Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer

Bei Kummer hilft Hund Toni

Von Schlecht geschlafen, zu spät zum Unterricht gekommen, Mathetest verhauen. Das sind Fälle für Schnauzer-Mischling Toni. Der Hund ist eine Art „Sozialarbeiter“ an der Europäischen Schule Rhein-Main. Wenn die Kinder Trost brauchen, holen sie sich ihre Streicheleinheiten.
Braucht ein dickes Fell: Toni im Kreise seiner Schüler.	Foto: Mathias Braucht ein dickes Fell: Toni im Kreise seiner Schüler. Foto: Mathias
Frankfurt/Bad Vilbel. 

Wenn Emma Trauer trägt, weiß sie, was zu tun ist. In der Pause klopft die Grundschülerin an der Tür von Gitta Lotz, der stellvertretenden Schulleiterin der Europäischen Schule Rhein-Main in Dortelweil. „May I speek with Toni?“, zu Deutsch: Darf ich mit Toni sprechen? Natürlich darf sie das. Der pennt zwar noch tief und fest in seinem Körbchen, doch Emma muss nicht lange streicheln und flüstern. Der vierjährige Wuschel hebt das Köpfchen und lauscht der in englisch vorgetragenen Klage. Sprache, ob englisch, deutsch, französisch, egal, die Körpersprache zählt. Ein Leckerli zum Schluss wird nicht verachtet. „Es geht dann allen besser“, verrät die Schulleiterin, zugleich das Frauchen des kleinen Rüden, „Toni hat jeden Tag Termine“.

 

Liebe auf den ersten Blick

 

Toni, in dem vielleicht auch ein Chiwawa steckt, gehörte von Anfang an zur ersten privaten Europa-Schule des Kontinents. Schon während der Bauphase, als sich das Büro von Gitta Lotz und Schulleiter Tom Zijlstra noch bei den Stadtwerken befand, war er dabei. Gitta Lotz, Liebhaberin des Reitsports und Katzenfreundin, ist zu diesem Vierbeiner durch Zufall gekommen. „Wo bist Du am Freitag?“, fragte die in England lebende Tochter eines Mittwochs. Muttern hatte nichts vor. Tatsächlich klingelte es dann am Freitag an ihrer Haustür. „Toni“, sagte ein serbischer Student an der Sprechanlage. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, sagt die Vizeschulleiterin, „es war von Anfang an ein fantastisches Tier.“ Toni war ein Straßenköter in Serbien. Gerettet hat ihn die „Organisation Serbias’ forgotten paws“ (Vergessene Pfoten) die Gitta Lotzs Tochter, eine Biologin, in England mit einer serbischen Freundin betreibt.

 

Er ist mehrsprachig

 

Toni ist ein selten geduldiges Tier. Aber seine Vergangenheit bleibt gegenwärtig. Nähern sich ihm unbekannte Männer, geht er in Deckung, tragen sie gar einen Regenschirm, geht er stiften. Neulich unterhielt sich die Mutter eines Schulkindes auf Serbisch mit ihm. Auch da zog er den Schwanz ein und versteckte sich unter dem Tisch. Aber sonst: ein „Gemütsmensch“. Gitta Lotz spricht mit ihm bevorzugt englisch. Auch deutsch erschreckt ihn nicht. „Good Boy“ lässt ihn aufhorchen. Die freundliche Ansprache bedeutet Streicheleinheiten und oft genug das eine oder andere Leckerli.

Aber Toni wäre nicht ein Teil der Crew der bald auf mehr als Tausend Kinder anwachsenden Lehranstalt, wenn ihm nicht auch eine pädagogische Aufgabe zuerkannt würde. So lernen die Kinder, dass nicht alle Hunde so brav sind wie Toni, dass man sich anderen vorsichtiger nähern sollte. Man solle besser nicht frontal auf sie zugehen und ihnen erst einmal die Hand zum Schnuppern reichen. „Man darf mit Toni nicht alles teilen“, heißt eine zweite Regel. „Schokoladenkuchen isst er zwar, aber er verträgt ihn nicht“. Natürlich, verrät Gitta Lotz, wünschten sich viele Kinder nun auch einen Hund für zu Hause. Denen werde aber in der Schule vermittelt, dass ein Tier auch Aufgabe bedeutet: Sie müssen fressen, Gassi gehen, gebadet werden – und brauchen manchmal einen Doktor.

So bedeutet Toni für sein Frauchen eine „Aufgabe“ im doppelten Sinne: „Ich fliege nicht mehr, mache meinen Urlaub nur noch an der Nordseeküste.“ Aber das tägliche Gassigehen ist nicht Last, sondern pure Lust. Morgens von fünf bis sechs eine Stunde, mittags nach Möglichkeit, abends mehr als eine Stunde. „Da wird mein Kopf frei. Der Hund bewahrt mich im täglichen Arbeitsstress vor dem Wahnsinn.“

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse