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Riederwaldtunnel: Bürger fordern mehr Schallschutz

Vertreter von Hessen Mobil informierten im Riederwald wieder einmal über den dort geplanten Autotunnel. Und wieder einmal zeigen sich Anwohner und andere Betroffene enttäuscht über die geplanten Lärmschutzmaßnahmen.
Kinder demonstrieren gegen die befürchteten negativen Auswirkungen des Tunnelbaus. Kinder demonstrieren gegen die befürchteten negativen Auswirkungen des Tunnelbaus.
Riederwald. 

Schlechter als in der Aula der Pestalozzischule im Riederwald könnten die Verhältnisse für eine Info-Veranstaltung kaum sein: Die Tontechnik ist übersteuert und krächzt, Kinder trampeln unruhig durch den Saal, wütende Anwohner stören den Sprecher mit Zwischenrufen. Die Vertreter der Landesverkehrsbehörde Hessen Mobil haben Schwierigkeiten, ihre eigenen Worte zu verstehen. Vielleicht dienen die Bedingungen in der Aula den Beamten ja als Warnung und Vorgeschmack auf das, was die meisten hier im Saal in den nächsten Jahren auf den Stadtteil Riederwald zukommen sehen.

Unruhe in der Schulaula

Hessen Mobil informiert in der Pestalozzischule über den Ablauf des geplanten Baus des Riederwaldtunnels. Anwohner und Schüler möchten wissen, was die Behörde vorhat, um sie vor Baulärm zu schützen. Ende 2019 soll mit den Arbeiten an dem über einen Kilometer langen und über 170 Millionen Euro teuren Bauwerk begonnen werden, das nach seiner geplanten Fertigstellung im Jahr 2030 die Lücke zwischen der Autobahn A661 und der Autobahn A66 im Frankfurter Osten schließen soll. Für Schüler, Anwohner und alle anderen vom Baulärm Betroffenen fällt der Abend ernüchternd aus.

Die Vertreter von Hessen Mobil richten ihren Fokus auf die geplanten Lärmschutzmaßnahmen für besonders schutzbedürftige Gebäude, die entlang der künftigen Baustelle liegen. Dazu zählen neben der Pestalozzischule in der Vatterstraße der dortige Kindergarten, die Seniorenwohnanlagen in der Vatterstraße sowie in der Straße am Erlenbruch und der Kindergarten in der Lauterbacher Straße.

Bislang sind von Hessen Mobil für die Schule, die beiden Kindergärten und die Seniorenwohnanlage in der Vatterstraße lediglich Schallschutzfenster vorgesehen – an Fassaden, an denen der gesetzlich erlaubte Lärmpegel während der Bauarbeiten überschritten wird. Die Seniorenwohnanlage am Erlenbruch soll keinerlei Schallschutz erhalten, auch andere Wohngebäude in der Straße nicht.

Ob während der Bauzeit nördlich der Stadtbahntrasse eine sechs Meter hohe und nördlich der Baugrube eine drei Meter hohe Lärmschutzwand entsteht, wie von Hessen Mobil vorgeschlagen, darüber soll ein Genehmigungsverfahren entscheiden, mit dem sich ab Montag die Stadt Frankfurt beschäftigt.

Auch die Entscheidung, ob die Pestalozzischule zusätzlich zu den Schallschutzfenstern eine Lüftungsanlage erhält, ist Sache der Stadt. Wie Lehrerin Barbara Wirtz erklärt, ist das Stoßlüften der Klassenräume aus gebäudetechnischen Gründen nicht möglich. Die Vertreter von Hessen Mobil gaben zu verstehen, dass eine Lüftungsanlage den Kostenrahmen sprengen würde.

BI will Lärmschutzwand

Rainer Frey von der Bürgerinitiative (BI) Riederwald und andere Betroffenen fordern neben einer Lüftungsanlage auch die von Hessen Mobil für zu teuer befundene 260 Meter lange und zehn Meter hohe Lärmschutzwand nördlich und westlich der Hänischstraße. „Hessen Mobil hat eindrucksvoll gezeigt dass einzig diese die vier Außengelände von Schule, Kindergarten und Hort schützen kann“, sagt Frey.

Berücksichtigt werden sollen Kritik und Forderungen, wenn ab dem heutigen Montag das Planänderungsverfahren zum Bau des Riederwaldtunnels eingeleitet wird. Anwohner und Träger öffentlicher Einrichtungen haben dann bis zur Offenlage im Januar 2018 Zeit für Einwände. Frey nimmt daher das Bildungsdezernat, das Verkehrsdezernat sowie das Umweltdezernat in die Pflicht, sich für die vom Tunnelbau Betroffenen einzusetzen.

Untätigkeit könnte für die Stadt noch weitreichendere Folgen haben als Lärmbelastung. Lehrerin Wirtz befürchtet die Entstehung eines sozialen Brennpunktes im Riederwald, wenn Besserverdiener aufgrund der Bauarbeiten den Stadtteil verlassen, während Geringverdiener gezwungen sind, dort zu bleiben. „Würde der Tunnel im Frankfurter Norden gebaut, wo die Politikprominenz lebt, wäre der öffentliche Aufschrei größer“, kritisiert Wirtz.

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