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Verhandlung in Frankfurt: Cargo-City-Prozess: Ardi Goldman im Kreuzverhör

Von Im Korruptionsprozess wurde heute der angeklagte Investor Ardi Goldman in die Mangel genommen. Er stellte die Frager zeitweise auf eine harte Geduldsprobe.
Ardi Goldman erschien wie gewohnt mit Hut auf dem Kopf Foto: Bernd Kammerer Ardi Goldman erschien wie gewohnt mit Hut auf dem Kopf
Frankfurt. 
Richter Christopher Erhard muss viel Geduld haben.	Fotos: kam Bild-Zoom Foto: Bernd Kammerer
Richter Christopher Erhard muss viel Geduld haben. Fotos: kam

Der Vorsitzende Richter Christopher Erhard hat es nicht leicht mit Ardi Goldman. Der angeklagte Investor beantwortet die gestellten Fragen zwar laut und selbstbewusst, häufig aber so schwammig, dass mehrfach nachgehakt werden muss. Manchmal wirkt es so, als habe Goldman die Frage nicht richtig verstanden. Manchmal bekundet der Investor, sich nicht mehr zu erinnern. Und manchmal verstrickt er sich innerhalb von Augenblicken in Widersprüche.

Am Donnerstagabend hatte Ardi Goldman als Vermieter die Eröffnung des „Legends“-Stores in der MA-Ladenzeile (wir berichteten) mitgefeiert. Am Freitagmorgen musste er wieder als Angeklagter im Prozess um Schmiergelder in Millionenhöhe im Zusammenhang mit der „Cargo City Süd“ vor dem Landgericht antreten. Goldman war der einzige der fünf Angeklagten, den der Richter im Laufe des vierstündigen Verhandlungstages in die Mangel nahm.

Goldman bestritt weiter, von den Schmiergeldzahlungen des ebenfalls angeklagten und geständigen Immobilienmaklers Uwe S. an den Fraport-Abteilungsleiters Volker A. gewusst zu haben. Zwar habe der Makler in einem Gespräch im Jahr 2006 gesagt, dass man den Fraport-Mitarbeiter „in gewisser Weise bedenken“ müsse. Er, Goldman, habe darauf aber „klipp und klar gesagt, dass ich das nicht will“.

Gedanken darüber, ob der Makler trotzdem Schmiergeld überweist, habe er sich nicht gemacht, gab Goldman auf Nachfrage des Richters an. Dann sagte er allerdings: „Ich hab darauf vertraut, dass er nicht zahlt.“ Der Investor betonte sein Vertrauensverhältnis zu Makler S.: „Warum sollte jemand, der 25 Jahre ordentlich gearbeitet hat, plötzlich bestechen?“ Schmiergeldzahlungen könne er sich grundsätzlich „nur in kriminellen Kreisen“ vorstellen.

Der Richter befragte Goldman auch nach einem Schreiben, das bei dessen Firma Cargoport beschlagnahmt wurde und aus Sicht der Staatsanwaltschaft belastend ist. In dem Schreiben an Goldman, das sich um das Bauvorhaben auf dem Cargo-City-Gelände dreht, erwähnt der Makler S. offen seinen „Partner“ – ein Indiz dafür, dass Goldman in die Schmiergeldabsprache mit dem Fraport-Abteilungsleiter Volker A. eingeweiht war. A., der ebenfalls vor Gericht steht, war bei dem Flughafen-Betreiber für die Vergabe von Erbbaugrundstücken in der „Cargo City Süd“ zuständig. Goldman behauptete, dass er nicht sagen könne, ob ihm das Schreiben vorgelegt worden sei. Er habe ein Büro und Assistenten, die eingehende Post vorsortierten. „Ich kann nicht so viel Papier lesen, und ich will es auch nicht.“

Landgericht und Staatsanwaltschaft versuchten in der Folge, dem Verhältnis zwischen Goldman und dem Fraport-Abteilungsleiter A. auf die Spur zu kommen. Goldman beharrte darauf, dass er A. nicht brauchte, um in Sachen „Cargo City Süd“ einen Fuß in die Tür zu bekommen. Er habe gute Beziehungen zu höheren Fraport-Ebenen gehabt. Die Staatsanwaltschaft hielt dem Investor allerdings mehrere Dokumente vor, die für eine engere Zusammenarbeit zwischen ihm und dem Fraport-Mitarbeiter sprechen. Darunter waren Bewirtungsbelege von Restaurantbesuchen – auch von solchen, an denen nur Goldman und der Fraport-Mitarbeiter teilnahmen.

Auf Nachfrage sagte Goldman, dass er sich nicht erinnere, ob es die Treffen tatsächlich gegeben habe. Er bat, in seinen Terminkalender zu schauen, dort sei alles vermerkt. Der Frage, warum A. auf einem Bewirtungsbeleg „Unterstützung von Herrn Goldman bei der Veräußerung der Cargoport-Immobilie“ vermerkt habe, maß der Investor keine Bedeutung bei: Er selbst schreibe auf solche Belege auch oft, was ihm gerade so einfalle.

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