Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 26°C

Frankfurter Uniklinik: Blut sparen nützt Patienten

Von Von Frankfurts Uniklinik geht ein neuer Trend aus: Blut sparen, Transfusionen vermeiden. Denn Blut ist knapp und Transfusionen können gefährlich sein.
Assistenzärztin Dania Fischer und ihr Chef Professor Kai Zacharowski kämpfen im Alltag der Intensivmedizin um jeden Tropfen Patientenblut.	Foto: Faust Assistenzärztin Dania Fischer und ihr Chef Professor Kai Zacharowski kämpfen im Alltag der Intensivmedizin um jeden Tropfen Patientenblut. Foto: Faust
Frankfurt. 

Blut war knapp im Februar. „In manchen Krankenhäusern mussten geplante Operationen verschoben werden“, sagte Prof. Erhard Seifried, der Geschäftsführer des DRK-Blutspendedienstes Baden-Württemberg und Hessen. „Inzwischen holen wir auf. Wir haben große Blutspendeaktionen gestartet.“ Doch zeitweiser Mangel an Spendern ist Alltag beim Blutspendedienst des Roten Kreuzes. Jährlich spenden die Deutschen rund zwei Millionen Liter Blut.

Damit sparsam umzugehen, ist nicht nur im Interesse der Spender, sondern auch der Empfänger. Oft sind Bluttransfusionen nötig, gelegentlich sind sie gefährlich und manchmal schlicht überflüssig.

 

Blutverbrauch steuern

 

Diese Erkenntnis ist relativ neu. 2011 forderte die Weltgesundheitsorganisation WHO die Einführung von „Patient Blood Management“ (PBM) in die Gesundheitssysteme. In Deutschland ist die Uniklinik Frankfurt Vorreiter dieses „Patientenblut-Managements“. Prof. Kai Zacharowski, Direktor der Klinik für Anästhesiologie, und Prof. Seifried haben PBM vor einem Jahr ins Leben gerufen. Zum Netzwerk gehören inzwischen 100 Kliniken und Krankenhäuser in Deutschland. 100 von rund 2000 – es ist also noch einiges zu tun.

„Wir werden älter. Es gibt mehr ältere Patienten und weniger junge Spender“, beschreibt Prof. Kai Zacharowski ein Problem. In seiner Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie in Haus 23 werden die Patienten standardmäßig untersucht, die eine Operation vor sich haben. Es gibt zwei Gruppen: Die einen, die keine Zeit haben, sofort unter das Messer müssen. Und die anderen, bei denen der Chirurg einen Termin in drei oder fünf Wochen festlegt. Die zweite Gruppe ist interessant fürs Patientenblut-Management.

„Rund 30 Prozent der älteren Patienten, die wir sehen, haben eine Blutarmut“, so Zacharowski. Blutarmut – Anämie – sei als Krankheit anzusehen genau wie Bluthochdruck oder Zucker. „Die Hausärzte müssen geschult werden, ihre Leistungen von den Kassen bezahlt“, fordert Zacharowski. Bislang zahlen die Kassen nicht. Auch die Untersuchungen, die mit anämäischen Patienten in der Uniklinik angestellt werden, die Medikamente, die sie gegen die Blutarmut erhalten, zahlen die Kassen bislang nicht.

Dabei sind die Mediziner erfolgreich: In der kleinen Anämie-Ambulanz stellen sich täglich zwei oder drei Patienten vor, bei denen Blutarmut festgestellt wurde. Jedem Dritten kann geholfen werden – durch die Gabe von Folsäure, Vitamin B 12 oder auch Eisen. Die Zeit, die ihnen bis zum Operationstermin bleibt, reicht meist, damit der Körper jene Menge Blut selbst bildet, das dann später bei der Operation vielleicht nicht gegeben werden muss. Bluttransfusionen bergen Risiken. Sie belasten das Immunsystem des Patienten. Patienten mit schwerer Blutarmut sterben etwa zehnmal so häufig in den 30 Tagen nach einer Operation wie Patienten ohne diese Krankheit.

 

An vielen Stellen sparen

 

Patientenblut-Management bedeutet an der Uniklinik, an vielen Stellen kleine Mengen zu sparen. Beispielsweise bei der Blutabnahme, oder wenn bei Operationen Blut aufgefangen und dem Patienten wieder eingegeben wird. So lässt sich Spenderblut sparen und die Risiken einer Transfusion ausschließen. „Seit 2010 haben wir an der Uniklinik ein Drittel der Transfusionen eingespart“, sagte Prof. Jürgen Schölmerich, Ärztlicher Direktor der Uniklinik. „Das spart auch Kosten.“

Ende März treffen sich Ärzte aus ganz Deutschland in Frankfurt zum ersten deutschen PBM-Kongress. Mediziner können sich selbst online weiterbilden (www.transfusionszertifikat.de). Das Zertifikat ist von der Landesärztekammer anerkannt.

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse