Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Titelbild Mainova Marathon Laufsport - alles rund um den Mainova IRONMAN Frankfurt 2017 Frankfurt am Main 25°C
7 Kommentare

Wohnen in Frankfurt: Bürger wehrt sich gegen Wohnhäuser der katholischen Kirche

Von Seit Jahren versucht ein engagierter Anwohner in Sachsenhausen einer Nachverdichtung auf dem Nachbargrundstück Einhalt zu gebieten. Bauherr ist die Kirche. Er zog alle Register, ging sogar vor Gericht. Doch nun sollte der Mann Ruhe geben –meinen zumindest die offiziellen Stellen.
Nachverdichtung durch die Kirche in Sachsenhausen Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA Nachverdichtung durch die Kirche in Sachsenhausen
Frankfurt. 

Wer in der Oppenheimer Straße wohnt, kann auf eine privilegierte Adresse verweisen. Hier, im Norden Sachsenhausens, stehen wunderbare alte Villen zwischen mächtigen, betagten Bäumen. Die unmittelbare Nachbarschaft des Josefshauses konnte sich einst besonders glücklich schätzen. Damals – kaum ein Jahr ist es her – als ihr Blick noch einzig auf den klassizistischen Bau des Josefshauses fiel, und die nach ihrem Ermessen „letzte grüne Insel“ im Viertel, auf der das klassizistische Gebäude in Alleinherrschaft thronte.

Seit Januar aber sei das Bild ruiniert, die wunderbare Aussicht verschandelt, der idyllische Friede zerstört. Grund dafür ist ein „klobig-klotziger Rohbau“, ein „klima- und umweltschädliches Bravourstück“. So umschreibt zumindest Anwohner Klaus Pilgram das Gebäude, in dem drei Wohnungen mit je 80 Quadratmetern Größe entstehen sollen. Maximal neun Personen werden darin Platz finden. Baulärm, Verschattung, Versiegelung – der heutige Rentner und einstige Entwicklungshelfer Pilgram will laut eigener Aussage nicht einsehen, dass die Schaffung von derart begrenztem Wohnraum solch unzumutbare Beeinträchtigungen rechtfertige. Als Besitzer des angrenzenden Grundstücks hat er ausgiebig gegen das Anbau-Vorhaben der katholischen Kirchengemeinde – ihr gehört das Grundstück – aufbegehrt. An die hundert Unterschriften hat er gesammelt, Protestschreiben formuliert, Ortsbeiratssitzungen besucht. Sogar vors Verwaltungsgericht Kassel ist er gezogen. Alles ohne Erfolg.

Der Kirche ausgeliefert?

„Gegen einen mächtigen Kirchenfürsten wie Sie es sind, Herr Dekan zu Eltz, kann ein Normalsterblicher eben nichts ausrichten“, stellte er nun in einem Rundschreiben fest – beinahe resignierend. . .. Nur um wenige Zeilen darauf zu einem erneuten Rundumschlag auszuholen. Sein Mieter, Edmund Faller, sieht zwar ein, dass jedes weitere Agieren gegen das mittlerweile fortgeschrittene Projekt bloß eine Ehrenrunde sei. Eigentlich will er sich zu besagter Angelegenheit grundsätzlich nicht mehr äußern. Dann aber schimpft auch er: „Vor der katholischen Kirche duckmäusern alle“, mit ihr wolle sich keiner anlegen. „Hinter vorgehaltener Hand gab es unzählige Anbaugegner.“

Ortsbeirat Christian Becker – dem Pilgram vorwirft, als CDU-Mitglied würde er den Konflikt mit der Kirche scheuen – widerspricht vehement: „Ich bin zwar römisch-katholisch,“ gibt er zu, „trotz allem aber nur meinem Gewissen unterworfen.“ Bei Deutschland handele es sich um eine Demokratie, und die Baugenehmigung sei rechtmäßig erteilt worden. „Herr Pilgram hat seine Chance wahrgenommen und das Verwaltungsgericht konsultiert. Nun muss er sich mit dem Beschluss abfinden.“

Mit Realität anfreunden

Auch Markus Gellert, Sprecher des Planungsdezernats, findet, es sei an der Zeit, dass sich der widerspenstige Kämpfer mit der Realität anfreunde. „Dass Pilgram sich beschwert, nur wenige Menschen würden von dem Projekt profitieren, ist lachhaft“, erklärt er. „Wie sehr würde er sich erst aufregen, wenn dort Wohnraum für – sagen wir – 30 Menschen entstünde.“ Die Stadt wachse, an die 15 000 Bürger kämen jedes Jahr hinzu. „Wir müssen nachverdichten, tun das aber nach bestem Ermessen.“

Pilgram bleibt dabei: Die Kirche würde bevorzugt behandelt. Das zeige sich allein schon in der Befreiung von den Kosten für die Baugenehmigung. Hier jedoch insistiert Guido Schell vom Gesamtverband der Katholischen Kirchengemeinden: „Das ist staatsvertraglich geregelt. Katholische Bistümer sind von der Zahlung enthoben.“ Voraussetzung sei, dass die Institution das Grundstück für gemeinnützige Zwecke nutze. „Wir wollen den Wohnraum günstig anbieten“, erklärt Schell, „und dort vor allem Alleinerziehende mit ihren Kindern unterbringen.“ Die Einnahmen würden in den Erhalt des Gebäudes investiert, Überschüsse karikativen Zwecken zugeführt.

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse