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Waldorf-Kita am Dornbusch in Flammen: Brandserie in Frankfurt: Viele Gemeinsamkeiten

Die Brandserie reißt nicht ab: Als viertes Frankfurter Holzbauwerk in diesem Jahr ist in der Nacht zum Montag die Waldorf-Kita am Dornbusch in Flammen aufgegangen. Schaden in Höhe von 1,5 Millionen Euro entstand. Die Polizei ermittelt wegen schwerer Brandstiftung.
Hohe Flammen schlagen aus den Türen und Fenstern im Obergeschoss der Kindertagesstätte. Hohe Flammen schlagen aus den Türen und Fenstern im Obergeschoss der Kindertagesstätte.
Frankfurt. 

Durch den Sandkasten, in dem am Freitag noch Kleinkinder buddelten, stapfen am Montag Männer in weißen Schutzanzügen. Seit den frühen Morgenstunden arbeiten die Brandermittler der Polizei auf dem Gelände der Waldorf-Kita und suchen nach der Ursache des nächtlichen Feuers. Das Obergeschoss der Einrichtung ist dabei komplett ausgebrannt. Teile der Holzkonstruktion sind heruntergebrochen und liegen verkohlt auf der Wiese. „Ich bin einfach nur traurig“, sagt eine Mutter, deren Nachwuchs in der Kita betreut wird, sichtlich betroffen. „In dem Gebäude steckte so viel Liebe – alle Sachen, die die Kinder gebastelt haben, sind jetzt weg.“

Bilderstrecke Frankfurt-Dornbusch: Kita der Waldorfschule geht in Flammen auf
Im Frankfurter Stadtteil Dornbusch ist am Morgen des 23. Oktober 2017 eine Kindertagesstätte in Flammen aufgegangen. Die Feuerwehr musste mit einem Großaufgebot anrücken, um den Brand unter Kontrolle zu bekommen. Es folgen weitere Bilder vom Einsatz.

Es war zwischen 3 und 3.15 Uhr, als die Polizei und Feuerwehr von Nachbarn zu der Waldorf-Kita am Dornbusch alarmiert wurden. Beim Eintreffen der Einsatzkräfte habe das Obergeschoss der Einrichtung schon „massiv gebrannt“, aus den Fenstern und Türen seien hohe Flammen geschlagen, berichtet Thomas Koch, Sprecher der Branddirektion.

Ein Feuerwehrmann berichtet Brandermittlern von den Löscharbeiten. Bild-Zoom Foto: Rainer Rüffer
Ein Feuerwehrmann berichtet Brandermittlern von den Löscharbeiten.

Die Anfahrt zu der Kita, die mit der Waldorfschule, deren Werkstätten und dem Hort ein Ensemble bildet, erfolgte über die Friedlebenstraße und den Sinai-Park. Die Löscharbeiten dauerten bis morgens um 7 Uhr. Danach begannen die Brandermittler des Kommissariats 15 mit ihrer Arbeit. Obwohl sich die Ursache gestern nicht zweifelsfrei feststellen ließ, leitete die Kripo ein Verfahren wegen schwerer Brandstiftung ein.

Fünf spektakuläre Fälle

Das geschah wohl auch, weil es bereits der vierte Brand eines Frankfurter Holzbauwerks im vergangenen halben Jahr war: Der Brand des Goetheturms am Stadtwald (11. Oktober) liegt erst knapp zwei Wochen zurück. Zuvor waren der chinesische Pavillon im Bethmannpark (1. Juni) und der koreanische Pavillon im Grüneburgpark (1. Mai) bei Feuern zerstört worden.

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Die Ermittler gehen in allen Fällen von Brandstiftung aus und versuchen zu klären, ob ein Serientäter am Werk war. Auch den Brand des Atzelbergturms in Kelkheim (3. Juli) beziehen sie in ihre Überlegungen ein.

Die fünf Fälle haben gemeinsam, dass der Täter in der Nacht zuschlug. Die Feuer wurden jeweils zwischen 3 und 4 Uhr gemeldet. Sollte es sich wirklich um ein und denselben „Feuerteufel“ handeln, hätte er sich zunächst von zwei Pavillons zu zwei Aussichtstürmen und dann von Ausflugszielen zu einem Zweckbau gesteigert. Aus kriminalpsychologischer Sicht wäre ein solches Verhalten plausibel, weil Serientäter meist nach einem immer stärkeren Kick streben und daher auch spektakulärere Taten begehen.

Arbeiter schaffen den Dreck weg, der beim Rohrbruch hochgespült wurde. Bild-Zoom Foto: Rainer Rüffer
Arbeiter schaffen den Dreck weg, der beim Rohrbruch hochgespült wurde.

Das Grünflächenamt zog schon nach den Bränden des koreanischen und chinesischen Pavillons einen Serientäter in Erwägung. Die Behörde lässt vergleichbare Objekte auf öffentlichen Grünflächen von einem Sicherheitsdienst bestreifen. Die Waldorf-Kita steht jedoch auf privatem Gelände – und somit nicht auf der städtischen Liste der gefährdeten Gebäude.

Thomas Janson von der Leitung der Freien Waldorfschule wurde gestern Morgen von einer Kollegin über das Feuer informiert. Über das Internet und telefonisch habe man den Eltern mitgeteilt, dass außer der Kita auch die Schule ausfällt. „Die Eltern haben sich sofort zusammengeschlossen, nach Lösungen gesucht und die Kinder, die betreut werden mussten, auf Familien verteilt.“ Janson spricht von einem „Notprogramm“, das für die Kita-Kinder noch die ganze Woche greifen soll. Der Schulunterricht soll heute wieder regulär stattfinden. 80 Kinder, aufgeteilt auf drei Ü 3- und zwei U 3-Gruppen, besuchen die Kita. Von kommender Woche an sollen sie im Schulgebäude betreut werden. Das sei möglich, wenn die Schüler etwas enger zusammenrücken, erklärt Janson.

Relativ neues Gebäude

Das Gebäude der Waldorf-Kita ist noch relativ neu, der Betrieb darin wurde erst 2013 aufgenommen. Als man sich entschloss, das Obergeschoss in Holzbauweise zu errichten, habe man „sicher nicht an Brandstiftung“ gedacht, betont Thomas Janson. „In derselben Art und Weise werden wir bestimmt keinen Kindergarten mehr bauen“, sagt er voraus. Auch über die Frage, ob das Gelände auch in Zukunft frei zugänglich sein soll, werde man sich nun Gedanken machen müssen.

Ein Brandermittler ist die Treppe zum Obergeschoss der Kita hinaufgestiegen und fotografiert die Brandschäden. Bild-Zoom Foto: Rainer Rüffer
Ein Brandermittler ist die Treppe zum Obergeschoss der Kita hinaufgestiegen und fotografiert die Brandschäden.

Bei den Löscharbeiten kam es übrigens zu zwei Wasserrohrbrüchen im Bereich Friedleben- und Heussenstammstraße: Mehrere Häuser wurden von der Wasserversorgung abgeschnitten. Die Feuerwehr behalf sich mit langen Schlauchleitungen und zapfte aus Hydranten benachbarter Straßen. Der Energieversorger Mainova behob die Rohrschäden bei Tageslicht.

Thomas Janson vom Leitungskreis der Waldorfschule im Garten der Kita Bild-Zoom Foto: Rainer Rüffer
Thomas Janson vom Leitungskreis der Waldorfschule im Garten der Kita
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