Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer

Bürgerinitiative fordert Auskunft

Während das Land Hessen den Bau des Autobahndreiecks Erlenbruch und des Riederwaldtunnels vorantreibt, wartet die Bürgerinitiative Riederwald auf Antworten, was die Lärm- und Schadstoffbelastung betrifft. Die BI rechnet mit unabsehbaren Folgen für den Frankfurter Osten, sollten ihre Sorgen nicht ernst genommen werden.
Rainer Frey (v. l.), Claus Lauth und Hinrich Rottmann von der Bürgerinitiative Riederwald fordern Antworten in Sachen Lärm- und Schadstoffbelastung beim Bau des Riederwaldtunnels und des Autobahndreiecks Erlenbruch. 	Foto: Kilb Rainer Frey (v. l.), Claus Lauth und Hinrich Rottmann von der Bürgerinitiative Riederwald fordern Antworten in Sachen Lärm- und Schadstoffbelastung beim Bau des Riederwaldtunnels und des Autobahndreiecks Erlenbruch. Foto: Kilb
Riederwald. 

Rainer Frey hat die Hoffnung noch nicht verloren und schaut regelmäßig in das E-Mail-Postfach seines Handys. Er wartet auf eine Antwort von „Hessen Mobil“, dem Straßen- und Verkehrsmanagement des Landes Hessen, zuständig für den Bau des Autobahndreiecks Erlenbruch und des Riederwaldtunnels. Insgeheim weiß Frey wohl, dass er die Antwort, wenn überhaupt, nur von höchster Stelle erhält.

Seit Jahren kämpfen Frey und andere Mitglieder der Bürgerinitiative Riederwald (BI) für eine bessere Informationspolitik rund um den Bau des neuen Tunnels und fordern angemessenen Lärm- und Schadstoffschutz. Vor allem kämpfen sie darum, endlich ernst genommen zu werden von Politik und Behörden. Für die Bürger fühlt es sich an, als müssten sie sich den Respekt immer neu erkämpfen.

Brief an Al-Wazir

Jüngstes Beispiel ist ein offener Brief, den die BI im Frühjahr an Hessens neuen Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) geschickt hatte: Eine Reihe von Fragen, die Bauarbeiten und deren Auswirkungen betreffend, wurde aus Sicht der BI vom Minister entweder gar nicht beantwortet oder verharmlost. Die BI bezog sich in dem Brief unter anderem auf Proberammungen im Erlenbruch. Damit sollte Anfang 2014 ermittelt werden, wie hoch die Lärmbelastung während des Tunnelbaus für die Nachbarschaft sein würde. Schon beim Test, so Frey, seien die Grenzwerte massiv überschritten worden. Für das nächstgelegene Mehrfamilienhaus in der Vatterstraße seien gleich gar keine Werte erhoben worden.

Die BI will bei künftigen Bauarbeiten besser mit Informationen versorgt werden, so fordert sie, dass alle Lärmwerte sofort im Internet veröffentlicht werden, so dass bei Überschreitungen sofort gehandelt werden kann. Auch müssten Baustopps sichergestellt werden, sobald es zu Überschreitungen komme.

Vor allem die Pestalozzischule in der Vatterstraße wird demnach vom Baulärm betroffen sein. „Sie braucht in der Zeit der Bauarbeiten Schallschutzfenster und Belüftungsanlagen. Bereits vor zwei Jahren hat ,Hessen Mobil‘ diese Notwendigkeiten erkannt. Reagiert hat keiner“, so Frey.

Große Differenzen

Sorgen macht der BI auch die Verkehrsprognose für das Jahr 2025: Diese spreche von sinkenden Einwohnerzahlen in Frankfurt, dagegen rechne das Institut der deutschen Wirtschaft mit einem Anstieg auf 860 000 Einwohner.

Die Hoffnungen der BI ruhen umso mehr auf dem neuen Grünen-Minister, als dass sie die Auskünfte von „Hessen Mobil“ und Stadt nicht überzeugen können. Die Verkehrsbehörde des Landes verweigere in der Regel Stellungnahmen. Die Stadt erkläre meist, dass sie nicht zuständig sei.

Im Falle etwa des Bürgermeisters Olaf Cunitz (Grüne) sieht die BI das anders und forderte von ihm Auskunft, wie er als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender des Wohnkonzerns ABG zur Lärmbelastung für deren Häuserblocks unmittelbar am Erlenbruch stehe. Eine Antwort erhielt sie nicht.

Ignoriert würde auch die Seniorenwohnanlage Riederwald. Im Antwortschreiben des Verkehrsministeriums schreibt dieses, dass der bestehende Lärmschutz für die Wohnanlage ausreiche. Wie die BI gemessen haben will, wird jener allerdings schon jetzt überschritten. „Für die Riederwälder gibt es trotz Schule und Seniorenwohnanlage nur einfache Lärmschutzwände und Flüsterasphalt. Und wenn’s nicht reicht: Pech“, schimpft Frey.

Lediglich eine komplette Einhausung der Autobahn sei ein Konzept, das dem gesetzlich verbrieften Lärmschutz genügen und Klagen gegen den Riederwaldtunnel und das Autobahndreieck entkräften könnte. Ob sich das Land Hessen eingehend damit beschäftigt hat, bezweifelt man in der BI.

Von Verkehrsminister Al-Wazir fordern Frey und seine Mitstreiter daher etwas, was in 40 Jahren Planung nicht geschaffen worden sei: „Ein Bewusstsein, dass Anwohnerbelange ernst genommen werden. Nur so könnten alle Probleme auf den Tisch kommen und Lösungskonzepte entwickelt werden.“ Das bisherige Ausweichen und Verharmlosen von Probleme habe gerade das verhindert, was alle wollen: Ein zügiges Vorankommen. bki

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse