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Die Woche im Römer: Bittere Tränen vergießt die Stöpselkopfameise

Thomas Remlein Thomas Remlein

Frankfurt war und ist eine Stadt der Händler. Jeder Handel beruht auf Austausch, Offenheit und wechselseitigem Entgegenkommen. Sturheit, Verbissenheit und Rechthaberei bedeuten Stillstand. Dasselbe gilt natürlich auch für die Politik. Frankfurts Stadtpolitiker sind deshalb ständig miteinander im Gespräch; am liebsten über Parteigrenzen hinweg. Schließlich weiß man nie, in welche Koalition der Wähler eine Partei noch zwingt. Der politische Feind von heute kann der Koalitionspartner von morgen sein. Freundschaften wie die zwischen Alt-Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) und Alt-Bürgermeisterin Jutta Ebeling (Grüne) entstehen ohnehin meist jenseits der Parteigrenzen, seltener innerhalb, weil jede Fraktion eine Wettbewerbsgemeinschaft um politische Ämter darstellt.

Eine gute Plattform für Gespräche ist der städtische Neujahrsempfang. Entkrampft vom politischen Alltag können die schwarz-rot-grünen Koalitionäre, aber auch die Oppositionellen, miteinander plaudern oder auch blödeln. Noch immer sträuben sich CDU, aber auch Grüne, gegen das von der SPD geforderte neue Wohngebiet am Pfingstberg. Nach einigen Gläsern Riesling aus dem städtischen Weingut wurde in dieser Woche in den Römerhallen folgender Kompromiss diskutiert: Der Pfingstberg wird prozentual nach dem Wahlergebnis unter den Koalitionären aufgeteilt. Die SPD darf dann auf ihrem Gebiet eine sozialistische Mustersiedlung nach stalinistischem Vorbild errichten. Der Bebauungsplan auf CDU-Land sieht Luxusvillen für obdachlos gewordene Banker vor. Das kleinste Grundstück erhalten nach der deftigen Wahlniederlage von 2016 die Grünen. Sie werden es als Brachland zum Auswildern der in Sindlingen-Süd ansässigen Stöpselkopfameise nutzen. Dann kann endlich im Goldgewann Betongold entstehen. Bedauerlicherweise stellt sich bei der Bebauung des Pfingstbergs heraus, dass CDU und SPD vergessen haben, Verkehrsflächen einzuplanen. Deshalb müssen die Grünen ihr Grundstück für Radwege opfern. Ungezählte umsiedlungswillige Sindlinger Stöpselkopfameisen weinen bitterlich im Verborgenen. Sie hatte sich schon so auf ihr neues Habitat gefreut.

Annäherung unter den Koalitionären deutet sich auch im Konflikt mit der Videoüberwachung an der Hauptwache an. Noch sind SPD und Grüne dagegen. Aber der Vorschlag einer mobilen Videoüberwachung mittels Drohnen gewinnt immer mehr Freunde. Schließlich können die fliegenden Geräte den Kriminellen viel besser auf den Fersen bleiben als Kameras an Masten.

Leidenschaftlich debattiert der zukunftsgläubige Frankfurter auf Empfängen. Obwohl er, seiner Natur folgend, immer nach vorne schaut, wurde er beim städtischen Neujahrsempfang in dieser Woche dennoch nostalgisch. Als um 22.05 Uhr auf einen Schlag erbarmungslos alle Zapfhähne abgedreht wurden (okay, man hatte eine Stunde früher als üblich angefangen), sagte mancher Gast wehmütig beim vorzeitig erzwungenen Abschied: „Bei Roth und Ebeling wäre das nicht passiert. Es lebe das Matriarchat!“

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