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Nächste Haltestelle, nächster Ärger: Barrierefreier Umbau der Busstationen sorgt in Kalbach für Aufregung

Von Die Haltestelle „Rathaus Kalbach“ muss barrierefrei ausgebaut werden. Wie alle Haltestellen in der Stadt. Wie schon in der Hügelstraße regt sich auch hier Widerstand. Diesmal geht es aber nicht um Verkehrsbehinderungen, sondern um einen Bushalt direkt vor einem Wohnzimmer.
Die Haltestelle vor dem Alten Rathaus kann nicht barrierefrei umgebaut werden, Traffiq will sie daher versetzen. Foto: Leonhard Hamerski Die Haltestelle vor dem Alten Rathaus kann nicht barrierefrei umgebaut werden, Traffiq will sie daher versetzen.
Kalbach. 

Wer mit der Buslinie 29 vom Riedberg nach Alt-Kalbach fährt, der steigt an der Haltestelle „Rathaus Kalbach“ aus. Die befindet sich direkt vor dem alten Fachwerkhaus auf der Kalbacher Hauptstraße. Das war schon immer so. Aber das wird nicht so bleiben. Denn nach Planungen der Frankfurter Verkehrsgesellschaft Traffiq soll die Haltestelle knapp 50 Meter zurückversetzt werden. Wie alle anderen rund 1300 Bushaltestellen im Stadtgebiet muss sie bis 2022 barrierefrei ausgebaut werden. Am jetzigen Standort ist die Umsetzung allerdings nicht möglich, weil dem Ausbau der Denkmalschutz entgegensteht.

Wird die Haltestelle tatsächlich zurückversetzt, wonach es derzeit aussieht, dann steht sie genau vor dem Wohnzimmerfenster von Thomas Reischl. Er hat das gelbe Haus mit der Nummer 34 gemietet und betreibt im Hinterhaus eine KfZ-Werkstatt. „Ich war natürlich völlig begeistert, als ich von der geplanten Verlegung gehört habe“, sagt er ironisch. Zumal die Bushaltestelle dann quasi mitten in seinem Wohnzimmer stehen würde, meint er überspitzt. Ein Problem gäbe es außerdem für seine Kunden, die mit ihren Autos den Hof verlassen. „Steht dort der Bus, dann ist die Sicht deutlich eingeschränkt und es wird gefährlich“, so der KfZ-Meister. Ganz davon abgesehen, dass der Bürgersteig überhaupt nicht geeignet sei, um für die nötige Barrierefreiheit erhöht zu werden.

Das sieht Traffiq völlig anders. „Es gibt überhaupt kein Problem, an dem neuen Standort eine barrierefreie Haltestelle zu bauen. Auch ist der Bürgersteig, wie oft kritisiert, nicht zu schmal. Wir bauen auch auf deutlich schmaleren Gehwegen“, erklärt Sprecher Klaus Linek.

Problem Denkmalschutz

Um die Haltestelle an ihrem heutigen Standort barrierefrei auszubauen, müsste die Hinterkante des Gehweges am Gebäude angehoben werden. Nur so kann ein ausreichendes Gefälle für die notwendige Entwässerung erreicht werden. Durch diese Erhebung müssten allerdings auch die alten Stufen vorm Rathaus angepasst werden. Dem aber steht, wie bereits erwähnt, der Denkmalschutz entgegen.

Die Idee des Ortsbeirates 12 (Kalbach, Riedberg), die Straße vor der Haltestelle deswegen einfach abzusenken, um den barrierefreien Einstieg in den Bus zu ermöglichen, ist technisch nicht umsetzbar. Weil der Fahrbahnaufbau an dieser Stelle nur acht bis zehn Zentimeter misst, nötig wären allerdings 15 Zentimeter. „Aus diesem Grund werden die Pläne zur Verlegung der Haltestelle weiterverfolgt“, so Klaus Linek.

Damit will sich der Ortsbeirat aber nicht zufrieden geben. Zumal bei der Verlegung noch ein weiteres Problem auftritt. „Beide Haltestellen lägen direkt gegenüber. Treffen sich also zwei Busse, dann ist die Straße dicht“, gibt Ortsvorsteherin Carolin Friedrich (CDU) zu bedenken. Zudem sei es ja mittlerweile so, dass der Ortsbeirat beim barrierefreien Umbau der Haltestellen mitreden dürfe. „Darauf werden wir in diesem Fall sicher bestehen“, so Friedrich. Schon für die nächste Ortsbeiratssitzung im November soll deswegen ein interfraktioneller Antrag auf der Tagesordnung stehen.

Keine Wartehäuschen

Es gibt also vielleicht Hoffnung, dass vor Thomas Reischls Haus künftig kein Bus hält. Das wäre nicht nur in seinem Sinne, sondern auch in dem des Eigentümers. Das Haus gehört Rainer Venino, der noch in der vergangenen Legislaturperiode für die FDP im Ortsbeirat saß. „Natürlich hat der Ortsbeirat recht. An dieser Stelle kann keine Haltestelle gebaut werden. Der Standort vor dem Rathaus passt bestens“, betont der Rechtsanwalt, dass eine Verlegung für die Anwohner nicht zumutbar ist. Zudem ist es für ihn unverständlich, wie die Fußgänger den ohnehin schon schmalen Bürgersteig nutzen sollen, wenn sich dort noch eine Bushaltestelle befindet.

Doch auch dieser Punkt wirft für Traffiq kein Problem auf. Weil die Haltestelle aufgrund des engen Gehweges ohnehin ohne Wartehäuschen gebaut wird. Das gebe es derzeit vor dem Rathaus schließlich auch nicht. „Das Aufstellen von Wartehäuschen an den Kalbacher Haltestellen ist allgemein ein Problem. So auch hier“, sagt Linek.

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