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Jorinde Gessner kämpft für Inklusion: Bürgermedaille für Powerfrau

Von Damit hätte die Sachsenhäuserin wohl nie gerechnet: Jorinde Gessner (46) wurde gestern im Römer mit der Bürgermedaille der Stadt geehrt, weil sie sich seit vielen Jahren für das Thema Inklusion stark macht.
Freut sich über die Auszeichnung: Die Sachsenhäuserin Jorinde Gessner wurde mit der Bürgermedaille der Stadt geehrt. Foto: Michael Faust Freut sich über die Auszeichnung: Die Sachsenhäuserin Jorinde Gessner wurde mit der Bürgermedaille der Stadt geehrt.
Sachsenhausen. 

Jorinde Gessner kann man mit gutem Gewissen als Powerfrau bezeichnen. Neben ihrem Vollzeit-Job in der Werbeagentur Ogilvy & Mather, wo sie nicht wie selbstverständlich nach acht Stunden Arbeit den Stift fallen lassen kann, ist die 46-Jährige Ehefrau und Mutter von zwei Söhnen und macht sich mit viel Engagement und Elan für das Thema Inklusion stark. Ob ihr das nicht manchmal ein bisschen zu viel wird? „Nein“, sagt die sympathische Frau mit einem Strahlen im Gesicht. „Meine Familie und ich sind eben ein bisschen verrückt.“

Eltern-Initiative

Jorinde Gessner rief 2009 gemeinsam mit ihrem Mann Sven die Initiative Gemeinsam Lernen (IGEL) ins Leben, um sich für die schulische Inklusion, sprich: das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Handicap, einzusetzen. Zuvor hatten die Sachsenhäuser feststellen müssen, dass es im gesamten Frankfurter Süden keinen inklusiven Schulplatz gab. Sie hatte ebensolchen für ihren Sohn Julian gesucht. Der heute 11-Jährige hat Förderbedarf, er ist aufgrund einer Lebensmittelvergiftung in der Schwangerschaft geistig und motorisch eingeschränkt, hinkt seinen Altersgenossen etwas hinterher, hat Orientierungsschwierigkeiten.

„Einen Kindergartenplatz hatten wir schnell gefunden. Da dachten wir natürlich, dass das schulisch auch so weitergeht“, sagt die gebürtige Schottin. Doch dem war nicht so. Also taten sich die Gessners mit anderen betroffenen Eltern zusammen. Schnell wuchs die Initiative auf 14 Familien und mehrere hunderte Unterstützer an. Jorinde Gessner nahm Kontakt zur Kommunalpolitik auf, zu Schulen und Verbänden, schreib Briefe, besuchte Veranstaltungen zum Thema Inklusion, um immer wieder auf das Ergebnis aufmerksam zu machen. Mit Erfolg: Die Gruneliusschule in Oberrad bot inklusive Schulplätze an. „Wir haben erreicht, was wir erreichen wollten“, sagt Gessner. „Unsere Arbeit hat den Weg für andere Eltern frei gemacht. Sie müssen jetzt nicht mehr kämpfen. Das Thema Inklusion ist in den Köpfen der Menschen angekommen.“ Mittlerweile ist Frankfurt sogar Modellregion Inklusion. Damit soll der gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne Handicaps in den nächsten fünf Jahren vorangetrieben werden.

Lücken schließen

Doch Jorinde Gessner ist mit ihrem Engagement noch lange nicht am Ende angelangt. Inzwischen sitzen ihr Mann und sie auch im Vorstand des Vereins „Gemeinsam leben Frankfurt“, der sich mit verschiedenen Projekten darum kümmert, dass „inklusive“ Lücken in den Bereichen Schule, Freizeit und Beruf geschlossen werden. „Das ist ein ganz wichtiges Feld, damit auch die Menschen mit Behinderung überall dazugehören und möglichst selbstständig leben können.“

Für dieses Engagement wurde Jorinde Gessner gestern mit der Bürgermedaille geehrt. Diese Auszeichnung bekommen Bürger, die entweder durch ihr Wirken einen herausragenden Beitrag für das Gemeinwohl geleistet oder sich langjährig in besonderer Weise in der Vereinsarbeit engagiert haben. „Ich war total überrascht“, sagt Gessner. Für sie ist ihr Engagement selbstverständlich. Doch nachdem sie gesehen hat, das meist nur Männer mit der Bürgermedaille ausgezeichnet werden, will sie als Vorbild dienen. „Für all die Frauen, die sich auch ehrenamtlich engagieren und trotz Kinder voll berufstätig sein wollen.“

Zu der kleinen Feier waren sogar ihre Eltern aus Schottland angereist. Ihr Vater ist Schotte, ihre Mutter Deutsche. „Sie sind so stolz“, sagt Gessner, die in Edinburgh aufgewachsen ist und erst nach ihrem Politik- und Germanistikstudium nach Deutschland kam. Seit 2010 lebt sie mit ihrer Familie in Frankfurt, seit sechs Jahren in Sachsenhausen. „Hier fühlen wir uns heimisch.“ Die schottischen Feiertage wie die „Burns Night“ werden aber auch im Hause Gessner zelebriert.

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