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Katharinenkirche in Frankfurt: Biker gedenken im Straßenverkehr gestorbenen Motorradfreunden

Von 600 Maschinen donnerten am gestrigen Sonntag zur Katharinenkirche. Die Fahrer und Beifahrer gedachten der 47 Motorradfahrer, die in der zu Ende gehenden Biker-Saison auf Hessens Straßen ums Leben gekommen sind.
Helm ab zum Gebet: Vor dem Altar haben die Biker ihre Helme abgelegt. Bilder > Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA Helm ab zum Gebet: Vor dem Altar haben die Biker ihre Helme abgelegt.
Frankfurt. 

Es klingt wie 1000 Hornissenschwärme, als die Motorräder quer durch die Innenstadt Kurs auf die Katharinenkirche nehmen. Royal Enfield, Triumph, Indian, BMW, Victory, Harley-Davidson, Honda, Kawasaki und die Besitzer anderer Marken sind unterwegs auf der 36. Gedenkfahrt zum Motorrad-Gottesdienst in der Katharinenkirche. Es sind Tricker (Dreiräder), darunter, sogar Quads, Motorroller mit drei und zwei Rädern und schwere Maschinen jenseits der 1000 Kubikmarke. Die Fahrer tragen Motorradkluft mit Protektoren, einige haben ihre Kutten darüber angelegt. Einer der Fahrer hat einen Sticker mit der Aufschrift „Odin statt Jesus“ auf die Kutte genäht. Ob er den Gottesdienst besucht, ist fraglich, denn der Odinsjünger träumt ausweislich seiner Kutte von Walhalla statt vom Himmel.

Die Polizei spricht von 600 Maschinen, die Veranstalter, der „Verband Christlicher Motorradfahrer“, sogar von 1500. Bikerpfarrer Thorsten Heinrich hält den Gottesdienst. Der 53-Jährige fährt selbst seit seinem 16. Lebensjahr Motorrad. Er besitzt eine Honda CBF 1000, „den Golf unter den Motorrädern“, wie er sagt. Den Gottesdienst hält er in seiner Motorradhose, nur eine Stola, einen liturgischen Schal, hat er umgelegt. „Plötzlich ist alles anders.“ Unter dieses Motto stellt Heinrich seine Predigt und erinnert an den siebenfachen Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher, der nach eine banalen Skiunfall monatelang im Koma lag. Gerade für Biker kann von jetzt auf gleich alles anders sein. Der Pfarrer erinnert daran, dass Motorradfahrer ein um 30 Prozent höheres Unfallrisiko als Autofahrer haben.

Das Risiko ihres Hobbys ist den Bikern bewusst. Sie erheben sich, als die Namen der verstorbenen Kollegen in der vergangen Saison verlesen werden. Für jeden der 47 Männer (eine Frau war nicht unter den Opfern) wird eine Kerze am Altar angezündet, vor dem die Biker ihre Helme abgelegt haben. Das jüngste Verkehrsopfer war 16 Jahre alt, das älteste 87 Jahre. Die Kollekte geht an die Familie von Tim. Tim liegt nach einem Motorradunfall schon ein halbes Jahr im Koma, die Familie braucht finanzielle Unterstützung. Die meisten tödlich Verunglückten waren Mitfünfziger. Ihre Altersgruppe stellt auch die meisten Teilnehmer am Gottesdienst. Zum Anlassen in der nächsten Saison wollen sich die Biker am 23. April wieder um 12 Uhr zum Gottesdienst in Gelnhausen treffen.

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