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Bruder Paulus auf den Zahn gefühlt

Er mailt, twittert und erklärt den Glauben im "Kleinen ABC des Christentums". Doch in der Diskussion mit Gagernschülern tat sich Bruder Paulus schwer, die heiklen Themen der katholischen Kirche jugendgerecht darzustellen.
Gagernschüler (l.) diskutierten mit Bruder Paulus (Mi) sowie Rene Heinen, Maria da Via und Nils Bremer (re.)	Foto: Rainer Rüffer Gagernschüler (l.) diskutierten mit Bruder Paulus (Mi) sowie Rene Heinen, Maria da Via und Nils Bremer (re.) Foto: Rainer Rüffer
Ostend/Innenstadt. 

"Der Mönch glaubt sich so von Gott berührt, dass er nur noch geistlich leben will." Bruder Paulus Terwitte formt mit der Hand eine Kirche, während er das Stichwort seines Buches "Kleines ABC des Christentums" vorliest und erklärt: "Wir Kapuziner in Liebfrauen brauchen nur ein kleines Kloster mitten in der Stadt. Wir sind keine Mönche, sondern einfach Ordensbrüder."

Begriffe werden erklärt

Kurz, knackig und mediengerecht erklärt der "Online-Priester" in seiner kleinen Fibel das Christentum. Das Nachschlagewerk im Taschenformat, das im Societäts-Verlag und in Auszügen auch in der Frankfurter neuen Presse erschienen ist, veranschaulicht elementare Begriffe wie "Bibel" und "Glaube", aber auch umstrittene wie "Fegefeuer". Doch wie kommt Bruder Paulus mit seiner Botschaft an? Unter der Moderation von Rene Heinen, Leiter des Societäts-Verlags, und Nils Bremer, Chefredakteur von Journal Frankfurt, fühlt die Klasse 9a des Heinrich-von-Gagern-Gymnasiums dem Priester auf den Zahn.

Der Kontakt zum Gagern-Gymnasium ergab sich aus dem auch vergangenen Advent erfolgreichen Waffelverkauf zugunsten der Obdachlosen in Liebfrauen. Die Neuntklässler fragen zusammen mit Religionslehrerin Maria da Via, wollen vor allem wissen, wie man typisch katholische Haltungen zu Sexualmoral, Ehe und Zölibat mit modernen Medien transportieren kann. Gerade für den bald zu firmenden Frederik (15), der seine Zukunft in der römisch-katholischen Kirche noch bestimmen muss, sind solche Fragen essentiell. "Müssen Sie nicht den Ordensbruder Paulus und den Menschen Paulus Terwitte mit seinen Bedürfnissen voneinander trennen?", fragt er den Geistlichen. "Ich versuche sie nicht zu trennen. Vor dem Bankautomat will ich aber manchmal wissen, wie sich das Geldhaben anfühlt, und besinne mich dann wieder auf unser Ideal der Besitzlosigkeit", erklärt Bruder Paulus und stellt seinen Arbeitstag von 5.30 Uhr bis in den späten Abend dar.

"Mein Vater war Marktschreier. Ich habe mich für meinen Weg entschieden und suche den Markt für die Berufung der Kirche über Internet und Fernsehen." Die Frage nach dem Zölibat kontert er zum Unwillen von evangelischen Zuhörern: "Auch bei den Protestanten gibt es einen Theologenmangel." Auf die Frage von Luise (14), wie man als unverheirateter Seelsorger auf Ehe- und Familienprobleme eingeht, bezeichnet sich Bruder Paulus als "Katalysator, der den Anstoß zu Lösungswegen gibt". Und verdeutlicht mit Verweis auf das Stichwort "Ehe" in seinem Buch: "Die ewige Liebe kann man kein zweites Mal versprechen, eine Eheschließung nach der Scheidung ist daher nicht möglich."

Keine Antworten

"Wenn man eine Ehe nicht unbedingt als ewige Zusage versteht, kann man sich doch ein zweites Mal versprechen", hakt Cleo (14) nach. Die Diskussion fährt sich fest, Themen wie die Sexualität von Unverheirateten oder die Lebensgemeinschaft von Homosexuellen kommen kaum zur Sprache. Schließlich springt Bremer dem Geistlichen bei: "Man kann auch an einer schwierigen Ehe arbeiten." Bruder Paulus betont abschließend, er wolle niemanden mit seiner Botschaft binden, aber zum bewussten Umgang mit Treue, Glaube und dem Gebet anregen. Während der Abend mit Beethoven und Bach ausklingt, bleibt bei den Schülern das Gefühl, auch mit modernen Medien heikle Fragen ihrer Kirche nicht beantworten zu können.got

"Kleines ABC des Christentums" ist für 12,80 Euro im Buchhandel erhältlich.

(Gernot Gottwals)
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