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Öffentlicher Nahverkehr: Busfahrer in Frankfurt dringend gesucht

Von In Frankfurt fehlen Busfahrer. Alle Unternehmen des Nahverkehrs werben um die raren Fachkräfte. Doch die sind kaum zu finden.
Fahrer Milan Prerad sitzt am Steuer eines Busses. Er gehört zu den rund 1000 Busfahrern in Frankfurt. Foto: Fabian Sommer (dpa) Fahrer Milan Prerad sitzt am Steuer eines Busses. Er gehört zu den rund 1000 Busfahrern in Frankfurt.
Frankfurt. 

Rund 1000 Busfahrer sind auf Frankfurts Straßen unterwegs. Bis zu 340 Busse fahren in Spitzenzeiten gleichzeitig, die Streckenlänge des Netzes beträgt 600 Kilometer, die jährliche Fahrleistung der Busse liegt bei 16,7 Millionen Kilometern.

Vier große Anbieter bewältigen dies: Die VGF-Schwester In-der-City-Bus GmbH (ICB), der Privatanbieter Sippel in Hofheim, das Bus- und Bahnunternehmen Transdev Rheinmain (Alpina) und die Bahntochter DB Regio. Ihnen allen ist gemein: Es fehlen die Busfahrer. Und zwar bundesweit: Laut Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) gibt es in den Kommunen Deutschlands rund 45 000 Fahrer in Nahverkehrsunternehmen. „Binnen zehn Jahren geht die Hälfte, vielleicht auch 60 Prozent, in den Ruhestand“, sagt Sprecherin Rahime Algan. Das heißt, dann fehlen mindestens 22 000 Fahrer bundesweit.

Ein echter Mangelberuf

„Berufskraftfahrer“ ist ein echter Mangelberuf. Nur zwei haben in diesem Sommer im Gebiet der Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt die 36-monatige Ausbildung beendet. Sechs waren es insgesamt seit 2012, so die IHK.

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Nicht nur Ärzte fehlen und Pflegekräfte, nicht nur Lehrer und Bauarbeiter – auch im öffentlichen Nahverkehr fehlen die Fahrer. Und manchmal, wenn man an der Haltestelle steht und der Bus kommt nicht,

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Alternativ können Fahrer nach einer Kurzausbildung von 170 Stunden und einer entsprechenden Fahrerlaubnis Busse lenken. Allerdings kostet diese Lizenz rund 10 000 Euro. Kaum jemand unterzieht sich diesem Kurs, wenn er ihn selbst bezahlen muss. Dass Transdev und DB Regio die Absolventen schon in den Fahrschulen anwerben, bringt nicht viel. Es gibt nicht genügend Absolventen. Auch über die Arbeitsagentur lassen sich derzeit kaum Fahrer vermitteln. Es fehlt zudem an Ausbildungsstellen für Berufskraftfahrer. Von den vier genannten Unternehmen hat bislang nur Sippel bislang ausgebildet. Derzeit sind es zwei Azubis „Berufskraftfahrer“. 2018 hat Sippel keine Bewerbungen erhalten. So bleibt die Lehrstelle unbesetzt.

Die VGF-Schwester ICB hat sich erst jetzt entschlossen, Ausbildungsplätze für Berufskraftfahrer anzubieten. Anfang August kamen die ersten fünf Azubis, einer ist schon wieder abgesprungen. „Immerhin, die Ausbildungsstellen haben wir alle besetzen können. Das wird nicht so bleiben“, fürchtet Christian Schäfer, Geschäftsführer von ICB. Auf den Bussen wirbt das Unternehmen um Fahrer. Schäfer zufolge könnten etwa fünf bis zehn Fahrer anfangen, bei Sippel ebenso. Noch mehr sind es bei Alpina. 31 Stellen gibt es in Frankfurt, Bad Homburg und Offenbach. DB Regio macht dazu keine Angaben.

Ohne Fahrer kein Bus

Das Ausfallrisiko ist bei allen Unternehmen signifikant. „Wir arbeiten mit Zeitarbeitsfirmen zusammen, können kurzfristig disponieren“, sagte eine Bahn-Sprecherin. Hingegen gesteht Schäfer für ICB: „Wenn morgens um 10 Uhr jemand anruft und sich krank meldet, kann die Bereitschaft einspringen. Aber wenn um halb 11 Uhr noch jemand anruft, muss vielleicht ein Bus ausfallen.“

Klaus Linek, Sprecher der Nahverkehrsgesellschaft Traffiq, die den Busverkehr beauftragt, bestätigt dies: „Monatlich fallen 5000 Kilometer Busverkehr aus“, sagt er.

„Bei kurzfristigen Krankmeldungen“, räumt auch ein Alpina-Sprecher ein, „sind aufgrund der fehlenden Busfahrer Ausfälle auf unseren Linien leider nicht immer zu vermeiden.“ Auch Sippel-Geschäftsführerin Stephanie Schramm räumt „punktuelle Ausfälle“ ein.

Schramm sieht eine Ursache des Fahrermangels im Flughafen, der viele Arbeitskräfte abwerbe – auch Busfahrer. ICB-Geschäftsführer Schäfer nennt als einen Grund die abgeschaffte Wehrpflicht. „Viele junge Männer haben beim Bund den Lkw-Führerschein machen können.“ Sie wurden später oft Busfahrer. Ein weiterer Grund seien sicherlich die Arbeitsbedingungen. Schichtdienst, Stress, pöbelnde Fahrgäste – Sippel bietet seinen Fahrern „Deeskalationstraining“ an –, aber nicht zuletzt auch die Bezahlung sprechen eher gegen den Beruf des Busfahrers. Laut VDV liegt das Einstiegsgehalt bei 2300 Euro plus Zulagen, nach vielen Jahren können die Fahrer auf 2800 Euro plus Zulagen kommen. Nicht gerade üppig für den stressigen Job.

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