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25. Christopher Street Day: Ehe für alle gilt als Meilenstein: CSD 2017: Bunte Demo für mehr Liberalität

Von Fast 2000 kostümierte Teilnehmer zogen am Samstag in einem langen Lindwurm durch die Stadt. Etwa 7000 Zuschauer sahen sich die schrill-bunte Parade an. Der Christopher Street Day (CSD) in Frankfurt erinnerte wieder einmal an den Karneval in Rio – es war der 25. CSD und absehbar nicht der letzte.
Hand in Hand fürs Selbstbewusstsein: Dieser Auftritt der bunt bemalten Männer samt Schriftzug CSD, Europa-Fahnen-Hinweis und roter Aids-Schleife hat längst Tradition. Bilder > Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst) Hand in Hand fürs Selbstbewusstsein: Dieser Auftritt der bunt bemalten Männer samt Schriftzug CSD, Europa-Fahnen-Hinweis und roter Aids-Schleife hat längst Tradition.
Frankfurt. 

Für Homosexuelle ist es der höchste Feiertag: Der Christopher Street Day, eine Erinnerung an eine willkürliche Polizeiaktion gegen eine Schwulenbar in der New Yorker Christopher Street im Jahr 1969. In vielen Städten gibt es seither als Mahnung einen CSD; seit 25 Jahren auch in Frankfurt. Hier gehen Schwule und Lesben, Transsexuelle und Bisexuelle geeint an die Öffentlichkeit. Auch am Samstag, kurz nachdem der Bundestag das Recht auf die Ehe für alle beschlossen hat.

Auf dem Römerberg stellt sich der Zug auf, und die Diva Gizie Suprem steht in prächtigem Kostüm, umringt von Bewunderern, in hohen Stöckelschuhen auf dem Pflaster. Fotos werden gemacht, dann ist etwas Ruhe und Gizie hat Zeit zu antworten: „Wir sind geduldet, aber immer noch nicht akzeptiert. So lange das nicht so ist, muss es den CSD geben.“ Ähnlich argumentiert Amin Gläser, auch er in einem aufsehenerregenden Kostüm. „Ich bin Marokkaner. Ich will, dass Schwule überall akzeptiert werden. In Deutschland, Europa, Marokko.“

Bilderstrecke So bunt war die Parade zum CSD 2017 in Frankfurt
Tausende Menschen feirten bei der Parade durch Frankfurts Innenstadt beim Christopher Street Day 2017 eine politisch, bunte Party. Wir haben die Bilder. Viel Spaß.

„Keine Abschiebung in angeblich sichere Herkunftsländer“ ist auf einem Transparent zu lesen, „Serbia is not safe“ (Serbien ist nicht sicher) auf einem anderen: Die Verfolgung von Homosexualität in anderen Ländern war eines der Anliegen der Demonstranten für mehr Liberalität und Offenheit.

Auch Jutta Schmitt steht auf dem Römerberg. Die Besucherin ist 72 Jahre alt, um den Hals trägt sie ein Tuch in Regenbogenfarben. „Ich komme seit 22 Jahren hierher“, sagt sie. Ähnlich wie Doris Weber (78), die sogar ihren Rollator bunt geschmückt hat. „Ich bin heterosexuell, aber ich verkleide mich so gerne, und der CSD ist für mich wie Fastnacht.“ Sie trägt lilafarbene Strümpfe, einen Rock in Schwarz-Rot-Gold und einen Hut aus Schlangenkunstleder über der blonden Perücke. Beim CSD mache sie gerne mit: „Es sind die einzigen, die mich akzeptieren. Und ich werde auch diesmal wieder mitlaufen, so weit ich kann.“

