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Tüftler und Umweltfreunde: Botschafter einer tollen Idee

Oft reichen ein paar Handgriffe, um einen Gegenstand wieder funktionstüchtig zu machen. Sachsenhausens neuer Stadtteilbotschafter der Polytechnischen Gesellschaft bringt Menschen zu jenem Zweck in seinem „Repair Café“ zusammen. Er leistet damit einen Beitrag gegen die Wegwerfgesellschaft und für das Zusammenleben in Sachsenhausen.
Dominik Peper ist der Stadtteilbotschafter Sachsenhausens dank der Polytechnischen Gesellschaft – und seine Idee eines „Repair Cafés“ kommt bestens an. Hier gilt: reparieren statt wegwerfen. Bilder > Dominik Peper ist der Stadtteilbotschafter Sachsenhausens dank der Polytechnischen Gesellschaft – und seine Idee eines „Repair Cafés“ kommt bestens an. Hier gilt: reparieren statt wegwerfen.
Sachsenhausen. 

So soll es laufen: Dirks (47) elektrische Zahnbürste hat den Geist aufgegeben, der Akku ist defekt. Nun sitzt Dirk mit dem 20 Jahre jüngeren Tobias im Kellergeschoss der Gemeinde St. Wendel in Sachsenhausen. Die beiden tauschen den Akku aus, schrauben und löten. Letzten Endes spart Dirk Geld, weil er sich keine neue Zahnbürste kaufen muss. Zudem hat er Tobias kennengelernt, dem er wohl sonst nie über den Weg gelaufen wäre.

Kaputtes wird repariert

Dominik Peper (26) beobachtet die gemeinsame Arbeit zufrieden. Seit April ist der Produktmanager der neue Sachsenhäuser Stadtteilbotschafter. Nun eröffnet er im Alten Schützenhüttengäßchen sein sogenanntes „Repair Café“, mit dem er den Stadtteil gleich um mehrere Facetten bereichern möchte. Das Prinzip des Cafés ist einfach: Einmal im Monat kommen Tüftler, Technikfans und Umweltbewusste zum gemeinsamen, kostenlosen Reparieren kaputter Gegenstände und zum Austausch zusammen. „Es kann sich um einen Toaster handeln, der nicht mehr funktioniert, um ein Fahrrad, bei dem das Rad schleift oder auch einen verschlissenen Pullover“, sagt Dominik.

Sinn des Ganzen, erklärt der Stadtteilbotschafter, soll es sein, dass kaputte Artikel nicht in der Mülltonne landen, wenn sich dessen Funktionalität durch ein paar geübte Handgriffe wieder herstellen lässt. Wie im Fall von Dirk und Tobias: Letzterer ist Elektro-Ingenieur, leistet jedoch viel theoretische Büroarbeit. „Die Arbeit hier im ,Repair Café‘ ist für mich daher eine Art Ausgleich, der zudem noch sehr viel Sinn macht, weil man Menschen trifft und selbst noch etwas dazu lernt.“

Auch Dominik Peper findet in seinem „Repair Café“ einen gewissen Ausgleich von seinem Beruf als Produktmanager: „Ich habe dort meist mit kaufmännischen Dingen zu tun und irgendwann gemerkt, dass ich mein Leben noch um eine ehrenamtliche Tätigkeit bereichern möchte. Hier im Café kann man Menschen zusammenbringen und der Umwelt etwas Gutes tun.“

Handys, die selten über die Vertragslaufzeit hinaus genutzt werden, Fernseher oder Notebooks, die schon nach einem Jahr Antikwert haben, nennt Dominik Peper als Beispiele für die Wegwerfgesellschaft, gegen die er mit seinem Café ankämpft. Gerade in Deutschland trete diese „Kultur“ besonders zum Vorschein, findet der Stadtteilbotschafter.

Hilfe zur Selbsthilfe

Peper hat sich bereits während seines Studiums an der Technischen Universität (TU) Darmstadt mit den Themen Nachhaltigkeit und Umwelt beschäftigt. „Mit Kommilitonen habe ich damals eine Fahrradwerkstatt gegründet, die heute noch sehr erfolgreich läuft. Auch hier gilt das Prinzip Hilfe zu Selbsthilfe“, erzählt er. Menschen kommen dabei für kleinere Reparatur- und Montagearbeiten zusammen, lernen sich kennen, eignen sich neue Fähigkeiten an und leisten letztlich einen Beitrag zum Umweltschutz, indem sie etwas weiter nutzen statt es wegzuwerfen.

Dass es im Stadtteil ein Bedürfnis nach einem solchen Ort wie einem „Repair Café“ gibt, beweist die Schlange, die sich bereits vor der offiziellen Eröffnung um 17.30 Uhr vor dem Kellergeschoss der St. Wendel-Gemeinde gebildet hat. Menschen mit defekten Notebooks oder älteren Fernsehgeräten stehen vor der Tür. Fahruntüchtige Räder werden gebracht oder Textilien, die bloß ein paar Näharbeiten benötigen, um wieder getragen werden zu können.

BUND und Kirche im Boot

Kristina Schäfer widmet sich der Weste einer Freundin. „Es ist ihr Lieblingsstück, sie möchte es daher nicht wegwerfen“, sagt sie, während sie auf einer mitgebrachten Nähmaschine geschickt die Weste flickt. Weil sie auch in vielen anderen Lebensbereichen auf Nachhaltigkeit achte, sei das „Repair Café“ wie geschaffen für sie. Der Erfolg des Eröffnungsabends macht Dominik Peper Mut, dass es auch nach September 2016 mit dem Café weitergeht. Denn dann läuft sein Stadtteilbotschafter-Stipendium aus, mit dem ihm die Stiftung Polytechnische Gesellschaft bei der Verwirklichung seiner Idee unterstützt.

Doch die Zahl der ehrenamtlichen Helfer, die Peper helfen möchten, steigt stetig. Die katholische Kirchengemeinde hat einen Kellerraum mietfrei zur Verfügung gestellt. Und im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat Peper zudem den perfekten Träger gefunden. „Das alles sind doch ideale Voraussetzungen, um das Café langfristig zu betreiben“, freut er sich. Und begrüßt weitere Gäste, die einen Besuch des „Repair Cafés“ dem Gang zum nächsten Discounter vorziehen.

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