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Verzögerung: Bombensuche blockiert U-Bahn-Bau

Von Die rund 281 Millionen Euro teure U-Bahn ins Europaviertel wird voraussichtlich erst Mitte 2023 fertig, ein halbes Jahr später als bisher geplant. Grund für die Verzögerung ist die unerwartet aufwendige Suche nach Kampfmitteln im Boden.
Vorsichtig lädt der mit Panzerglas gesicherte Bagger in der Mitte den Europaallee den Aushub in die Container. Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA Vorsichtig lädt der mit Panzerglas gesicherte Bagger in der Mitte den Europaallee den Aushub in die Container.
Frankfurt. 

Die künftige Trasse der U-Bahn in der Mitte der Europaallee ist schon seit längerem eingezäunt. Doch ein Areal in Höhe des Hotels Capri ist besonders gesichert. Nicht einmal Raghu Kulkarni, Technischer Projektleiter des U-Bahn-Baus, darf das Gelände ohne Anmeldung betreten. Roman Drennfeld von der Hamburger Firma WIWA Kampfmittelbeseitigung achtet darauf, dass keine Unbefugten auf die Baustelle gelangen. Denn dort könnten Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg lagern. Drennfeld schildert die Folgen, wenn man etwa auf ein nur wenige Zentimeter großes, nicht explodiertes Flakgeschoss tritt. „Dann ist das Bein weg.“

Möglicherweise aber befinden sich auf dem Baufeld, auf dem früher der Hauptgüterbahnhof war, ganz andere Kampfmittel. Drennfeld holt ein verrostete Stück Blech hervor, das der Fachmann als Splitter einer 50-Kilogramm-Bombe beschreibt. Dieser ist ungefährlich – ganz im Gegenteil zu der Stab-Brandbombe, die auf dem Gelände gefunden wurde. Ein ähnlicher Fall wie Anfang Mai auf der Baustelle des Riederwaldtunnels: Dort wurden fünf Arbeiter verletzt, als sich zwei Phosphor-Granaten entzündeten.

Fehlerhafte Dokumentation

Nicht zuletzt deshalb hat der Fund im Europaviertel das Regierungspräsidium Darmstadt als Aufsichtsbehörde sowie die Berufsgenossenschaft auf den Plan gerufen. Zwar wurde das Gelände in den vergangenen Jahren schon drei Mal auf Kampfmittel abgesucht. Doch es habe Versäumnisse bei der Dokumentation gegeben, sagt Wendelin Friedel, Geschäftsführer der städtischen Gesellschaft SBEV, die für das Projekt zuständig ist.

Deshalb muss das Gelände, wo demnächst die Startgrube für die riesige Tunnelbohrmaschine ausgehoben wird, noch einmal sorgfältiger untersucht werden. Ein Bagger, dessen Führerhaus mit Panzerglas gesichert ist, trägt Schicht für Schicht ab, kippt das Gemisch aus Erde und Steinen vorsichtig in einen Container. In der Grube sucht ein Mitarbeiter mit einer Sonde, die auf elektrische Leitfähigkeit reagiert, den Boden nach Metall ab. Bis zu sieben Meter tief wird gegraben.

80 Container mit jeweils sieben Kubikmeter Volumen wurden bereits gefüllt. „Sie sind das limitierende Element“, sagt Marie Fischer, die für die Bauüberwachung zuständig ist. Mehr seien in Frankfurt derzeit nicht zu mieten, deshalb gehe es derzeit nicht schneller voran. Doch von kommender Woche an wird der Aushub mit Lastwagen direkt in den Osthafen gebracht. Dort wurde in einer speziell gesicherten Halle eine Separieranlage aufgebaut, in der das Schüttgut auf noch vorhandenes Metall untersucht wird. „Wir finden jede Büroklammer“, versichert Fischer.

Wie lange die sogenannte Volumenberäumung noch dauert, ist bisher nicht absehbar. Bevor sie nicht abgeschlossen ist, kann die 80 mal 20 Meter große Startbaugrube nicht ausgehoben werden.

Boden wird stabilisiert

Von ihr aus wird sich die 580 Tonnen schwere Tunnelbohrmaschine, die voraussichtlich im Januar geliefert wird, in den Untergrund vorarbeiten. In der Tiefe, in der die Maschine arbeitet, besteht keine Gefahr, auf Blindgänger zu stoßen. „Der Start ist am schwierigsten“, sagt Marie Fischer. Damit nichts einstürzt, wird derzeit direkt neben der Zufahrt zur Tiefgarage des Skyline Plaza der Boden stabilisiert. Von Anfang nächsten Jahres an arbeitet sich der Bohrer in Richtung Platz der Republik vor. Nach sechs Monaten soll die erste Röhre fertig sein – wenn es im Untergrund keine Überraschungen gibt.

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