Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige LS Lederservice Sie suchen einen Spezialisten aus Rhein-Main? Frankfurt am Main 28°C

Besser versorgt im Alter

Immer mehr Frankfurter sind pflegebedürftig: Waren im Jahr 2009 noch 16 772 Bürger auf Pflege angewiesen, so stieg deren Zahl bis 2013 auf 19 343. Seit Jahresbeginn haben sie Anspruch auf zusätzliche Leistungen. Die werden durchaus nachgefragt.
In der Tagespflege werden auch Bewegungsspiele angeboten, damit die Senioren fit bleiben. Foto: Christian Christes (www.chrischristes.de) In der Tagespflege werden auch Bewegungsspiele angeboten, damit die Senioren fit bleiben.
Frankfurt. 

Irgendwann bricht das System zusammen: Wer einen Angehörigen zu Hause pflegt, stößt früher oder später an seine Grenzen. „Ich komme regelmäßig in Haushalte, in Familiensituationen, wo ich sage: ,Mensch, was für eine Belastung für alle Beteiligten. Warum habt ihr denn nicht schon viel früher angerufen?‘“, berichtet Holger Rohrbach, Leiter des Hilfezentrums am Seckbacher Hufelandhaus.

Die einen rufen nicht an, weil sie sich schämen. Die nächsten, weil sie denken, sie müssten das alleine schaffen. Wieder andere, weil sie gar nicht wissen, dass ihnen Hilfe zusteht. Dabei ist es seit Jahresbeginn einfacher denn je, sich Unterstützung zu holen: Seit dem 1. Januar ist das Pflegestärkungsgesetz II in Kraft. „Es ist immens, was da an zusätzlichen Leistungen abgerufen werden kann. Insgesamt stehen 5 Milliarden Euro mehr zur Verfügung“, weiß Rohrbach.

Info: Selbstständigkeit als Gradmesser

Seit 1. Januar 2017 ist bundesweit das Pflegestärkungsgesetz II in Kraft. Dieses führt einen neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff ein, der sich nicht mehr in drei Pflegestufen, sondern in fünf Pflegegraden ausdrückt.

clearing

Zeit mitbringen

Deutlich mehr Geld gibt es beispielsweise für Betreuungsangebote. Das heißt nicht mehr und nicht weniger, als dass „jemand vorbeikommt und Zeit mitbringt“, erklärt Rohrbach. Zeit für Gespräche, Zeit für einen Besuch im Lieblingscafé, einen Spaziergang, einen Einkaufsbummel. „Was in der Zeit passiert, ist ganz egal. Das ist eine feine Sache“, freut sich der gelernte Altenpfleger. Alternativ gibt es die Betreuung in der Gruppe, etwa in der Tagespflege oder in Treffpunkten wie dem Arnsburger Eck, das täglich fünf Stunden Betreuung bietet. Wobei Rohrbach den Begriff Betreuung nicht besonders mag. „Wir versuchen, das Wort zu vermeiden. Das klingt so nach Kleinkindern. Aber die Menschen, mit denen wir es zu tun haben, das sind gestandene Persönlichkeiten. Die waren Chef von 50 Leuten oder haben drei Kinder großgezogen.“

Leichte Einschränkungen

Um Leistungen aus der Pflegekasse in Anspruch zu nehmen, muss man nicht schwerst pflegebedürftig sein – im Gegenteil. Pflegegrad I – und damit Anrecht auf finanzielle Unterstützung aus der Pflegekasse – erhalten dank des neuen Gesetzes auch Menschen mit leichteren, körperlichen Einschränkungen.

Bei den meisten ambulanten Kunden – 110 sind es insgesamt – leistet das Hilfezentrum des Hufelandhauses eine Mischung aus Pflege und Betreuung. Aber längst nicht bei allen. „Wir haben 15 Klienten, die ausschließliche Betreuungsleistungen in Anspruch nehmen“, sagt Rohrbach. „Das ist für viele der Höhepunkt der Woche.“

Auch für die Pflegekräfte bringt die Gesetzesänderung Entlastung, weil sie neben den vier Minuten, die ihnen etwa fürs Anziehen der Stützstrümpfe zur Verfügung steht, auch noch Zeit für einen kleinen Plausch und das Zwischenmenschliche haben, die sie dann als Betreuungsleistung abrechnen können.

Wie viel der Kosten die Pflegekasse übernimmt und wie hoch der Eigenanteil ist, kommt auf den Pflegegrad an, aber auch darauf, ob in der Vergangenheit Leistungen in Anspruch genommen wurden oder nicht. Hier lohnt es sich, sich beraten zu lassen. Wer einmal pro Woche für fünf Stunden ins Arnsburger Eck kommt, zahlt dafür 16 Euro pro Monat – „oder gar nichts“, betont Rohrbach, dass viele Pflegebedürftige ohne es zu wissen seit der Beantragung des Pflegegrads (früher: Pflegestufe) ein Guthaben angespart haben, das sie jetzt anzapfen können. Ähnlich verhält es sich mit der Tagespflege: Wer zwei Mal pro Woche ins Hufelandhaus in die Tagespflege geht – zahlt 100 Euro pro Monat – „oder gar nichts“, Hol- und Bringservice inklusive.

 

Wer sich über Betreuungs- und Pflegeangebote in Frankfurt und über die eigenen Rechte informieren möchte, wendet sich an den Pflegestützpunkt im Rathaus für Senioren, Hansaallee 150, Telefon (08 00) 5 89 36 59. Infos zum Hufelandhaus: www.hufeland-haus.de oder unter (0 69) 47 04-0.

 

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse