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Flughafen: Bauarbeiter erneuern nachts den Asphalt vor Terminal 1

Von Baumaschinen graben Nacht für Nacht ein Stück der Rollbahn des Flughafens auf. 80 Zentimeter tief holen die Bagger Asphalt Schotter und Erde hervor. 50 Zentimeter stark wird die neue Asphaltdecke, darunter 30 Zentimeter Schotter. Frühmorgens muss die Arbeit fertig sein, der Asphalt etwas abgekühlt. Denn schon wenige Minuten später rollt der erste A 380 darüber.
Eine Choreographie: Während hinten vier Bagger den Asphalt der Rollbahn aufmeißeln, räumen zwei weitere Bagger rechts und links den Schutt aus. Foto: (thomas j. schmidt) Eine Choreographie: Während hinten vier Bagger den Asphalt der Rollbahn aufmeißeln, räumen zwei weitere Bagger rechts und links den Schutt aus.
Frankfurt. 

Jede Bewegung sitzt, wie im Ballett. Die Arbeiter, die die 30 Tonnen schweren Kettenbagger fahren, wissen, was sie tun. In dieser Nacht sind drei, später vier von ihnen auf der Rollbahn des Flughafens im Einsatz. Mannshohe hydraulische Meißel sind am Baggerarm befestigt. Wenn diese in den Asphalt drücken, die Stöße den Stahl tiefer in den alten Asphalt rammen, manchmal einer der Bagger sich leicht von den Ketten hebt, spürt man pure Kraft. Noch in gut 50 Metern Entfernung zittert der Boden.

Sie wissen, was sie tun

Die Arbeiter wissen genau, was sie tun müssen. Auf den Zentimeter genau ist aufgezeichnet, wie groß die Fläche ist, die in dieser Nacht erneuert werden muss. Heute sind es 620 Quadratmeter auf dem Rollweg N (wie „November“), einer der beiden Wege, die die Flugzeuge in ost-westlicher Richtung nehmen können, wenn sie zur Startposition auf der Centerbahn oder Südbahn rollen. Das Baufeld „N 3“, das an 135 Nächten seit April Stück für Stück erneuert wird, läuft in Nord-Süd-Richtung. Es beginnt im „Hof“ zwischen den Flugsteigen B und C des Terminals 1, führt quer über den Rollweg N nach Süden bis zum Rollweg L.

Bevor der Schotter in die Baugrube kommt, glättet ein Bagger hier den Boden und bring ihn auf die richtige Tiefe. Bild-Zoom Foto: (thomas j. schmidt)
Bevor der Schotter in die Baugrube kommt, glättet ein Bagger hier den Boden und bring ihn auf die richtige Tiefe.

Vorher, noch kurz vor 23 Uhr, haben die Bauarbeiter und ihre schweren Bagger geduldig warten müssen, bis dieser Hof leer war, das letzte Flugzeug weggerollt. Denn erst dann konnte das Baufeld abgesperrt, das Werk der Nacht begonnen werden.

Am Morgen muss alles fertig sein. Jede Nacht, am besten um 22 Uhr schon, meistens jedoch, wie heute, erst später, rollen Bagger und Co. zum Baufeld. Stück für Stück, Nacht für Nacht, entsteht so ein Gesamtbild aus einzelnen, kleinen Feldern. Seit April und noch bis Oktober wird hier gearbeitet, nachts, unter laufendem Betrieb. „Die Kernnacht ist zu kurz“, sagt Alexander Betz, Projektleiter bei der Fraport. 23 bis 5 Uhr, nur sechs Stunden also, das reicht nicht. 22 bis 6 Uhr ist die Zeit, die die Bauarbeiter zur Verfügung haben. Wenn es aber, wie heute, zu Verzögerungen kommt, müssen sie nachher eben schneller arbeiten.

So wie jetzt. Die drei Meißelbagger haben das erste Stück aufgebrochen. Inzwischen rollen zwei (leichtere) Radbagger heran, fassen die Asphaltstücke und heben sie in die bereitstehenden Lastwagen. Danach beginnen sie, das Material unter dem Asphalt auszubaggern. Die Kettenbagger mit dem Meißel arbeiten Seite an Seite und rollen regelmäßig langsam nach hinten. Das ist Teil der Choreographie. Inzwischen arbeitet ein vierter Kettenbagger mit einer großen Schaufel im Vordergrund.

Das Szenario ändert sich

Bis Mitternacht hat sich das Szenario geändert: Es sind nicht mehr die Meißel, es sind die Schaufeln, die das Bild dominieren. Inzwischen ist sogar eine Planierraupe über eine Rampe aus Asphalttrümmern in das 80 Zentimeter tiefe Loch gefahren. Sie bringt den Boden exakt auf Tiefe und verteilt später den Schotter, den ein Lastwagen hinein gekippt hat. 30 Zentimeter dick wird die Schotterschicht, auf die dann, ab 1 Uhr, der Asphalt in drei Schichten eingefüllt wird.

Die Arbeit des Vortages: Noch 24 Stunden später ist der Asphalt etwas warm, doch schon mit Markierungen versehen. Bild-Zoom Foto: Boris Roessler (dpa)
Die Arbeit des Vortages: Noch 24 Stunden später ist der Asphalt etwas warm, doch schon mit Markierungen versehen.

„Währenddessen arbeiten aber immer noch die Meißel“, sagt Betz, „wird immer noch Material ausgebaggert.“ Hinten wird der Asphalt aufgerissen, vorne das Loch schon wieder geschlossen. „Wir müssen so arbeiten, sonst werden wir bis 6 Uhr nicht fertig.“ Denn dann kommen schon wieder Flugzeuge, muss der Asphalt auf 80 Grad abgekühlt sein.

„Es kann sein, dass, wie am Dienstag, als viele Maschinen tagsüber nicht starten konnten, der Flugbetrieb bis Mitternacht läuft“, sagt Betz. „Dann müssen wir leider ein kleineres Stück in Angriff nehmen.“ Zwei Mal sei dies seit Beginn der Arbeiten passiert. N 3, das gesamte Baufeld, misst so viel wie fünf Fußballfelder. 140 000 Tonnen Material werden bewegt und die Bauarbeiten kosten 16 Millionen Euro. Pro Nacht im Baggerballett also 115 000 Euro.

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