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Bahnhofsviertel: Besuch im Frankfurter Rotlichtbezirk - Weiter Kampf mit Drogenproblem

Als quirlig und liebenswert bezeichnet die Stadt Frankfurt ihr Bahnhofsviertel. Tatsächlich gibt es viele positive Veränderungen in den ehemals vor allem von Drogen und Prostitution geprägten Straßen. Doch der Wandel ist noch nicht überall angekommen.
Blick auf die Frankfurter Skyline mit dem Bahnhofsviertel. Foto: Andreas Arnold/Archiv Blick auf die Frankfurter Skyline mit dem Bahnhofsviertel. Foto: Andreas Arnold/Archiv

Mit geschwungenen Buchstaben hat sich Chantal einen Schriftzug unter das Schlüsselbein tätowieren lassen. «Liebe mich so, wie ich bin» steht da auf Englisch. Die 26-Jährige arbeitet in der Table-Dance-Bar «Pure Platinum» im Frankfurter Bahnhofsviertel. Dort tanzt sie mit ihren hochhackigen Plateau-Schuhen um eine der beiden Stangen in der Mitte des großen, rot beleuchteten Raumes. Oder ein Kunde wünscht einen Privatauftritt in einem der Séparées. «Manche Gäste kommen immer wieder», sagt Chantal. Sie stamme aus Rumänien und mit dem Geld aus dem Strip-Club unterstütze sie ihre Familie zuhause. Ihre Mutter wisse auch, woher es komme.

Sex ist in dem Club in der Taunusstraße nicht gestattet. Auch nicht Anfassen, nicht einmal Küssen. «Wir verkaufen hier Getränke und Illusionen», sagt Betriebsleiter Norman Weber. Viele der insgesamt rund 50 Tänzerinnen seien verheiratet und hätten Kinder, manche arbeiteten etwa als Krankenschwester.

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Der Rotlicht-Bezirk macht das Bahnhofsviertel zum berüchtigtsten Stadtteil Frankfurts. Die Stadt betont, dass inzwischen viele der Straßen sicherer seien, sich schicke Bars und coole Clubs sowie Kreative angesiedelt hätten und nach Sanierungen viele, auch exquisite Wohnungen, Läden und Büros entstanden seien.

Doch es gibt nach wie vor viele Probleme. Dazu zählt Norman Weber vom «Pure Platinum» die Drogenkriminalität. Laufkundschaft gebe es so gut wie gar nicht mehr, angesichts von Dutzenden am Rand der Bürgersteige liegenden oder sitzenden Junkies, die sich offen Heroin spritzen oder Crack rauchen. «Katastrophal» sei die Situation.

Ortswechsel: Ein Bordell nur wenige hundert Meter weiter. Mit einem lauten Knall lässt dort Vanessa den Rohrstock auf die Liege in ihrem Zimmer klatschen. Aber nur zur Demonstration ihrer Tätigkeit, die sie hinter verschlossenen Türen in dem mit Riemen, Fesseln und Ketten bestückten Raum ausübt. Sie arbeitet als Domina. Zufrieden mit dem Verlauf ihres Geschäfts ist sie nicht. Jetzt im Sommer sei es meist mau, sagt Vanessa. Dabei sei sie noch besser dran als die Prostituierten gleichen Haus.

Nach Abzug der Miete, die sie für ein Zimmer in dem Laufhaus in der Taunusstraße bezahlen müssten, bleibe oft nicht viel übrig - wenn sie die Summe überhaupt zusammen bekämen. 140 Euro sind es für 24 Stunden, das Finanzamt erhält 15 Euro davon. «Die Kunden wollen den Frauen fast gar nicht mehr bezahlen», berichtet Vanessa. Auf 20 Euro und teils noch darunter sei inzwischen der Preis für eine Viertelstunde gefallen.

Im «Pure Platinum» läuft das Hauptgeschäft am Wochenende mit Junggesellenabschieden. Darunter sind auch viele Frauengruppen, für sie treten männliche Stripper auf. Die Bar bietet den Gästen einen Limousinen-Service an, der sie direkt zum von kräftigen Türstehern bewachten Eingang fährt - so müssten sie nicht vorbei an den Drogenabhängigen auf den Bürgersteigen. Die Frankfurter Drogenpolitik, die auch Hilfe für die Abhängigen vorsieht, sei gescheitert, sagt Betriebsleiter Weber. «Das ist nicht der Frankfurter Weg, sondern ein Frankfurter Witz.» Mit den Flüchtlingen seien auch viele Straftäter ins Viertel gekommen. «Es ist mehr oder weniger ein rechtsfreier Raum hier.»

Um die Drogen- und Straßenkriminalität im Viertel einzudämmen, wurde eine eigene Polizeieinheit mit mehr als 140 Beamten abgestellt, sie bilden die größte Einzeldienststelle in Hessen. Mit großangelegten Razzien hat sie viel Aufmerksamkeit erregt. Dabei seien Drogen im Wert von mehreren Millionen Euro sichergestellt worden, sagt der für Sicherheit zuständige Stadtrat Markus Frank (CDU). Zugleich gehe es darum, Strukturen zu beobachten und gegen Hintermänner vorzugehen. «Das Bahnhofsviertel ist ein Hotspot des Drogenhandels in der Stadt und der ballt sich inzwischen auf kleiner Fläche», sagt Frank. Der angestrebte Wandel des Viertels sei ein langer Prozess, der vermutlich noch Jahre dauern werde.

«Du kannst hier Drogen kaufen oder verkaufen, es passiert Dir nichts», sagt Ulrich Mattner, Vorsitzender des Gewerbevereins Bahnhofsviertel. Er plädiert für die staatliche Abgabe von Drogen an langjährig Abhängige, um die Kriminalität zu beenden. Zudem seien mehr sichtbare Polizeistreifen nötig, auch nachts. Gleichwohl dürfe nicht das gesamte Bahnhofsviertel schlecht geredet werden. Der Problembereich befinde sich im Bereich der Taunusstraße. An anderer Stelle gebe es eine sehr gute Entwicklung.

Die will die Stadt auch wieder bei der Bahnhofsviertelnacht kommenden Donnerstag (16. August) zeigen. Bei den Veranstaltungen und Führungen spielen Rotlicht, Prostitution und Drogen zwar eine Rolle - doch vor allem sind Restaurants, Clubs, Hotels und Künstler mit Angeboten dabei. In den Mittelpunkt stellt die Kommune in diesem Jahr unter dem Motto «Ankommen» die Themen Migration und Vielfalt in dem Viertel.

 

(dpa)

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