Motivwagen am Römer

Die Motivwagen der SPD, der CDU, der Grünen und der Liberalen rollen über die Braubachstraße. ebenso der mit bunten Ballons geschmückte Wagen des Frankfurter Volleyball-Vereins. Viele kleine Gruppen, zum Teil durchaus exotisch, sind darunter, etwa das „Polyamore Netzwerk“. Oder ein Mann in Pferdeverkleidung, der einen Wagen zieht, auf dem eine Frau sitzt. „Schon schräg“, meint Michael (30). Er ist mit seiner Freundin Janine (25) aus Stuttgart angereist. „Wir wollten uns die Stadt ansehen“, sagt sie, „und sind zufällig Zeuge des CSD geworden.“ Michael erklärt: „Das ist schon interessant, man sieht das ja sonst nur im Fernsehen.“

Die „IgayBau“ (gay heißt schwul) zieht vorbei, ebenso die „Regenbogenadler“ mit ihrem Motivwagen, es regnet Konfetti, alles erinnert an eine bunte und lustige Fastnachtsparade. Viele Wagen nehmen die „Ehe für alle“ als Thema auf, und bei den Aktivisten der Gruppe „Pro+“ in hautengen orangefarbenen Anzügen unter orangefarbenen Schirmen fällt ein Aktivist im schneeweißen Brautkleid besonders stark auf.

Oliver Heise (51) steht am Zugweg und schwenkt ein Schild. „Ehe für alle“ steht handgeschrieben darauf. Für ihn ist es ein Tag des Triumphs: „Mein Freund und ich haben uns vor einem Jahr verpartnert – und jetzt können wir endlich heiraten!“ Doch der Kampf sei noch nicht beendet, glaubt der Frankfurter: „So lange es in der CDU noch Kräfte gibt, die das Verfassungsgericht einschalten wollen, sind wir noch nicht gleichberechtigt.“

Schlüssel zum Glück: Die Tür zum Frankfurter Standesamt möchten jetzt viele homosexuelle Paare zwecks Hochzeit betreten.
Viele homosexuelle Paare wollen die Umwandlung ihrer Partnerschaften in Ehen beantragen „Ehe für alle“ sorgt für Ansturm bei ...

Der Bundestagsbeschluss zur „Ehe für alle“ führt in den Standesämtern von Frankfurt und Wiesbaden bereits jetzt zu vielen Anfragen. Das Frankfurter Amt werde fast täglich kontaktiert, sagte dessen Leiterin Andrea Hart.

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Katja Kohlsdorfer (49) ist für die Aidshilfe beim Zug dabei. „Wir mögen jetzt gleichberechtigt sein“, sagt die Homosexuelle, „aber es gibt einen Unterschied zwischen dem Papier – die Ehe für alle – und der Realität.“ In der Wirklichkeit würden Homosexuelle, Transsexuelle und andere noch immer diskriminiert, am Arbeitsplatz wagten sie nicht, sich zu outen, und in der Schule sei es am eklatantesten: „Schwul ist noch immer das schlimmste Schimpfwort.“ So bleibe für die Aktivisten noch immer viel zu tun, auch der CSD bleibe weiterhin wichtig: „Das ist kein Fastnachtsumzug, das ist eine ernsthafte Demonstration. Wir müssen in der Öffentlichkeit zeigen, dass wir da sind.“

Der CSD begann am Freitag und endete am Sonntag; Höhepunkt war die Demonstration am Samstag. Daran nahmen nach Schätzung der Polizei 1900 Aktive und rund 7000 Zuschauer teil. „Es war völlig friedlich“, sagte Ralph Stolze, Polizeioberrat und Einsatzleiter. Auch Frank Johanns, Einsatzleiter beim Arbeiter-Samariterbund (ASB), war angetan: „Beim CSD sind alle total freundlich und hilfsbereit, es gibt keine Behinderungen und keinen Stress. Wir fühlen uns hier fast familiär aufgehoben.“ Es habe nur kleine Einsätze gegeben wie aufgeschlagene Knie oder verstauchte Knöchel.

www.fnp.de/csd17

Bilder zum Frankfurter Christopher Street Day gibt es online.

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