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Korruptionsprozess: Cargo City Süd: Tod eines Hauptangeklagten

Von Nach dem Unfalltod des Hauptangeklagten im Korruptionsprozess um die Cargo City Süd ermittelt die Göttinger Staatsanwaltschaft. Bisher spricht offenbar alles für einen normalen Auffahrunfall. Das Frankfurter Landgericht hat den für heute angesetzten Prozesstag aus Pietätsgründen abgesagt. Nächste Woche soll es mit den vier verbliebenen Angeklagten weitergehen.
Der Smart, in dem Volker A. starb, fuhr auf der A 7 auf einen Mercedes Sprinter auf. Von hinten krachte danach ein Skoda in den Smart. Foto: Norbert Burkhardt - Photo Burkhardt Der Smart, in dem Volker A. starb, fuhr auf der A 7 auf einen Mercedes Sprinter auf. Von hinten krachte danach ein Skoda in den Smart.
Frankfurt. 

Die Plädoyers und das Urteil im Korruptionsprozess um die Cargo City Süd stehen nach 27 Verhandlungstagen unmittelbar bevor. Als sich am Sonntagabend die Nachricht vom Tod des Hauptangeklagten Volker A. bei einem Autounfall verbreitete, löste das bei den Beteiligten und Beobachtern des prominenten Verfahrens erst einmal Fassungslosigkeit aus. „Ich konnte es nicht glauben“, sagte eine Mitarbeiterin der Frankfurter Staatsanwaltschaft gestern – und brachte damit auf den Punkt, was wohl alle dachten.

Es liegt in der Natur der Sache, dass im ersten Moment auch Gedanken an einen möglichen Freitod des Angeklagten oder gar an ein Attentat durch die Köpfe schossen. Für beides gibt es nach den ersten Ermittlungen der Göttinger Polizei und Staatsanwaltschaft aber keine Anhaltspunkte: „Die Sache stellt sich bislang dar wie ein ganz normaler Unfall“, sagte Frank-Michael Laue, Sprecher der Göttinger Staatsanwaltschaft, gestern auf FNP-Nachfrage.

Der 52-jährige Volker A. stand mit so prominenten Angeklagten wie den Projektentwicklern Ardi Goldman und Jürgen Harder vor dem Frankfurter Landgericht. Als Mitarbeiter des Flughafenbetreibers Fraport soll er ihnen mit Hilfe eines Maklers Grundstücke auf dem Gelände der Cargo City Süd zugeschanzt und dafür mitunter auch Geld kassiert haben. Auch Steuern soll Volker A., der wegen seiner Fachkenntnisse zeitweise als „Mr. Cargo City Süd“ galt, hinterzogen haben.

Entscheidung aus Pietät

Nach dem tödlichen Unfall hat das Frankfurter Landgericht den für heute angesetzten Termin im Cargo-City-Süd-Prozess aus Pietätsgründen abgesagt. Die Hauptverhandlung soll nach Angaben des Behördensprechers Jörn Immerschmitt in der kommenden Woche fortgesetzt werden. Das Verfahren gegen Volker A. wird dann durch einen richterlichen Beschluss eingestellt. Gegen die vier verbliebenen Beschuldigten wird weiterverhandelt. Für die Beweisaufnahme, die den Plädoyers und dem Urteil vorangeht, spielt die Einstellung kaum eine Rolle, weil sich der ehemalige Flughafen-Mitarbeiter bereits zu den Vorwürfen geäußert hat und keine Fragen beantworten wollte.

Der tödliche Unfall ereignete sich am Freitag gegen 19.55 Uhr auf der A 7 bei Hannoversch Münden, ganz in der Nähe der hessischen Grenze. Nach Polizeiangaben fuhr der Smart, in dem Volker A. als Beifahrer saß, am Ende eines Staus möglicherweise ungebremst auf einen Mercedes Sprinter auf. In der Folge krachte ein Skoda von hinten in den Smart. Während der 58 Jahre alte Mercedes-Fahrer mit dem Schrecken davonkam, musste die 74 Jahre alte Skoda-Fahrerin mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht werden.

Dienstwagen des TüV

Das gilt auch für Joachim R. Der 52 Jahre alte KfZ-Sachverständige aus dem Landkreis Hersfeld-Rotenburg saß am Steuer des Smarts, in dem Volker A. starb. R. leitet nach Informationen dieser Zeitung die TüV-Station in der Hanauer Landstraße (Ostend). Bei dem Smart handelte es sich um ein Dienstfahrzeug des TüV. Warum die beiden Männer damit im südlichen Niedersachsen unterwegs waren, war gestern nicht in Erfahrung zu bringen. R. ist dem Vernehmen nach verletzt, schwebt aber nicht in Lebensgefahr.

Die Göttinger Staatsanwaltschaft sagte auf Nachfrage, dass sich die routinemäßigen Unfallermittlungen gegen alle Beteiligten richten – auch gegen einen unbekannten Fahrzeugführer, der den Sprinter-Fahrer zum Bremsen gebracht haben und geflohen sein soll. Volker A. s Leichnam wurde auf Anordnung beschlagnahmt, ebenso der Smart, der Sprinter und der Skoda. Die Polizei teilte außerdem mit, dass die Unfallstelle von einem DEKRA-Sachverständigen begutachtet wurde.

16 Jahre bei Fraport

Volker A. wurde im März 1963 in Hanau geboren und lebte in Rodenbach im Main-Kinzig-Kreis. Seit Juni 2013 war er mit der zehn Jahre jüngeren Irina B. verheiratet. Der diplomierte Betriebswirt und Wirtschaftsingenieur arbeitete fast 16 Jahre lang bei Fraport und war seit seinem Ausscheiden als Unternehmensberater in der Logistikbranche tätig. Spätestens nach Bekanntwerden des Cargo-City-Süd-Verfahrens entwickelte sich seine finanzielle Situation zum Schlechten: An einem der letzten Prozesstage teilte der Vorsitzende Richter mit, dass A. zuletzt Sozialleistungen in Höhe von monatlich 560 bis 750 Euro bezog.

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