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Drogenmilieu am Frankfurter Hauptbahnhof: Brutale Dealer attackieren vermeintlichen Polizeispitzel

Von Im Frankfurter Drogenmilieu rund um den Hauptbahnhof herrschen raue Sitten: Seit gestern müssen sich zwei 40 und 28 Jahre alte Männer wegen versuchten Totschlags vor dem Landgericht verantworten. Sie sollen einem 34-Jährigen einen Backstein auf den Kopf geschlagen sowie ihn mit einem Messer schwer verletzt haben.
Die Statue Justizia. Foto: Peter Steffen/Archiv Die Statue Justizia. Foto: Peter Steffen/Archiv
Frankfurt. 

Am ersten Verhandlungstag vor der Schwurgerichtskammer blieb manches im Dunkeln, was zu der Gewaltattacke am späten Abend des 17. Februar dieses Jahres in der Taunusstraße geführt haben könnte. War es etwa ein vermasseltes Drogengeschäft in einer Straßenbahn, was das Fass zum Überlaufen brachte? Oder war der 34-jährige, der erst seit knapp einem Jahr in Deutschland lebt, dafür aber schon mehrfach vorbestraft ist, tatsächlich ein „Polizeispitzel“? Die Anklage geht zumindest davon aus, dass die beiden 40 und 28 Jahre alten Landsleute ihn für einen solchen hielten und ihm deshalb eine brutale Lektion erteilen wollten. Das Opfer musste mit erheblichen Kopfverletzungen sowie blutenden Wunden am Rücken ins Krankenhaus. Inwieweit die Schläge und Stiche „konkret“ oder nur „abstrakt“ lebensgefährlich waren, soll ein rechtsmedizinischer Sachverständiger klären. Die Staatsanwaltschaft geht jedenfalls von einem bedingten Tötungsvorsatz bei beiden Angeklagten aus und hat den Fal bei der diesmal von Richterin Iris Möhrle geleiteten Schwurgerichtskammer angeklagt.

Das Gericht setzte zunächst einen recht straffen Zeitplan für das Verfahren fest – ob es allerdings tatsächlich schon am vierten Verhandlungstag Ende November zu einem Urteil kommen wird, ist nach dem Prozessauftakt offen. Den ganze Vormittag äußerten sich die Angeklagten wortreich zu den Vorfällen vom Februar, ohne allerdings richtiges Licht ins Dunkel der vorangeschrittenen Nachtzeit zu bringen. Mühsam ließ sich ihren vom Dolmetscher übersetzten Aussagen nur entnehmen, dass sie mit den Gewaltvorwürfen nichts zu tun hatten. Im Gegenteil: Das Opfer sei ein gewaltbereiter Mensch und habe auch regelmäßig ein Messer dabei. Auch die Fragen der Verteidigung zielten darauf, dass der kleingewachsene Mann mit der Glatze trotz seines kurzzeitigen Aufenthaltes in Deutschland kein unbeschriebenes Blatt ist. Er überbrückte seinen eher eintönigen Alltag auf der Straße vor allem mit dem Konsum von „Crack“-Steinen in einer kleinen Pfeife, soll aber auch selbst Drogen verkauft haben.

Mittlerweile aber hat sich der Lebensmittelpunkt aller drei Männer ohnehin in die Untersuchungshaft verlagert. Die Angeklagten sitzen wegen der angeklagten Gewaltattacke, das Opfer wegen diverser Diebstähle, nachdem es vorher aber bereits eine rechtskräftige Haftstrafe wegen Drogendelikten verbüßt hatte. Zu seiner, im Übrigen ebenfalls nicht gerade ergiebigen Zeugenaussage wurde er in Handschellen in den Gerichtssaal geführt und dort von mehreren Wachtmeistern im Auge behalten. Eine zwischenzeitlich nach Rumänien übersiedelte Zeugin nutzte ihre Ladung, um einmal wieder einen Abstecher nach Deutschland zu machen. Preiswert, weil ja die Staatskasse die Fahrt-, respektive Flugkosten übernimmt. Richterin Möhrle und ihre Beisitzer sind froh über jeden Zeugen, der etwas zur Aufklärung des verworrenen Sachverhaltes beitragen kann. Im weiteren Prozessverlauf sollen auch diverse Polizeibeamte im Zeugenstand vernommen werden. Wenn alles nach Plan läuft, ist der 25. November als Tag der Urteilsverkündung vorgesehen.

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