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Bürgerverein fordert von der Stadt mehr Einsatz für die mangelhafte Infrastruktur: Berkersheim, Frankfurts vergessenes Dorf

Kein Bürgerhaus, kein Bolzplatz, der Festplatz und der Reitsport sind bedroht – viele in Berkersheim fühlen sich von der Stadtpolitik vernachlässigt. Eine ämterübergreifende Arbeitsgruppe soll Abhilfe schaffen.
Das Stadtteilwappen, vor dem Dieter Wolff und Dirk Pulver vom Vorstand des Bürgervereins stehen, haben die Bürger bezahlt. Bilder > Foto: Leonhard Hamerski Das Stadtteilwappen, vor dem Dieter Wolff und Dirk Pulver vom Vorstand des Bürgervereins stehen, haben die Bürger bezahlt.
Berkersheim. 

Lauschig liegt Berkersheim im Grünen. Das Dorf erstreckt sich am Südhang des Niddatals, ist noch immer der kleinste Stadtteil Frankfurts. „Es lebt sich gut hier, das ist gar keine Frage“, sagt Dieter Wolff, Vorsitzender des Bürgervereins wie auch des Kerbevereins. Doch oft fühlen sie sich hier wie das „vergessene Dorf“, stiefmütterlich behandelt von der Stadtpolitik. Was in anderen Stadtteilen selbstverständlich ist, gibt es hier nicht: Kein Bürgerhaus, keinen Fußballplatz, keine Turnhalle. Nicht einmal einen Bolzplatz.

Eine Elf-Punkte-Liste mit Forderungen zur Infrastruktur hat der Bürgerverein an den Ortsbeirat, die Stadtverordneten, Frankfurter Bundestagsabgeordnete und Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) geschickt. „Der Stadtteil ist klein, aber er wächst. Statt dass die Infrastruktur mitwächst, wird sie eher noch bedroht“, sagt Mike Adam, Beisitzer im Bürgerverein. Er spielt darauf an, dass die Deutsche Bahn zwei zusätzliche Gleise durch den Stadtteil baut und es bislang weder für den Festplatz, noch für die Reithalle, die weichen müssen, ein Ersatzgrundstück zu finden war (wir berichteten). Beides ist wichtig für den Stadtteil, betont Wolff: Die Kerb ist das größte Fest und wegen der vielen Pferde und der beiden Reithallen sei Berkersheim das „Reiterdorf“ Frankfurts. Doch egal, welche Fläche Bahn oder Berkersheimer ins Spiel bringen: Die Stadt sagt, das geht nicht. Denn alle nicht bebauten Flächen sind Teil des Grüngürtels und damit tabu.

Niemanden zwingen

„Egal, worum es geht: Entweder heißt es von der Stadt, Berkersheim sei zu klein, das lohne sich nicht – oder es scheitert am Grüngürtel“, kritisiert Mike Adam den Umgang mit dem Stadtteil. So auch beim Versuch, einen Allgemeinmediziner in Berkersheim anzusiedeln. Die Kassenärztliche Vereinigung sieht Frankfurt als ein Gebiet – und sagt, sie könne niemanden zwingen, sich in Berkersheim anzusiedeln. Auch hierbei müsse die Stadt helfen, fordert der Bürgerverein.

Gleiches gelte beim Ausbau der einzigen Kita, so Adam. Gehe das nicht, müsse die Stadt eben eine neue bauen. Erhalten müsse sie auch die alte Schule, entweder als Außenstelle der neuen Grundschule, die weit weg am Westrand neu entsteht, oder für die Vereine. Für diese gebe es nur das winzige Hellmuth-Wollenberg-Haus des TSV Berkersheim.

Auch bei Verkehrsthemen fordert der Bürgerverein mehr Einsatz der Stadt. Sei es beim Ausbremsen der Berufspendler, die von Bad Vilbel kommen, oder bei der Beruhigung der Straße Am Dachsberg. Die geplante Brücke über die Bahn müsse sich in die Landschaft einfügen, Schleichverkehr verhindert werden. Die Kreuzung Am Dachsberg mit Im Klingenfeld müsse zum Dorfmittelpunkt werden. Und dass die Berkersheimer zum Einkaufen ins Auto steigen müssen, könne so nicht bleiben.

Bei letzterem könne die Stadt kaum Abhilfe schaffen, sagt Marcus Gwechenberger, Referent im Planungsdezernat. „Der private Einzelhandel schaut, ob sich die Ansiedlung lohnt: Wie groß ist das Gebiet? Wie viele Menschen leben da?“

Stadtteile stärken

Bei den übrigen Themen sei das anders. Daran, dass unterschiedliche Ämter bei jedem Infrastrukturthema eigene Schwerpunkte setzen, werde sich nichts ändern, sagt Gwechenberger. „Deshalb arbeiten wir an einem integrierten Stadtentwicklungskonzept“, erläutert der Planer. Das mache eine ämterübergreifende Projektgruppe, in der das Stadtplanungsamt federführend sei. „Die wird auch die Entwicklungen auf Stadtteilebene besser verzahnen. Es geht darum, wie wir die Stadtteile stärken, wie das Zusammenleben besser wird.“ Auf jeden Fall werde sich die Stadt die Liste der Berkersheimer genau anschauen. „Und vielleicht gibt es ja auch Möglichkeiten, einen Sport- oder Festplatz so zu gestalten, dass er nicht im Widerspruch zum Landschaftsschutz steht.“

(hau)
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