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Blut als Zeichen des Friedens

Muslimische Männer spenden in der Nieder-Eschbacher Bait us-Sabuh Moschee Blut, viele von ihnen zum ersten Mal. Die islamische Gemeinde Ahmadiyya Muslim Jamaat möchte damit ein Zeichen setzen und ihre Religion in einem anderen Licht präsentieren.
Vor der Spende werden Körpergewicht und -größe dokumentiert. Bilder > Vor der Spende werden Körpergewicht und -größe dokumentiert.
Nieder-Eschbach. 

Shazad Ahmads linker Arm ist angespannt, um die Adern stärker hervortreten zu lassen. Ansonsten nimmt der 28-jährige Frankfurter die Prozedur in der Turnhalle der Bait us-Sabuh Moschee in Nieder-Eschbach gelassen hin. Shazad spendet heute nicht zum ersten Mal Blut. "In meiner Firma wird das regelmäßig gemacht", erzählt er. Als gläubiger Muslim möchte er ein Zeichen für den Wert des Lebens setzen und beweisen, dass seine Religion eine friedliebende ist. Denn Eiferer und Hassprediger haben hier in der Genfer Straße in Nieder-Eschbach keine Chance.

In den USA provozieren Islam-Hasser mit Mohammed-Videos, islamische Fundamentalisten reagieren darauf mit Gewalt – die Mitglieder von Ahmadiyya Muslim Jamaat wollen hingegen zeigen, dass ihre Religion auf Nächstenliebe und Integration setzt.

Nervös aber mutig

Fraz (22) unterstützt die Blutspendeaktion ebenfalls, auch wenn er soeben gelesen hat, dass Blutspenden bleibende Schäden hinterlassen kann. Ihm ist ein wenig bange, macht er es doch zum ersten Mal. Auch seine Freunde Kameran (19) und Hamayun (22) sind nervös. Wenn aber am Samstagnachmittag dutzende andere Gemeindemitglieder Blut spenden, wollen sich die drei nicht drücken – tatsächlich ist das Risiko äußerst gering.

Eingangs der Turnhalle liegen Äpfel, Bananen und andere Lebensmittel aus. Keiner der Spender soll mit leerem Magen Blut lassen. Vor der Spende müssen alle Teilnehmer Angaben über ihr Gewicht und ihre Größe machen sowie ihre Hämoglobinwerte testen lassen, um die Spendereignung festzustellen. Dann folgt für viele die erste Begegnung mit der Nadel.

Knapp 70 Männer im Alter zwischen 18 und 45 Jahren sind es, die bis zum späten Nachmittag jeweils einen halben Liter Blut gespendet haben. Ausgeführt wird der Aderlass vom Deutschen Roten Kreuz (DRK). Allein in Hessen werden täglich 1000 Konserven benötigt.

Martina Kramer-Neul, die Spenderwerbebeauftragte vom DRK in Niederrad, war daher ganz Ohr, als sie von der Gemeinde kontaktiert wurde und diese ihr von der Idee für eine große Spendenaktion berichtete. Die Turnhalle der Moschee bot sich als idealer Veranstaltungsort an.

Ursprünglich vorgeschlagen wurde die Spendenaktion von Hadhrat Khalifa-tul-Massih Vaba, dem derzeitigen Kalif und Oberhaupt der Gemeinde.

Allein in den USA spendeten 10 000 Gemeindemitglieder Blut. Am 2.September 2012 veranstaltete Ahmadiyya Muslim Jamaat die erste deutsche Spendenaktion in einer Hamburger Moschee. Nun folgte Frankfurt.

Es soll nicht die letzte Aktion jener Art bleiben, wie Wahaj Bin Sajid, Sprecher der Frankfurter Jugendorganisation von Ahmadiyya Muslim Jamaat ankündigt. "Schon 2013 wollen wir wieder aufrufen. Alle, auch Nichtmuslime, können spenden", so Sajid.

Reformbewegung

Inspiration ist für die Muslime die Koransure 5:33. "Wenn jemand einem Menschen das Leben erhält, so soll es sein, als hätte er der ganzen Menschheit das Leben erhalten", steht in dieser. Die Gemeinde möchte mit der großen Blutspende folglich allen Menschen helfen – egal, welcher Herkunft und Religion. "Wir sind eine islamische Reformbewegung. Wir versuchen gegen die Verkrustung im Islam anzugehen. Wir sind für die Trennung von Staat und Religion. Der "Jihad", der heilige Krieg, ist für uns der Kampf gegen das eigene Ego. Provokation und Vorwürfe wie durch das Mohammed-Video werden von uns ignoriert oder argumentativ widerlegt", erklärt Wahaj Bin Sajid.

Viele Freunde machen sich die Ahmadis mit dieser Einstellung unter anderen islamischen Gemeinden nicht. In Pakistan, von wo viele Gemeindemitglieder stammen, seien die Ahmadis Repressalien ausgesetzt, viele Mitglieder würden jedes Jahr ermordet. Andere muslimische Glaubengruppen nennen die Bewegung unislamisch.

In Deutschland zählt Ahmadiyya Muslim Jamaat mit rund 30 000 Mitgliedern zu den größten islamischen Gemeinden. Die älteste deutsche Moschee in Berlin-Wilmersdorf wurde 1928 von Ahmadis errichtet, auch die Nuur-Moschee in der Babenhäuser Landstraße in Sachsenhausen – die drittälteste in Deutschland – gehört zur Gemeinde.

Am 3. Oktober möchten sich die Ahmadis wieder am Tag der offenen Moschee beteiligen. Eigentlich brauchen sie diesen aber nicht. "Unsere Moschee steht allen Menschen jederzeit offen", sagt Bin Sajid.

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