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Analyse nach der Evakuierung: Bombenentschärfung kostet Millionen

Von Mehr als 3100 Einsatzkräfte, 1600 Personentransporte und geschätzte Kosten in Millionenhöhe – die Evakuierung anlässlich der Bombenentschärfung im Westend war die größte der deutschen Nachkriegsgeschichte. Die Auswertung des Einsatzes läuft auf Hochtouren.
Polizisten sicherten das Sperrgebiet um die Fundstelle der Weltkriegsbombe. Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA Polizisten sicherten das Sperrgebiet um die Fundstelle der Weltkriegsbombe.
Frankfurt. 

Eine gute Woche nach der größten Evakuierung der deutschen Nachkriegsgeschichte läuft im Frankfurter Polizeipräsidium und in der Branddirektion der Stadt die Nachbereitung des Einsatzes. Auch genauere Zahlen liegen inzwischen vor: Polizeisprecher Alexander Kießling sagte auf Nachfrage, dass anlässlich der Bombenentschärfung im Westend 1020 Polizisten im Einsatz gewesen seien. Markus Röck, Sprecher der Branddirektion, sprach von 1200 Einsatzkräften der Feuerwehr, des Rettungsdienstes und des Katastrophenschutzes am Tag der Evakuierung. Berücksichtige man die Tage der Vorbereitung, seien es sogar 2100 Einsatzkräfte der „nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr“ gewesen – unter ihnen auch sehr viele ehrenamtliche Unterstützer der Freiwilligen Feuerwehren und der Hilfsdienste ASB, DRK, JUH und MHD.

Bilderstrecke Bombenfund in Frankfurt: So verlief die größte Evakuierung der Nachkriegszeit
Der Evakuierungsmorgen begann duster. Nebel lag über der Stadt. Die Sonderfahrzeuge der Polizei waren in Position gebracht. Niemand wusste mit Sicherheit, wie der Tag enden würde.Die Ausfahrt der A66 Miquelallee: gesperrt.Ein 1,5 Quadratkilometer großes Areal wird für zwölf Stunden zur Sperrzone erklärt

Röck berichtet, dass unabhängig von der Polizei etwa 450 Fahrzeuge eingesetzt gewesen seien. Unter dem Strich hätten die Einsatzkräfte 1600 Transporte von Personen gemacht, die das Sperrgebiet verlassen mussten. Zu der zeitlichen Verzögerung bei der Entschärfung kam es nach Angaben der Behördensprecher auch deshalb, weil sich zahlreiche Anwohner erst am Tag der Evakuierung für einen Transport angemeldet hätten. Obwohl das Sperrgebiet theoretisch schon um 8 Uhr geräumt sein sollte, seien noch bis in die Mittagsstunden Personen herausgebracht worden. „Wir hatten den Eindruck, dass viele Leute dachten: ,Wir lassen’s einfach mal auf uns zukommen‘“, kritisieren Röck und Kießling.

Unklare Strafen

Was auf die „Evakuierungsverweigerer“ zukommt, die die Einsatzkräfte nach 8 Uhr noch in der Sperrzone erwischten und die mitunter aus ihren Wohnungen geholt werden mussten, wird derzeit noch geprüft. Aus der Polizei ist zu hören, dass die Schwere der Bestrafung von der Frage abhängen dürfte, ob das Verhalten dieser Personen für die Verzögerung der Entschärfung ursächlich war und ob es zusätzliche Kosten verursachte. Sollte beides nicht der Fall gewesen sein, könnten die betroffenen Personen mit einem ordnungsrechtlichen Verwarnungsgeld in zweistelliger Höhe davonkommen.

Polizeisprecher Kießling berichtet auf Nachfrage von fünf Fällen, bei denen Personen in der Sperrzone angetroffen wurden. Diese waren unterschiedlich gelagert: In der Hansaallee seien ein Eriträer und ein Bosnier aufgegriffen worden, die zu Fuß unterwegs waren und anscheinend nichts von der Evakuierung mitbekommen hatten. Ein dritter Mann aus der Eschersheimer Landstraße sei psychisch krank gewesen. Ein vierter, der sich in einer Wohnung in der Hansaallee versteckte, wurde nach Kießlings Worten „von der Freundin verpfiffen“. Der fünfte Mann schließlich sei rauchend auf einem Balkon in der Eschersheimer gesichtet worden.

Austausch der Einsatzkräfte

In der Frankfurter Branddirektion gab es am Montag ein Nachtreffen, in dem sich Vertreter verschiedener Einheiten gemeinsam über den Großeinsatz austauschten. Als positiv bewerten die beteiligten Behörden dem Vernehmen nach die Kommunikation nach außen. Bei der Koordination der zahlreichen Einsatzkräfte sehen sie dagegen noch etwas Luft nach oben – stellenweise habe es Reibungsverluste gegeben.

Die Kosten des Großeinsatzes lassen sich nach Behördenangaben noch nicht beziffern. Dass sie „in die Millionen“ gehen dürften, wird vermutet, die Auswertung dauere aber noch an.

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