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Warnung vor menschenfeindlichen Tendenzen: Bierdeckel gegen Parolen

Bei der Bundestagswahl sollten Wähler nach Ansicht von Caritas und katholischer Stadtkirche nicht auf populistische Parolen hereinfallen. Sie plädieren dafür, "Menschlichkeit zu wählen", sprechen sich aber nicht für oder gegen bestimmte Parteien aus.
Bei einer Fotoaktion kann man sich zur Wahl von Menschlichkeit bekennen. Stadtdekan Johannes zu Eltz macht es vor. Foto: Salome Roessler Bei einer Fotoaktion kann man sich zur Wahl von Menschlichkeit bekennen. Stadtdekan Johannes zu Eltz macht es vor.
Frankfurt. 

Er selbst darf gar nicht wählen. Johannes zu Eltz, Frankfurts katholischer Stadtdekan, hat nämlich nicht die deutsche, sondern die österreichische Staatsangehörigkeit. Das hindert ihn aber nicht daran, sich zur Bundestagswahl mit einer gemeinsamen Aktion von Stadtkirche und Caritasverband unter dem Motto „Menschlichkeit wählen“ zu Wort zu melden. „Ich tue das aus persönlicher Überzeugung“, sagte er am Freitag. Die gesellschaftliche Situation sei besorgniserregend, es gebe tiefe Gräben zwischen einzelnen Gruppierungen. Diskussionen würden von Hass und Vorurteilen geprägt. „Da müssen wir uns entgegenstellen.“ Caritas und Stadtkirche wollen erreichen, dass bei der Wahlentscheidung die Menschlichkeit im Mittelpunkt steht. „Das ist der Wert, dem sich jeder verpflichtet fühlen sollte.“ Aber: „Wir sagen den Leuten nicht, welche Partei sie wählen sollen.“ Auch werde keine bestimmte Partei – etwa die AfD – abgelehnt. „Man kann nicht das Lagerdenken kritisieren und dann ein eigenes Lager aufbauen“, sagte zu Eltz.

Keine Obergrenzen

Der Frankfurter Caritasverband beteiligt sich an einer bundesweiten Aktion der Sozialorganisation unter dem Motto „Wählt Mitmenschlichkeit“. Themen wie Zuwanderung, soziale Gerechtigkeit, Arbeit, Europa und Bildung werden dabei in den Fokus gerückt, unter anderem auf der Internet-Seite www.waehltmenschlichkeit.de.

Auch werden mehrere Plakat- und Postkartenmotive verbreitet. Sie drehen sich größtenteils um das Thema Ausländer und Zuwanderung. „Mitgefühl kennt keine Obergrenze“, ist zum Beispiel auf einer Postkarte zu lesen – die Anspielung auf die unter anderem von der CSU geforderte Obergrenze für die Aufnahme von Flüchtlingen ist unverkennbar. Der Stadtdekan betonte, dass die deutsche Bischofskonferenz zwar eine Grenze bei der Zuwanderung für möglich hält. Doch bei einer Notsituation wie im Jahr 2015 dürfe es keine Höchstzahl bei der Aufnahme von Flüchtlingen geben.

Unabhängig von der Caritas hat die katholische Stadtkirche eine eigene Aktion mit der gleichen Zielrichtung entwickelt. 10 000 Postkarten und 5000 Bierdeckel mit zehn verschiedenen Motiven wurden gedruckt. Sie sollen in Gaststätten verteilt werden und spielen mit der klassischen Stammtischparole „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen . . .“

Für Offenheit und Respekt

Normalerweise, so der Stadtdekan, schließe sich daran eine Botschaft an, mit der eine Gruppe ausgegrenzt wird. In der kirchlichen Version steht stattdessen ein Bibelzitat, etwa „Ich war fremd und Ihr habt mich aufgenommen“ oder „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“. Zwar könne man allein mit dieser Aussage aus der Bergpredigt keine Politik betreiben, räumt Johannes zu Eltz ein. „Aber wenn die Menschlichkeit, die der Bergpredigt zugrundeliegt, nicht mehr ausgesprochen werden darf, dann sind wir in großen Schwierigkeiten.“

Gerade in Frankfurt, wo etwa 40 000 der insgesamt 150 000 Katholiken nicht Deutsch als Muttersprache haben, zeige sich die ganze Pluralität der modernen Gesellschaft. Ausgrenzung und Lagerbildung seien eindeutig die falschen Antworten. Ein Zusammenleben in Vielfalt könne nur gelingen, wenn sich die Menschen in Offenheit und Respekt begegnen, sagte der Stadtdekan.

Die Kirche werde den Menschen nicht explizit sagen, welche Aussagen von Parteien oder Kandidaten ihrer Ansicht nicht dem Kriterium der Menschlichkeit entsprechen. Das heißt: Es wird keine konkrete Wahlempfehlung geben. „Die Leute haben schon ein Gefühl dafür, was unmenschlich ist“, sagte zu Eltz. Wichtig sei es aber auf jeden Fall, zur Wahl zu gehen. Auf einem Caritas-Plakat ist zu lesen: „Es gibt etwa 62 Millionen Wahlberechtigte in Deutschland, aber eigentlich zählt nur eine Stimme: Deine.“

(mu)
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