Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 10°C

Jahre nach den Taten: Betrügerisches Trio muss sich vor Gericht verantworten

Von Konsumgüter im Wert von mehr als 600 000 Euro soll ein Trio bestellt, aber nicht bezahlt haben. Gestern begann der Prozess mit der Schilderung des schillernden Lebenslaufs eines der Angeklagten.
Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand. Foto: D.- W. Ebener/Archiv Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand.
Frankfurt. 

Banden- und gewerbsmäßiger Betrug mit Warenbestellungen im großen Stil – wegen diesem schwerwiegenden Vorwurf haben sich seit gestern zwei Eheleute, 42 und 43 Jahre alt, sowie ein 58 Jahre alter Mann vor dem Landgericht Frankfurt zu verantworten. Laut Anklage beläuft sich der Schaden auf mehr als 600 000 Euro.

Die 22 Taten der Anklage datieren allerdings schon auf den Zeitraum 2010/2011. Damals sollen die Angeklagten Konsumgüter aller Art in rauen Mengen bestellt, aber nicht bezahlt haben. Einbauküchen, Wohnzimmermöbel, Steifftiere für die Kinder, eine Bohrmaschine für den Hobbyheimwerker, Unterhaltungselektronik und natürlich auch Kleincomputer und jede Menge Mobiltelefone. Der Telefonanbieter reklamierte übrigens mit knapp 200 000 Euro den höchsten Einzelschaden für sich.

Auf die lange Bank

Ansonsten hielten sich die einzelnen Ausfälle der Firmen in Grenzen. Nach 2011 häuften sich die Strafanzeigen gegen das betrügerische Trio. Weil es sich jedoch um keine Haftsache handelte, wurde das Verfahren vom Gericht auf die lange Bank geschoben. Erst gut sechs Jahre nach der letzten Tat traf man sich gestern zum ersten Mal, um die Sache juristisch aufzuarbeiten.

Der 43 Jahre alte Ehemann nutzte den ersten Verhandlungstag dazu, seinen bisherigen privaten und beruflichen Werdegang in den schillerndsten Farben darzustellen. Trotz regelmäßigen Konsums von Amphetaminen (mit korrespondierendem Strafverfahren) habe er ein Abitur mit Note 1,9 abgelegt, um dann Wirtschaftspsychologie zu studieren. Als Praktiker aber hängte er die wissenschaftliche Theorie bald an den Nagel. In den verschiedensten Firmen im In- und Ausland nahm er in der Folge verantwortungsvolle und einflussreiche Positionen ein. Nur einmal geriet er etwas in Schieflage. Beim Versuch, ein Spezialunternehmen für das Abonnement von Computerspielen aufzubauen, wurde er von einer Schadensersatzklage ausgebootet. Zurück blieben drei Millionen D-Mark Schulden und die Insolvenz. Mittlerweile lebe er aber wieder in finanziell geordneten Verhältnissen im Kreise seiner völlig intakten und glücklichen Familie.

Die neben ihm auf der Anklagebank sitzende Ehefrau nickte zustimmend. Wie es dazu kam? Seine Eltern hätten ihm finanziell aus der Patsche geholfen, „ich liebe meine Eltern über alles“. Mittlerweile habe er zahlreiche Master-Studiengänge belegt und sei mit der Verwaltung fremden Familienvermögens vertraut. Wie viel er damit denn verdiene, wollte der Vorsitzende Richter wissen. „Soviel, dass ich meine Familie ernähren kann“, sagte der Angeklagte, auch diesmal so unverbindlich und schwammig wie die gesamte Schilderung seines Lebenslaufs.

Bis in den Dezember

Das Gericht hat sich auf eine ausführliche Beweisaufnahme eingestellt, denn wie die Einlassung des Mannes und der Mitangeklagten zur Sache ausfallen wird, steht derzeit noch in den Sternen. Bis in den Dezember wurde das Verfahren voraus terminiert.

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse