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Bilder von Jürgen Möbius: Bildtitel, die wie Musik klingen

Von Viele Jahre lang waren die Bilder von Jürgen Möbius nicht mehr im Rhein-Main-Gebiet ausgestellt. Jetzt sind sie in der Galerie „Das Bilderhaus“ zu sehen.
Die farbigen Flächen, die Jürgen Möbius auf Leinwand bannt, erinnern beim Betrachten an Landschaften. Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA Die farbigen Flächen, die Jürgen Möbius auf Leinwand bannt, erinnern beim Betrachten an Landschaften.
Nordend. 

Jürgen Möbius gibt vielen seiner Bilder einen musikalischen Titel, etwa „Das Lied von der Erde“, „Lyric Suite“ oder „Polyphones Echo“. Trotz der konkreten Titel erzählen seine Werke aber keine konventionellen Geschichten. Sie sprechen die Sprache der Abstraktion – bis zu einem gewissen Punkt: Formal geht es dem Künstler um Farbe, um ihre Textur und ihre Wirkung auf dem Bildgrund.

Bildräume wie Landschaft

In seinen Werken, von der aktuell eine Auswahl in den Räumen der Galerie „Das Bilderhaus“ gezeigt wird, widmet sich Möbius auch einer seit langem bestehenden Herausforderung in der Malerei. Es geht darum, dem zweidimensionalen Bild seine Flächigkeit zurückzugeben. Möbius nähert sich in seinen Kompositionen dieser Herausforderung an und verwirft sie zugleich wieder. Aus unterschiedlichen farbigen Flächen und aus Linien formen sich bei genauerer Betrachtung Bildräume, die oft an Landschaften erinnern.

Dieses Spannungsfeld zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit wird durch die konkreten und teils musikalisch inspirierten Bildtitel verstärkt – wie ein Widerspruch, der aufgelöst werden möchte. Der Titel der Schau „Der Klang der Stille“ spiegelt dies – denn wer genau hinhört, der weiß, dass die Stille tatsächlich ihren eigenen Klang hat.

Dieser Widerspruch ist gewollt und Ergebnis einer Jahrzehnte langen Auseinandersetzung des Künstlers mit der Frage danach, was die Malerei ausmacht. Nicht immer nutzt Möbius für seine Werke Ölfarbe, die er auf Leinwand aufträgt. Er arbeitet auch in Mischtechniken, kombiniert etwa Ölfarbe mit Papier.

Manchmal überschreitet der Künstler den bereits eingegangenen Weg der Abstraktion, formt aus geometrischen Flächen Gegenständliches. Hiervon zeugen zwei Arbeiten, die in der aktuellen Schau zu sehen sind: Auf jeder hiervon ist ein Gebäude dargestellt – schlicht in einem strahlenden Weiß gemalt und mitten im Niemandsland. Während sich auf dem einen Bild eine Mauer hinter dem Haus entlangzieht, ist es in der zweiten Komposition ein weiter Raum. Das Thema Grenzen in ihren vielfältigen Erscheinungsformen und ihre Überwindung wird hierin aufgegriffen.

Geradliniger Weg

Künstlerisch geht Jürgen Möbius daher keine geradlinigen Wege. Ganz bewusst. Er selbst beschreibt seine Arbeitsweise wie folgt: „Ich weiche gerne ab, schaue mal nach rechts oder links heraus“, betont er. Manchmal hole er frühere Werke aus dem Magazin, unterziehe diese einer Überarbeitung. „Dann sehe ich plötzlich, was ich wollte, und setze es um“, beschreibt er eine Vorgehensweise.

Möbius ist in der Nähe von Dresden geboren. „Wir sind kurz nach Gründung der DDR in den Westen geflohen“, erzählt er. Von 1959 bis 1965 studierte er Malerei am Hochschulinstitut für Kunst in Mainz sowie Kunstgeschichte und Philosophie an der Johannes Gutenberg-Universität, ebenfalls in Mainz. „Ich gehörte damals zu einer Gruppe von Studenten, die den zeitgenössischen Weg gegangen und gegen die sehr konservativen Dozenten opponiert haben.“ Es ist die Zeit, in der die Abstraktion als zeitgenössisch und als Spiegel einer modernen Gesellschaft gilt.

Möbius lebt und arbeitet heute in Klein-Winternheim nahe der rheinlandpfälzischen Landeshauptstadt. Seit mehr als 40 Jahren stellt er national wie international aus. „Aus Deutschland hatte ich mich in den vergangenen Jahren zurückgezogen“, sagt er. Die aktuelle Schau sei daher seit vielen Jahren wieder die erste im Rhein-Main-Gebiet.

 

 

Die Ausstellung „Der Klang der Stille“ in der Galerie „Das Bilderhaus“, Hermannstraße 41, läuft noch bis Samstag, 25. März. Sie kann mittwochs bis freitags von 16 bis 19 Uhr, samstags von 11 bis 14 Uhr besichtigt werden.

 

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