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OB-Kandidaten: Bernadette Weyland: Sie schöpft ihre Kraft aus der Stille

Von Ein Gang über die Schwanheimer Düne, weitab vom Getümmel des Wahlkampfes: Hier fühlt sich Bernadette Weyland am wohlsten. Die Christdemokratin fordert Oberbürgermeister Peter Feldmann heraus nach dem Motto: In der Ruhe liegt die Kraft.
Ein Spaziergang auf dem Bohlenweg in der Schwanheimer Düne. Zum Gespräch mit Redakteur Thomas J. Schmidt zieht es Bernadette Weyland an ihren Lieblingsort. Foto: Maik Reuß Ein Spaziergang auf dem Bohlenweg in der Schwanheimer Düne. Zum Gespräch mit Redakteur Thomas J. Schmidt zieht es Bernadette Weyland an ihren Lieblingsort.
Frankfurt. 

Ein kleines Paradies hinter dem Haus: Bernadette Weyland ist öfter hier in der Schwanheimer Düne. „Wir waren auch mit den Kindern früher oft hier“, sagt die 60-Jährige. Ihre vier sind inzwischen groß und aus dem Haus. Doch die Verbindung zum Ort Schwanheim, zum Sportverein, den Kirchengemeinden ist geblieben. Und die Verbindung zur Natur. Zur Schwanheimer Düne.

Wir erklären die OB-Wahl in Frankfurt:

„Das ist doch idyllisch“, sagt Weyland und blickt auf einen skurril gewachsenen Baum abseits des Bohlenweges. Apropos Bohlenweg: 1999 war er erbaut worden. Weyland blickt optimistisch, aber auch realistisch auf ihre Mitmenschen. Und sie ist überrascht: „Das klappt sehr gut. Die Leute halten sich daran, laufen nicht durch den Sand und über die empfindlichen Pflanzen dort.“

Im Ort verwurzelt

Bernadette Weyland kennt in Schwanheim jede Straße. „Hier ist die Einkaufsstraße Alt-Schwanheim, man findet alles“, sagt sie, als sie in ihrem orange beklebten BMW hindurchrollt. Weyland führt in dem beschaulichen Stadtteil einen amerikanischen Wahlkampf. Und sie ist fast alleine; die Granden ihrer Partei unterstützen ihre Kandidatur nur wenig, und in ihrem Wahlkampf steckt viel eigenes Geld und wenig der Partei.

Bernadette Weyland ist eine vernünftige Frau mit Leidenschaften. Auch solchen, die man ihr, der kühl wirkenden Westfälin, nicht recht zutraut. Zum Beispiel ihre Liebe zur Harley Davidson. Sie fährt eine Street Bob. „Vor 15 Jahren bin ich von dem Virus befallen worden“, erzählt sie, „und an der Harley liebe ich vor allem ihren Klang. Und die Kraft. Das ist Freiheit.“

Knapp 300 Kilogramm wiegt die Maschine. Bernadette Weyland versichert zwar, sie könne sie alleine wieder aufrichten, aber das glaubt niemand, der die zarte, fast zerbrechlich wirkende Frau ansieht.

Erstes Mofa erarbeitet

Die Liebe zu Motoren ist früh losgegangen. „Wir waren zu Hause acht Kinder. Sechs Mädchen, zwei Jungs. Ich war die Erste in der Familie, die ein Mofa hatte. Eine Hercules.“ Weyland erzählt, dass sie abends – ihre Eltern waren Einzelhändler in Münster – Werbeprospekte versandfertig machte, „Tüten kleben“, wie sie es nennt. 4,50 Mark gab es pro Stunde. Ihr Mofa kostete damals mehr als 700 Mark. „Ich habe es mir selbst erarbeitet, und ich bin damit stolz zur Schule gefahren“, einem Mädchengymnasium in Münster.

Später, nach einer Bankausbildung, studierte sie in Freiburg im Breisgau. Warum dort? Weyland zuckt mit der Schulter. Es sind die Mysterien der Zentralvergabe für Studienplätze. „Ich hatte Bonn als Wunsch angegeben, und dann musste ich nach Freiburg.“ Begeistert war sie nicht. „Immerhin, mein Mann sagte immer, man dürfe die ZVS nicht auflösen. Es sei der beste Heiratsmarkt.“ Auch im Fall des späteren Ehepaares, das sich in Freiburg kennenlernte. Ihr Mann kommt aus Karlsruhe.

Auf der Fahrt durch Schwanheim wird Bernadette Weyland zur Fremdenführerin: „Hier ist die Eisdiele Rivera, die das beste Eis macht, dort der DM, da hinten das Seppchen.“

Weyland ist im Stadtteil beheimatet auf eine beflissene Art, die nur Reingeschmeckte haben: Sie hat sich ihr Wissen erarbeitet, ist nicht damit groß geworden. Seit 25 Jahren leben sie in Schwanheim. 1993 kaufte die Familie ihr Haus in der Rheinlandstraße. „Es war günstig“, sagt Bernadette Weyland. „Nach dem Störfall wollte niemand diese Immobilien haben“ – dem Störfall bei der damaligen Hoechst AG. Die junge Familie hat das große Haus umgebaut.

Sie führen eine interessante Ehe: zwei Juristen, beide kirchlich gebunden, aber in verschiedenen Konfessionen. Das zogen die Weylands bis in die Kinderzimmer durch. Sie ist katholisch, er evangelisch. Die älteste Tochter, eine Bankerin, die als Einzige noch in Frankfurt lebt, ist katholisch. Die zweitälteste, eine Ärztin, ist strikt evangelisch. Der Dritte, derzeit im Referendariat, will Religionslehrer werden, hat katholische Theologie studiert. Und der Jüngste, jetzt 23, ist evangelisch und studiert wie die Eltern Jura.

Als die Kinder noch klein waren, begann Bernadette Weyland mit dem Engagement, zunächst für die Kinder, im Kindergarten, in der Schule, in der Kirchengemeinde, im Turnverein. Irgendwann hat sie jemand angesprochen, ob sie nicht für den Ortsbeirat kandidieren möchte. „Hier im Westen Frankfurts hat das Ende der Hoechst AG deutliche Spuren hinterlassen“, sagt Weyland. Die Arbeitnehmer fehlten und damit die Kunden in den Geschäften. „Einzelhändler haben sich zusammengeschlossen und den Stadtteil wieder vorangebracht, die Stadt und auch der Ortsbeirat haben manches ermöglicht.“ So etwa die Umgestaltung des Mainufers.

Beruflich steckte sie anfangs zurück. Als Mutter von vier Kindern stützte sie ihren Mann, einen Wirtschaftsjuristen. Doch das ist Vergangenheit. Inzwischen hat sie das Ruder übernommen und hält es fest. Bernadette Weyland will Oberbürgermeisterin werden – mit Unterstützung ihres Mannes und der vier Kinder.

Morgen geht’s weiter

Diese Woche stellen wir jeden Tag einen OB-Kandidaten vor, mit dem wir uns an seinem Lieblingsort getroffen haben. Morgen geht es weiter mit Peter Feldmann (SPD).

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