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Polizei filmt den Frankfurter Weihnachtsmarkt: Bewachter Budenzauber – erstmals Videokamera im Einsatz

Von Die Polizei überwacht den Frankfurter Weihnachtsmarkt in diesem Jahr erstmals mit einer Videokamera. Das neue, mobile Gerät – ein Prototyp – wird voraussichtlich auch zu Silvester zum Einsatz kommen, um Straftaten wie beim jüngsten Jahreswechsel vorzubeugen.
Ein Foto vom Weihnachtsmarkt. „Dieser Bereich kann bei Veranstaltungen videoüberwacht werden“ steht auf dem blauen Hinweisschild an der Laterne. Bilder > Foto: Rainer Rüffer Ein Foto vom Weihnachtsmarkt. „Dieser Bereich kann bei Veranstaltungen videoüberwacht werden“ steht auf dem blauen Hinweisschild an der Laterne.
Frankfurt. 

Wer auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt Glühwein schlürft oder gebrannte Mandeln nascht, wird in diesem Jahr mancherorts von einer Polizeikamera gefilmt. Das neu angeschaffte, mobile Gerät ist ein Prototyp und erstmals im Einsatz. Es hängt an einem Mast auf dem Römerberg, ganz in der Nähe des Ausgangs zur Braubachstraße. Die Kuppelkamera kann Aufnahmen vom Römerberg, Paulsplatz und der dazwischen liegenden Braubachstraße machen. Die Bilder werden in die provisorisch eingerichtete Weihnachtsmarkt-Wache der Polizei im früheren Presseclub-Gebäude übertragen, gespeichert und nach 30 Tagen automatisch gelöscht.

Aus dem Frankfurter Polizeipräsidium ist zu hören, dass die mobile Überwachungstechnik der Gefahrenabwehr dient und auf Grundlage des Hessischen Gesetzes über die öffentliche Sicherheit und Ordnung (Paragraf 14, Absatz 3) installiert wurde. Behördensprecher André Sturmeit sagt, dass die „Sicherheitskamera“ die uniformierten und zivilen Einsatzkräfte auf dem Weihnachtsmarkt unterstützt. Einerseits dienen sie dazu, Ganoven wie zum Beispiel Trick- und Taschendiebe frühzeitig zu erkennen. Andererseits könnten die Aufzeichnungen auch bei der Verfolgung von Straftaten helfen. „Ein Bild sagt manchmal einfach mehr als 1000 Worte“, betont Sturmeit.

20 Diebstähle

Der Behördensprecher führt aus, dass die Polizisten der Weihnachtsmarkt-Wache die Kamera mit Kugelkopf nach Bedarf steuern und ausrichten können. Bis gestern hätten die eingesetzten Beamten schon etwa 20 Trick- und Taschendiebe gezählt. Die Besucher des Budenzaubers werden mit Hilfe mehrerer Hinweisschilder auf die polizeiliche Videoüberwachung aufmerksam gemacht. Wie aus dem Polizeipräsidium zu hören ist, spielte bei der Entscheidung für den Test der mobilen Technik auch die aktuelle terroristische Bedrohungslage eine gewisse Rolle, obwohl derzeit keinerlei Hinweise auf einen geplanten Anschlag in Frankfurt vorlägen.

Kommentar: Beitrag zur Sicherheit

Weihnachtsmärkte im christlich geprägten Deutschland gelten schon länger als sogenannte „weiche Anschlagsziele“ für islamistische Attentäter.

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Wenn sich die Kamera auf dem Weihnachtsmarkt bewährt, soll sie auch zu Silvester zum Einsatz kommen und später auf anderen Massenveranstaltungen, bei denen die Gefahr von Straftaten besteht. Wie berichtet, hatte es am Main beim jüngsten Jahreswechsel sexuelle Übergriffe von Männergruppen auf Frauen und außerdem Trick- und Taschendiebstähle gegeben. Obwohl das Ausmaß der Straftaten auf der Kölner Domplatte bei weitem nicht erreicht wurde, erhöht die Frankfurter Polizei die Sicherheitsvorkehrungen in diesem Jahr beträchtlich. Wie berichtet, sind zum Beispiel eine Sicherheitszone, Zugangskontrollen und ein Pyrotechnikverbot an bestimmten Stellen des Mainufers vorgesehen (wir berichteten).

Barbara Dembowski, beim Hessischen Datenschutzbeauftragten für polizeiliche Datenverarbeitung zuständig, hat gegen die mobile polizeiliche Videoüberwachung keine Einwände. Eine Kamera wie auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt sei „nicht beratungs- und genehmigungspflichtig“. Die formalen Voraussetzungen seien erfüllt, weil die Überwachung offenkundig der Gefahrenabwehr und Prävention von Straftaten diene. Das wäre auch bei einem Einsatz der Technik zum Jahreswechsel der Fall. Allerdings müsste in Zukunft bei jeder Veranstaltung neu geprüft werden, ob die Voraussetzungen erfüllt sind. Frankfurts Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) zeigt sich sehr einverstanden mit der Polizeikamera: Er habe bisher auch nur positive Rückmeldungen bekommen.

Weiteres Novum

Die neue Kamera ist übrigens nicht das einzige Novum im Sicherheitskonzept des Frankfurter Weihnachtsmarkts. Nachdem es 2015 erstmals eine Beschallungsanlage für Durchsagen auf dem Römerberg und Paulsplatz gab, wurde die Anlage in diesem Jahr auf die Budenstandorte an der Hauptwache und auf dem Friedrich-Stoltze-Platz ausgeweitet. Zur Lenkung der Besucherströme können somit erstmals Durchsagen auf dem gesamten Weihnachtsmarktgelände in der Innenstadt gemacht werden.

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