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Terrorgefahr: Betonblöcke schützen Opernplatz

Von In Frankfurt sind gestern Betonblöcke zum Schutz vor Lkw-Anschlägen aufgestellt worden. Sie sollen in den kommenden Jahren den Opernplatz und die Hauptwache sichern. Zufahrtssperren hatte es zuvor nur bei Großveranstaltungen gegeben.
Gestern vor der Alten Oper: Ein Betonblock steht schon, der zweite wird mit einem Gabelstapler von oben herabgelassen. Fotos: Bernd Kammerer Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst) Gestern vor der Alten Oper: Ein Betonblock steht schon, der zweite wird mit einem Gabelstapler von oben herabgelassen. Fotos: Bernd Kammerer
Frankfurt. 

2,4 Tonnen wiegt der Betonblock, der vorn am Gabelstapler baumelt. Fahrzeugführer Ivan Kreizer zieht an einem Hebel, und der riesige, graue „Lego-Stein“ senkt sich langsam herab. Auf einer rutschfesten Gummimatte kommt der Koloss schließlich zur Ruhe. Dort, am Rande des Opernplatzes, soll er in den nächsten Monaten stehen und für die Sicherheit der Passanten sorgen – zusammen mit 17 weiteren Betonblöcken.

Nach den mit Lkw verübten, islamistischen Terroranschlägen in verschiedenen europäischen Großstädten hat der Hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) vor einem Monat einen besseren, permanenten Schutz für Innenstädte angemahnt. In Frankfurt rannte er damit offene Türen ein: Polizei und Stadtverwaltung denken schon seit Monaten über Möglichkeiten nach, stark belebte Innenstadtplätze mit Pollern zu sichern. Die Landeshauptstadt Wiesbaden hat die Einrichtung fester, versenkbarer Betonbarrieren bereits beschlossen, Fulda und Kassel prüfen dies noch.

Die Frankfurter Polizei hat nach Angaben ihres Präsidenten Gerhard Bereswill eine stadtweite Sicherheitsanalyse gemacht und vier Orte identifiziert, an denen Zufahrtssperren besonders sinnvoll erscheinen: den Opernplatz, die Hauptwache, die Konstablerwache und den Römerberg. Weil bis zur Einrichtung versenkbarer Poller und Sperren dort noch einige Zeit verstreichen wird, haben Polizei und Stadt entschieden, den Opernplatz, die Hauptwache und die dazwischen liegende Freßgass’ mit 49 Betonblöcken provisorisch abzusichern.

„Oberste Priorität“

Die Sicherheit der Frankfurter und der Gäste in der Stadt habe für den Magistrat „oberste Priorität“, sagte Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU) gestern beim Aufstellen der Betonblöcke am Opernplatz. Auf dem Weg zu einem umfassenden Sicherheitskonzept für die öffentlichen Plätze und Fußgängerzonen in Frankfurt sei die Maßnahme „ein erster wichtiger Schritt“. Schließlich seien Menschenmengen „weiche Ziele“ für Anschläge mit Kraftfahrzeugen.

Christian Scheh
Kommentar: Den Tatsachen ins Auge schauen

„Wir dürfen uns vom Terrorismus nicht einschüchtern lassen! Wir dürfen keine Angst haben! Wir dürfen uns unsere Freiheit und Lebensart nicht nehmen lassen!“ Appelle dieser Sorte waren nach jedem

clearing

Die Betonblöcke gehören der Frankfurter Tourismus + Congress GmbH. Die städtische Gesellschaft hat zur Sicherung von Großveranstaltungen wie dem Museumsuferfest, dem Weihnachtsmarkt und den Silvesterfeierlichkeiten insgesamt 180 Exemplare zum Preis von je 80 bis 100 Euro erworben. Die rechteckigen Blöcke an der Alten Oper und Hauptwache stehen auf Anti-Rutsch-Matten und mit der kurzen Seite zur Fahrbahn. Tests haben nämlich ergeben, dass ein Poller ohne Matte, der an seiner langen Seite von einem schnellen, schweren Lkw gerammt wird, von der Wucht einfach weggeschleudert wird.

„Abstrakt hohe Gefährdung“

Polizeipräsident Gerhard Bereswill zeigte sich zuversichtlich, dass sich die Standfestigkeit mit der optimierten Aufstellung deutlich erhöht hat. Dass zunächst der Opernplatz und die Hauptwache mit provisorischen Zufahrtssperren versehen wurden, begründete Bereswill mit den langen Straßen, die darauf zulaufen. Anders als an der Konstablerwache und am Römerberg hätten Lkw dort die Möglichkeit, Fahrt aufzunehmen und dann direkt auf den Platz zu fahren. Bereswill betonte, dass es zwar eine abstrakt hohe terroristische Gefährdungslage, aber keine konkreten Hinweise auf einen in Frankfurt geplanten Terroranschlag gebe.

Freie Bahn für Einsatzkräfte

Für die Aufstellung von Zufahrtssperren müssen nach Angaben der Polizei und Stadt zahlreiche Voraussetzungen erfüllt sein. Zum Beispiel müssen trotz der Beschränkungen freie Anfahrtswege für die Feuerwehr und den Rettungsdienst vorhanden sein. Auch der Fuß- und Radverkehr und der Lieferanten- und Baustellenverkehr müsse gewährleistet sein. Die städtischen Ämter und Institutionen hätten sich diesbezüglich abgestimmt und detaillierte Pläne erarbeitet, hieß es.

Wann die provisorischen Betonblöcke durch versenkbare Poller und Sperren ersetzt werden können, ist nach Angaben von Markus Frank noch völlig unklar. Der Ordnungsdezernent führte aus, dass zum Beispiel geprüft werden muss, ob an den vorgesehenen Örtlichkeiten in die Tiefe gegraben werden kann. Versorgungsleitungen, denen in einer Finanzstadt wie Frankfurt besondere Bedeutung zukomme, könnten nicht einfach gekappt werden. Man sei mit Herstellern versenkbarer Poller im Gespräch. Dass die Provisorien aus Beton keine Augenweide sind, ist auch Frank klar: „Hier geht es nicht um Ästhetik. Wir wissen, dass wir mit den Pollern keinen Schönheitspreis gewinnen.“

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