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Bombenentschärfung in Frankfurt: Behörden: Uneinsichtige Bürger könnten Bomben-Entschärfung verzögern

Das wegen der Bomben-Entschärfung geschaltete Bürgertelefon steht nicht still. Einige Anrufer haben kein Verständnis für die größte Evakuierung im Nachkriegsdeutschland und wollen ihre Wohnung nicht verlassen. Das könnte den Zeitplan völlig durcheinander bringen.
Foto: dpa-infografik (picture-alliance/ dpa-infografik)
Frankfurt.  Renitente, gedankenlose und uneinsichtige Anwohner könnten nach Einschätzung der Frankfurter Behörden die Entschärfung der riesigen Weltkriegsbombe am Sonntag erheblich verzögern. Darauf deuteten Anrufe beim Bürgertelefon hin, berichteten Vertreter von Feuerwehr, Polizei und Stadt am Freitag in Frankfurt. Sie appellierten eindringlich an die Bewohner, die Sperrzone mit einem Radius von 1,5 Kilometern um den Fundort der Luftmine spätestens bis 8.00 Uhr zu verlassen.

Andernfalls würden sie von der Polizei aus dem Gebiet gebracht und möglicherweise in Gewahrsam genommen. Zudem drohten enorme finanzielle Folgen und strafrechtliche Konsequenzen. «Das wäre der teuerste Witz seines Lebens», sagte der Leiter des Ordnungsamtes, Jörg Bannach. Die Rechtsgrundlage sei mit der Allgemeinverfügung der Stadt gegeben. «Sie ist sozusagen Gesetz»

Tausende hätten bereits beim Bürgertelefon der Feuerwehr angerufen, sagte der stellvertretende Leiter der Feuerwehr, Thomas Jackel. Fast 30 Leute beantworteten die Anrufe. Einige Menschen nähmen die Evakuierung nicht ernst oder fühlten sich in ihrem Umfeld sicher, berichtete Polizei-Einsatzleiter Thomas Seidel.

«Nicht wenige Anrufer sind sehr, sehr uneinsichtig und stinkesauer, dass das solange dauert. Ihnen ist völlig egal, wie hoch das Risiko ist», sagte Jackel. «Einige sind schon ein Stück weit auf Krawall gebürstet. Das könnte sich zu einem Problem ausweiten.» Allerdings: «Die meisten sind sehr kooperativ.» Einige Anrufer fragten auch, was sie denn dann an dem Sonntag machen sollten, oder ob es ein Programm für sie gebe.

Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU) betonte: «Wenn wir die Fläche nicht frei bekommen, können wir mit der Entschärfung der Riesenbombe nicht anfangen.» Feuerwehr-Chef Reinhard Ries warnte vor der Gefahr der mit 1,4 Tonnen Sprengstoff bestückten Luftmine. «Wenn kein Restrisiko bestünde, würden wir nicht diesen Riesenaufwand betreiben.» Bannach ergänzte: «Das ist eine bluternste Situation. Es geht im Zweifel um Menschenleben.»

Hier wichtige Aspekte zur Evakuierung und zur Bombenentschärfung:

ZEITPLAN:

Er sieht bislang so aus: Ab 6.00 Uhr bis 8.00 Uhr Evakuierung. Bis 12.00 Uhr Kontrolle durch die Polizei. Nur wenn das Sperrgebiet menschenleer ist, beginnt der Kampfmittelräumdienst mit der Entschärfung, die bis 16.00 dauern soll. Zwischen 18.00 und 20.00 Uhr sollen die Bewohner zurückkehren dürfen.

SPERRZONE:

Sie wird am Sonntag ungefähr im Umkreis von 1,5 Kilometern um den Fundort der 1,8 Tonnen schweren Luftmine mit 1,4 Tonnen Sprengstoff eingerichtet. Bis spätestens 8.00 Uhr sollten alle Anwohner das Sperrgebiet verlassen haben. Dann kontrolliert die Polizei, ob sich wirklich niemand mehr dort aufhält, unter anderem hilft dabei ein Hubschrauber mit Wärmebildkamera. Tausende Beamte und Helfer von Technischem Hilfswerk und anderen Rettungsorganisationen werden im Einsatz sein. Wer sich weigert, wird notfalls von Polizisten zum Verlassen der Zone gezwungen. Auch die etwa 100 Gäste eines Luxushotels müssen weichen. Ihnen werde angeboten, bereits am Samstagabend in andere Hotels der Accor-Gruppe umzuziehen, hieß es von der Hotelleitung.

KRANKENHÄUSER:

Zwei Krankenhäuser, das Marienkrankenhaus und das Bürgerhospital, liegen im Sperrgebiet und werden ebenfalls geräumt. Helfer bringen Dutzende Patienten bis zum Samstag in andere Kliniken. Bereits am Freitag begannen die ersten Verlegungen. Auch die größte Geburtsklinik Hessens im Bürgerhospital muss für einige Zeit dichtmachen - die Schwangeren werden wie auch Notfallpatienten an andere Krankenhäuser in Frankfurt und Offenbach verwiesen. Helfer bringen die Bewohner von Altenheimen in Sicherheit. Auch älteren und behinderten Menschen, die nicht alleine wegkommen, wird geholfen. Wer nicht woanders unterkommt, der kann in einer Messehalle oder der Jahrhunderthalle Unterschlupf finden.

VERKEHR:

Die S-Bahnen können am Sonntag ohne Einschränkung durch das Stadtgebiet fahren. Anders sieht es bei U-Bahnen und Bussen aus, zahlreiche Linien sind nach Angaben der Nahverkehrsgesellschaft Traffiq ab dem Zeitpunkt der Sperrung gegen 8.00 Uhr nur noch auf verkürzten Strecken unterwegs. Auch die Straßenbahnline 16 fährt nicht auf der kompletten Strecke. Eingesetzt werden zusätzliche Busse, um Anwohner morgens aus der Sperrzone zu bringen. Auch der Autoverkehr liegt in dem Gebiet weitgehend lahm. So werden unter anderem die zentrale Miquelallee und ein Stück der Autobahn 66 (Wiesbaden-Frankfurt) gesperrt.

MÖGLICHE SCHÄDEN:

Und was passiert, wenn die Entschärfung schiefgeht? «Wir gehen fest davon aus, dass die Bombe planmäßig entschärft wird», erklärt die Feuerwehr. Doch auch für den gegenteiligen Fall seien alle vorbereitet. «Der Sachschaden wird hoch sein; Personenschaden haben wir dann durch die Evakuierung verhindert.»

VERSICHERUNG:

Haus- und Autobesitzer müssen sich über Sachschäden keine großen Sorgen machen. Kriegsschäden, und dazu gehört auch ein explodierter Blindgänger sieben Jahrzehnte später, sind zwar eigentlich nicht versichert. Dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft zufolge werden solche Schäden in der Regel aber über die Hausratversicherung abgedeckt. «In der Vergangenheit haben die Versicherer solche Schäden immer übernommen», heißt es. Mögliche Schäden an geparkten Autos ersetze die Teilkaskoversicherung.

EVAKUIERUNG:

Es gibt keine genauen rechtlichen Regeln, in welchem Umfang bei einer Bombenentschärfung evakuiert werden muss. «Der Radius hängt insbesondere von der Lage der Bombe und der Art und Menge des Sprengmittels ab», sagt der Sprecher des Regierungspräsidiums Darmstadt, bei dem der Kampfmittelräumdienst für Hessen angesiedelt ist. «Diese Werte wurden aus dem militärischem Bereich übernommen, wo man auf Sprengplätzen entsprechende Versuche beziehungsweise Übungen durchführte.» Diese «Erfahrungswerte» würden von allen bundesweit tätigen Expertenteams gleich gehandhabt.

(dpa)

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