Mainz, um mir von Jerome die Haare schneiden zu lassen. Der kriegt das einfach genau so hin, wie’s mir gefällt, außerdem gibt’s Freitagabend immer Bier.“

Die Flüssigkeiten, die auf der Barber Convention über die Theke gehen, dienen allerdings eher der Pflege als der Trunkenheit des Mannes: Von Ölen für den Bart über Pomaden bis zu Parfums reicht das Spektrum, immer wieder wehen herbe Düfte durch die Gänge der Klassikstadt. Jari Leinonen aus Finnland trägt ein paar besondere Noten dazu bei: „Die runden Rasierseifen, die wir anbieten, duften zum Beispiel nach Whisky und Sandelholz – oder nach dem Teerpech, das tropft, wenn man Kiefernholz verbrennt.“

Begehrtes Männermodel

Das weltweit bekannte Männermodel Ricki Hall ist am Stand der Marke „Capt. Fawcett Limited“, um ein Eau de Parfum, das neueste Produkt seiner Kollektion, zu präsentieren. Der bärtige Engländer wird allerdings eher von Frauen um ein gemeinsames Foto als von Männern um eine Duftprobe gebeten. Richie Finney, Chef von „Capt. Fawcett“ und Träger eines beachtlichen Zwirbelbarts, erzählt, dass er jahrelang Bartwichse nur für sich selbst machte. „Nachdem meine Frau, eine Maskenbildnerin fürs Fernsehen, das Zeug einmal mitgenommen hatte und hellauf begeistert war, machte ich aus der Produktion ein Geschäft.“

Einer der Clous auf der Convention ist, dass sich die Besucher von Barbern kostenlos das Haar stutzen lassen können. Daniel Burkhardt, der aus der Nähe von Koblenz angereist ist, lässt sich von dem neapolitanischen Herrenfriseur Pino de Stefano eine Glatze schneiden. Von einem zackigen „Ratsch-und-Haare-ab“ kann dabei keine Rede sein: In mehreren Schritten, zu denen auch die Auflage einer warmen Tabakkompresse gehört, lässt der Spezialist den Kopfbewuchs verschwinden. „Fühlt sich gut an“, sagt Burkhardt und streicht sich mit der Hand übers kahle Haupt. Sorge bereitet dem 27-Jährigen nur, was seine Mutter – selbst Friseurin – zu seinem neuen Look sagen wird.

1200 Besucher kamen nach Angaben von Rudi Seiler vom International Barber Convention Club im Laufe des Wochenendes zusammen. Bundesweit gebe es derzeit etwa 350 Herrenfriseursalons, 170 seien reine Barbershops, sagt er. Die Salons seien „Wohnzimmer für Männer“: „Die Jungs sind es eben leid, beim Friseur zwischen Frauen mit Folien im Haar und Trockenhauben überm Kopf zu sitzen.“

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