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Cannabis – legal oder illegal?

Die SPD lässt im Haus am Dom darüber diskutieren, wie sinnvoll die Legalisierung von Cannabis ist. Eine Politikerin ist dafür, weil das Betäubungsmittelgesetz aus ihrer Sicht das Leben junger Menschen zerstört. Ein Therapeut warnt indes vor wenig erforschten psychologischen Folgen des Konsums.
Professor Heino Stöver, Dr. Renate Wolter-Brandecker und Drogentherapeut Ulrich Claussen diskutierten mit Moderator Christian Palm (2.v.l.). Professor Heino Stöver, Dr. Renate Wolter-Brandecker und Drogentherapeut Ulrich Claussen diskutierten mit Moderator Christian Palm (2.v.l.).
Frankfurt. 

Wer denn noch nie an einem Joint gezogen habe, will Moderator Christian Palm zu Beginn der Veranstaltung vom Publikum wissen. Etwa 300 Menschen haben sich im Haus am Dom zu einer Podiumsdiskussion über die Legalisierung von Cannabis versammelt. Etwa 10 Gäste heben ihre Hände. Der Rest schämt sich nicht.

Ein Tabuthema, wie Dr. Renate Wolter-Brandecker von der SPD-Fraktion im Römer behauptet, ist der Konsum von Cannabis längst nicht mehr. Wolter-Brandecker gehört allerdings auch zu jenen Politikern, die eine Legalisierung der leichten Droge befürworten. „Scheinheilig“ ist die öffentliche Debatte darüber aus ihrer Sicht.

Die Politikerin dachte dabei auch an Berufskollegen, die in der Stadtverordnetenversammlung Alkohol trinken, aber Cannabis verteufelten. Über 100 000 Tabaktote, 40 000 Alkoholtote stünden null Cannabis-Toten im Jahr gegenüber. Und die Zahlen stammen nicht von Wolter-Brandecker, sondern von Drogentherapeut Ulrich Claussen, der im Haus am Dom als warnende Stimme gegen den Konsum eingeladen wurde.

 

Schlechte Leistung

 

Claussen dienen vor allem seine Patienten als mahnende Beispiele: Der Diplom-Psychologe und Leiter der Therapeutischen Einrichtung Auf der Lenzwiese behandelt unter anderem Jugendliche, die sich aufgrund ihres Konsums von Cannabis in Therapie begeben. Viele davon seien durch deutliche Leistungseinbußen in der Schule aufgefallen, seit sie kiffen.

Claussen verweist außerdem auf die emotionalen Folgen des Hanfkonsums. „Viele haben Probleme, Gefühle wie Wut zu regulieren“, so Claussen. Außerdem, so der Therapeut, gebe es Hinweise auf gesundheitliche Auswirkungen auf das Herzkreislauf-System sowie die Atemwege.

Claussen berichtet allerdings auch, dass rund 95 Prozent aller, die regelmäßig Cannabis zu sich nehmen, den Konsum gut in ihren Alltag integriert hätten. Ohnehin würden die meisten Konsumenten im dritten Lebensjahrzehnt dem Cannabis-Konsum abschwören, so Claussen. Die juristische Beurteilung des Cannabis-Gebrauchs überlässt er stattdessen Dr. Renate Wolter-Brandecker und Dr. Heino Stöver, der als Professor für sozialwissenschaftliche Suchtforschung an der University of Applied Sciences in Frankfurt arbeitet. Das Betäubungsmittelgesetz hält er für ein Relikt aus erzreaktionären Zeiten: „Wer glaubt, dass jener Ansatz heute noch funktioniert, ist naiv.“ Eigentlich sei es eine Selbstverständlichkeit, dass der Staat sich nicht in den Rausch seiner Bürger einmischt.

 

Legalisieren?

 

Konsumiert werde dennoch, so Wolter-Brandecker. Das Strafrecht sorge vielmehr für die Kriminalisierung junger Menschen, die sich daraufhin einem Mechanismus ausgesetzt sähen, aus dem man sich nur schwer befreien könne. „Man muss sich fragen, ob dieser Weg noch sinnvoll ist“, so die SPD-Politikerin, die eine Bestrafung nicht als Mittel gegen den Konsum, sondern für den ersten Schritt in Richtung einer kriminellen Karriere hält.

Das Ergebnis der Prohibition sei, wie Stöver sagt, eine Flut an starkem Cannabis, dass sich besser verkaufen lasse und gestreckten, oft noch schädlicheren Produkten als Tabak. Eine Legalisierung der Droge und ein Verkauf durch den Staat, würde zudem den Drogenhandel schwächen. „Auch wäre es eine gute Einnahmequelle für den Staat“, so Wolter-Brandecker.

(bki)
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