E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 28°C

Börse: Beim Pilgern den Kopf frei kriegen

Von Spätestens seit Hape Kerkelings Reisebericht „Ich bin dann mal weg“ entdecken viele Menschen wieder das Pilgern als Möglichkeit der Entschleunigung, ihren Glauben zu stärken oder um zu sich selbst zu finden. Nach 2016 lädt die Großpfarrei St.Jakobus in Zusammenarbeit mit der Hessischen St. Jakobusgesellschaft jetzt zur zweiten Frankfurter Pilgerbörse ein.
Der Frankfurter Jakobsweg ist ausgeschildert. Bilder > Der Frankfurter Jakobsweg ist ausgeschildert.
Niederrad. 

Bis nach Santiago de Compostela ist Pfarrer Werner Portugall von der Großpfarrei St.Jakobus noch nicht gepilgert. Doch er hat es vor. „Jedes Jahr pilgere ich mit einer Gruppe für eine Woche eine Wegstrecke auf dem Jakobsweg entlang“, erzählt er. Gestartet sind sie in Frankfurt, mittlerweile seien sie bereits bis in die Nähe von Lyon gekommen. Von dort gehe es in diesem Jahr weiter.

Pilgern ist ein Thema für zahlreiche Menschen, nicht zuletzt auch seitdem der deutsche Komiker und Schauspieler Hape Kerkeling in dem 2006 veröffentlichten Reisebericht „Ich bin dann mal weg“ von seinen Erfahrungen auf dem Jakobsweg berichtet hat. Die katholische Großpfarrei St. Jakobus, die ihren Namen aufgrund eines Teilabschnitts des Jakobsweges erhielt, der von Fulda nach Mainz auch in Frankfurt entlangführt, legt einen Schwerpunkt auf das Thema Pilgern. Die Frankfurter Strecke zieht sich unter anderem entlang der Stadtteile mit den Kirchen Mutter vom Guten Rat in Niederrad, St. Johannes in Goldstein und St. Mauritius in Schwanheim, die zur Großpfarrei zusammengeführt wurden.

Selbsthilfe und Therapie

Bereits 2016 hat die Großpfarrei die erste Frankfurter Pilgerbörse im Gemeindezentrum in der Bruchfeldstraße 51 in Niederrad organisiert. Unter dem Motto „Vamanos“ steht dort am Samstag, 24. Februar, ab 11 Uhr eine zweite Auflage bevor, die in Zusammenarbeit mit der Hessischen St. Jakobusgesellschaft organisiert wird.

Während 2016 die Pilgerwege im Mittelpunkt standen, geht es dieses Mal darum, das Pilgern als mögliche Form der Selbsthilfe und Therapie zu thematisieren. „Hierzu haben wir verschiedene Referenten eingeladen“, erzählt Pfarrer Portugall. Dies sind unter anderem Judith Zaremba und Martina Tarrutis, die über professionelle Begleitung in Trauererfahrungen auf dem Jakobsweg erzählen. Mit dabei ist auch Susanne Kranz, für die das Pilgern eine Tür ist, ein Weg, der es ihr ermöglicht hat, eine schwere Krebserkrankung anzunehmen und mit ihr zu leben. Außerdem präsentieren 20 Aussteller ihre Projekte zum Thema Pilgern.

Glauben neu entdecken

Dass das Pilgern heute wieder ein Trend ist, führt Pfarrer Portugall unter anderem darauf zurück, dass die Menschen in einer schnelllebigen Zeit Wege der Entschleunigung suchen und wieder zu sich selbst finden möchten. Eben pilgern, um sich den Kopf frei zu laufen. Für Pfarrer Portugall gehören das Pilgern und der Glaube fest miteinander zusammen. „Viele entdecken auf dem Weg ihren Glauben wieder neu“, weiß er.

Die Jakobsmuschel ist das Symbol der Pilger, die sich auf die Wanderung bis nach Santiago de Compostela in Spanien begeben. Ziel ist die dortige Kathedrale, in der sich das Grab des Apostels Jakobus befindet, das im Mittelalter etwa um die Jahrtausendwende entdeckt wurde. Schon immer seien die Menschen aus ganz unterschiedlichen Ländern dorthin gepilgert. „In alten Pilgergräbern sogar in Kiew in der Ukraine hat man die Jakobsmuschel gefunden“, weiß Portugall.

„Die Jakobsmuschel diente früher aber auch als Essgeschirr und konnte mit ihren scharfen Kanten zudem als Werkzeug eingesetzt werden“, schildert er weiter. Darüber hinaus weist sie als Symbol seit Jahrhunderten entlang der Pilgerroute den Weg, ist dort etwa an Hauswänden befestigt. „Das System funktioniert auch heute noch.“

Neben der Jakobsmuschel hat Pfarrer Portugall immer auch seinen Pilgerstab mit auf dem Weg dabei. Er ist aus Eichenholz gefertigt. Auch an ihm ist die Jakobsmuschel als kleines Schmuckornament befestigt. „Während sich viele Pilger heute gerne alleine auf den Jakobsweg begeben, galt das in früheren Zeiten als verdächtig. In der Gruppe konnten sich die Pilger gegenseitig Schutz bieten“, beschreibt er die Situation von einst.

Wer sich über das Programm der Frankfurter Pilgerbörse informieren möchte, kann es im Internet unter jakobus-hessen.de abrufen.

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen