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Markt- und Triebstraße sind kein „Zentrum der Nahversorgung“ mehr: Bergen-Enkheim: Im Ortskern gibt es zu wenig Läden

Von Der Einzelhandel in Bergen-Enkheim hat endgültig verloren. Dies wurde bei der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats deutlich, in der das Einzelhandels- und Zentrenkonzept vorgestellt wurde. Demnach sind weder die Marktstraße noch die Triebstraße „Zentren“ der Nahversorgung und als solche schützenswert.
Links ein Friseur, gegenüber das Café Eifler sowie (dahinter) Volksbank und Apotheke: Die wenigen Geschäfte in der Marktstraße liegen weit auseinander. Foto: Leonhard Hamerski Links ein Friseur, gegenüber das Café Eifler sowie (dahinter) Volksbank und Apotheke: Die wenigen Geschäfte in der Marktstraße liegen weit auseinander.
Bergen-Enkheim. 

Bäcker, Metzger, kleine Lebensmittelläden – so stellt man sich die Einkaufswelt im Zentrum der Stadtteile vor. Hier soll ein Großteil der Einwohner wohnortnah, am besten zu Fuß, die wichtigsten Einkäufe erledigen können. Ein Ideal, das in den vergangenen Jahrzehnten fast überall angegriffen ist. Auch in Bergen-Enkheim: Dort schrumpft der Einzelhandel seit Jahren – in der Triebstraße stärker als in der Marktstraße.

In Enkheims „Einkaufsstraße“ gibt es kaum noch Geschäfte: Zwei Blumenläden, der Schreibwarenladen, die Apotheke und den kleinen Supermarkt in der Barbarossastraße. Etwas besser ist es in der Marktstraße, wo es vor drei Jahren zwei Metzger und einen Bäcker gab, die selbst produzierten. Sie sind aber ebenso verschwunden wie das letzte Textilgeschäft. Geblieben sind drei Bäcker, die nicht hier backen, ein Blumenladen, Reisebüro, Apotheke, Fahrrad- und Teppichladen, ein kleiner Rewe-Markt und zwei Zeitschriftenlädchen. Neu ist ein Geschäft für Kinderkleidung. Eingekauft wird meist woanders: Supermarkt, andere Ketten sowie Möbelhaus und Elektromarkt ballen sich in der Viktor-Slotosch-Straße,

Konzept wird überarbeitet

Selbst in der Marktstraße reicht das Angebot nicht mehr, um sie als „Zentrum“ zu bezeichnen, erklärt Stefan Kruse vom Dortmunder Beratungsunternehmen Junker und Kruse in der Sitzung des Ortsbeirats 16. Das Büro überarbeitet zurzeit das Einzelhandels- und Zentrenkonzepts der Stadt. Besagte Veränderung ist wichtig, denn der bisherige Schutz der Einzelhändler in Trieb- und Marktstraße entfällt: Es gibt keine Grundlage mehr, die Ansiedlung weiterer Supermärkte abseits der Zentren zu verhindern, erklärt Kruse.

„Wir hatten schon mal eine Anfrage wegen eines Supermarktes im Baugebiet Leuchte. Der könnte jetzt genehmigt werden?“, fragt Ortsvorsteherin Renate Müller-Friese (CDU). Sie freut sich, dass diese Möglichkeit nun besteht. Es gehe ja um die Nahversorgung, und die müsse dort gewährleistet werden, wo die Menschen wohnen. Der Weg sei zu weit vom geplanten Baugebiet zur Triebstraße, zu den Supermärkten an der Viktor-Slotosch-Straße oder aber ins Hessen-Center.

Ein weiterer Schlag

Frank Weil, Vorsitzender des Gewerbevereins und CDU-Ortsbeirat, sagte dieser Zeitung nach der Sitzung: „Das ist ein weiterer Schlag.“ Allerdings lebten die Händler schon lange mit dem Hessen-Center. Sie mussten lernen, sich zu arrangieren. Inzwischen seien nicht nur die Ladengeschäfte verschwunden, sondern meist sogar die Geschäftsräume, die zu Wohnungen umgewidmet wurden. „Der Einzelhandel hat den Kampf verloren“, bedauert Weil. Und doch könne eine Erweiterung des Hessen-Centers auch neue Kunden in die Stadtteile bringen.

In der Sitzung des Ortsbeirats 16 stellte sich auch Stephan Thiel, der neue Manager des Hessen-Centers, kurz vor. Er will sich mit dem Ortsbeirat und dem Gewerbeverein zusammensetzen, um gemeinsam an der Zukunft des Stadtteils zu arbeiten. „Ich bin mir unserer Verantwortung bewusst.“ Geschäfte über 800 Quadratmetern Fläche könnten sich nie im Stadtteil-Zentrum ansiedeln, diese Flächen gebe es dort nicht.

„Es geht mir nicht darum, Frequenz aus dem Zentrum des Stadtteils abzuziehen“, sagt Thiel. Im Gespräch betonte er später, dass die Betreibergesellschaft ECE des Hessen-Centers imstande sei, ein „tolles Konzept“ zu entwickeln, das allen helfe: „Dem Center, dem Stadtteil, der Stadt“. Voraussetzung sei aber dass Klarheit über das Baurecht herrsche. Dann könnten Vertreter des Centers, des Gewerbevereins, des Ortsbeirats und andere ihre Ideen austauschen, die in der Ausbauplanung berücksichtigt werden. Ebenso verhalte es sich bei der Anbindung des Centers an den Stadtteil: „Wir setzen uns gerne zusammen mit den Vereinen, dem Gewerbeverein und veranstalten Aktionen, die Frequenz bringen“, so Thiel.

So sehen Bergen-Enkheimer die Zukunft ihrer Einkaufsstraßen

Für Paul Hylla ist es normal, dass Supermärkte die kleinen Läden verdrängen. „Das Zentrum von Enkheim ist heute eher in der Viktor-Slotosch-Straße, wo die Supermärkte sind.“

Paul Hylla Bild-Zoom Foto: Leonhard Hamerski
Paul Hylla

Ein Käseladen oder Metzger könne sich in der Triebstraße wohl nicht halten. Anders als vor 50 Jahren bekomme man in Bergen-Enkheim alles, müsse nicht zum Einkaufen in die Frankfurter City fahren.

Um die Triebstraße zu retten, sagt Rainer Dietz , müsse man „das Hessen-Center schließen und die Geschäfte hier in der Triebstraße ansiedeln“. Eine Chance hätten die verbliebenen Läden nicht.

Rainer Dietz Bild-Zoom Foto: Leonhard Hamerski
Rainer Dietz

„Das war hier unsere Einkaufsmeile mit fünf Metzgern, vier Bäckern. Eier, Butter, Milch, Käse – alles gab es.“ Aber mit Discountern und dem Hessen-Center könnten sie nicht mithalten.

Eigentlich, findet Silke Schmidt , sei die Marktstraße „so schlecht gar nicht“. Dass die Bäckerei Eifler im früheren Textilgeschäft ein Café eröffnete, tue der Straße gut.

Silke Schmidt Bild-Zoom
Silke Schmidt

Sie gehe zum Blumenläden, kaufe bei „Kitz und Kautz“ Kinderkleidung, auch beim einzigen Marktstand, der zwei Mal pro Woche auf dem Schelmenburgplatz steht, kaufe sie ein. „Und viele Ältere nutzen das Reisebüro.“

„Ein paar Läden wird es in der Marktstraße immer geben“, ist Jochem Kuhn überzeugt. „Die zahlen hier ja viel weniger Miete als im Hessen-Center.“ Und doch bringe das Einkaufszentrum die hiesigen Geschäfte immer mehr in Bedrängnis.

Jochem Kuhn Bild-Zoom
Jochem Kuhn

Der Wochenmarkt sollte ausgebaut werden. Tante-Emma-Läden wie früher hätten heute wohl keine Überlebenschancen mehr.
 

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