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Reinigungskräfte am Flughafen: Bei Krankheit klingelt das Telefon

Von Die Fraport-Tochter "Gesellschaft für Cleaning Service" soll nicht nur Krankenbesuche vom Personalchef anordnen. Die Vorarbeiter sollen auch bei Erkrankten anrufen und das Gespräch in einem Protokoll festhalten. Der entsprechende „Gesprächsleitfaden“ liegt dieser Zeitung vor.
Ein Putzmann wischt im Terminal 1 des Flughafens den Boden. Foto: Marius Becker (dpa) Ein Putzmann wischt im Terminal 1 des Flughafens den Boden.
Frankfurt. 

Eimer statt Toiletten, Krankenbesuche vom Personalchef zu Hause und viel psychischer Druck von oben: Unter diesen Umständen sollen die Reinigungskräfte der hundertprozentigen Fraport-Tochter „Gesellschaft für Cleaning Service“ (GCS) den Frankfurter Flughafen in Ordnung halten. Fraport weist jegliche Vorwürfe zurück (wir berichteten). Das Wohl der Mitarbeiter sei dem Flughafenbetreiber stets ein Anliegen.

„Zweiklassengesellschaft“

Doch solche Aussagen verärgern die Angestellten der Reinigungsfirma. „Alles wird schöngeredet“, sagt ein Mitarbeiter, der namentlich nicht genannt werden möchte. Nur so viel: Er arbeitet als Vorarbeiter bei der Fraport-Tochter, die 650 Angestellte hat. „Es gibt eine Zweiklassengesellschaft. Während die Reinigungskräfte kaum wissen, wie sie finanziell über die Runden kommen sollen, bekommen die Führungskräfte ein 13. Monatsgehalt und dicke Firmenwagen“, sagt er. „Es ist wirklich unverschämt, was die GCS ihren Mitarbeitern zumutet. Alle sind permanent einem psychischen Druck ausgesetzt.“ Weiter berichtet er von Telefonaten der Vorarbeiter, die mit erkrankten Mitarbeitern am dritten Tag ihres Fehlens geführt werden müssten. Das sei so angeordnet worden. Anschließend müsse ein schriftliches Protokoll des Gesprächs an die Geschäftsführung weitergeleitet werden. Geschäftsführerin ist die Vorsitzende der Bornheimer SPD, Petra Rossbrey.

Das entsprechende Dokument mit dem Titel „Gesprächsleitfaden für Telefongespräche mit kranken Mitarbeitern“ liegt dieser Zeitung vor. Darin wird als Ziel angegeben, dass „der Mitarbeiter das Gefühl haben, dass wir ihn brauchen und er so schnell wie möglich wieder aus seiner Krankheit zurückkehrt“. Die gemeinsame Basis der Kommunikation solle eine „soziale Verbindlichkeit“ für alle Gespräche sein, die sich durch „gegenseitige Achtung und Wertschätzung“ sowie Respekt auszeichnet.

Die erkrankten Mitarbeiter werden zunächst gefragt, wie es ihnen geht, was ihnen fehlt, wie der Anrufer ihnen helfen kann und wann sie wiederkommen. So ist es im Leitfaden vorgeschrieben. Ferner soll erfragt werden, ob „betriebliche Ursachen für das Fehlen vorliegen“, wenn ja, welche, und wie die Ursachen abgestellt werden können. Trifft dies nicht zu, sondern handelt es sich um private Gründe für die Erkrankung, soll ebenfalls gefragt werden, ob der Anrufer helfen kann. Die Fragen sollen von den Vorarbeitern offen, nicht anklagend gestellt werden, wie es in dem Dokument heißt. Aus Datenschutzgründen geht es den Arbeitgeber allerdings nichts an, woran der Angestellte erkrankt ist.

Fraport dementiert

Fraport weist die Vorwürfe von sich. „Niemand ruft bei den Mitarbeitern zu Hause an“, erklärt ein Unternehmenssprecher. Allerdings komme es in Einzelfällen vor, wenn ein Mitarbeiter etwa drei Wochen krank geschrieben war, dass an seinem letzten Krankheitstag gefragt werde, ob er am Montag wieder arbeiten komme. „Dabei handelt es sich aber nicht um eine Disziplinarmaßnahme.“ Das habe rein operative Gründe, denn wenn der Mitarbeiter noch länger zu Hause bleiben müsse, müssten die Dienstpläne natürlich umgeschrieben werden. „Niemand will subtilen Druck ausüben.“

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