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Musik: Cover-Band "Fullstop": Von der Kirchempore in die Partywelt

Fullstop ist nicht nur eine Cover-Band. Sie ist eine Praunheimer Institution. Ihren Wurzeln in der Christ-König-Gemeinde bleiben sie bis heute treu.
Den alten Opel hat Marcus Kochen beigesteuert. Die Gründerkombo: (v.l.) Benedikt Kochen, Frank Linzer, Oscar Unger, Marcus Kochen, Frank Schümann (liegend). Bilder > Den alten Opel hat Marcus Kochen beigesteuert. Die Gründerkombo: (v.l.) Benedikt Kochen, Frank Linzer, Oscar Unger, Marcus Kochen, Frank Schümann (liegend).
Praunheim. 

Marcus Kochen ist Musiker durch und durch und weiß es nicht. Seit 40 Jahren ist er das Herz der Praunheimer Coverband Fullstop; einer Institution im Stadtteil, die mit Evergreens jedes Fest zur Party machen kann. Fragt man Kochen nach Fullstop, holt er tief Luft und überlegt. Ganz so, als hätte man ihm eine komplizierte und sehr persönliche Frage gestellt. Er hat sich schon viele Gedanken zu seiner Band gemacht, aber Sprache stößt an ihre Grenzen, soll sie ausdrücken, was ihm Fullstop bedeutet und wie die Band ihn geprägt hat.

Er war erst 17 Jahre alt und besuchte die Liebigschule, als er mit seinem jüngeren Bruder Benedikt und drei Freunden die Band gründete. Nach dem Volleyballtraining hatten die Jungs „Durst“. Da es bei Oscar Unger, einem der Gründungsmitglieder, im Keller eine Hammond-Orgel und andere Instrumente gab, traf man sich dort. Auf den Instrumenten klimperten sie erst ein paar Töne und nach und nach ganze Melodien. Marcus Kochen bekam den Bass. „Der war am einfachsten zu erlernen.“

Pfarrer wird zum Mentor

Ein richtiger Musiker war nur Benedikt Kochen. Schon mit 15 Jahren spielte er in der Christ-König-Gemeinde in Praunheim die Orgel. Gemeindepfarrer Josef König nahm sich der Jungs an. Sie begleiteten die Gottesdienste musikalisch – obwohl viele damals ein Schlagzeug in der Kirche für blasphemisch hielten. Dafür konnte die Band die Empore als Proberaum nutzen.

Die Jungs wurden besser, probierten sich aus. Man schrieb eigene Stücke und vertonte etwa die Gedichte und Lieder aus Tolkiens „Herr der Ringe“, erzählt Unger. „Plötzlich fragten Gemeindemitglieder, ob wir nicht hier beim Sommerfest oder dort bei der Fastnacht spielen können“, fügt Kochen hinzu. So begann Fullstop Partyhits zu covern. Einen alten Opel machten sie zum Bandwagen. Die Gage ging für Technik drauf. Die hatte Marcus Kochen bis dahin selbst gebaut. „Der erste Bassverstärker war ein umgebauter Nachttisch. Beim tiefen E flog immer die Tür auf.“

Mit den Jahren wurden es mehr Auftritte. Einmal traten sie sogar im Fernsehen beim Hessischen Rundfunk auf. Aber wegen Job oder Familie stiegen die Musiker der ersten Stunde aus. Nur Marcus Kochen blieb, kümmerte sich um das Organisatorische und suchte sich immer wieder neue Bandkollegen im Bekanntenkreis. „Über 20 Leute haben schon bei Fullstop gespielt“, sagt er.

Musik für jedes Alter

Gefeuert wurde aber nie einer. Das gehört sich nicht in einer Familie. Als solche versteht Kochen die Band. Erstens könne es Fullstop nur geben, „weil unsere Familien es mit tragen“, sagt er. „Wir sind Mütter und Väter, müssen ja auch noch arbeiten gehen, und die Auftritte kosten zusätzlich viel Zeit.“ Die Technik muss auf- und wieder abgebaut werden. Für eine Show arbeitet man locker zwölf Stunden. Der familiäre Charakter kommt auch, weil heute in Fullstop mehrere Generationen vertreten sind. Gitarrist Paul Korcz ist mit 63 der Älteste – aber auch Rockigste, wie er sagt –, Sänger Pascal König mit 28 Jahren dagegen der Jüngste. „Die Jungen bringen neue Lieder. So kann Fullstop heute jedes Alter zum Tanzen bringen“, sagt Kochen.

Professionalisiert hat sich Fullstop ungefähr ab dem Jahr 2000. Damals trat Korcz in die Band ein. Er kannte Kochen aus der Schule. „Überhaupt waren die allermeisten Liebigschüler.“ Als Kochen zu Korcz sagte: „Wir haben einen Auftritt, komm doch auch“, antwortete Korcz: „Ich kann Sommer of 69 spielen.“ Schon war er dabei.

Fullstop coverte von da an ausschließlich Party-Hits, die jeder kennt, die jeder mitsingen kann. Das Publikum ist größer geworden, genau wie das Liedrepertoire. Ersteres füllt ganze Zelte, letzteres ganze Abende. Roadies werden engagiert, ein Mischpult ist angeschafft worden. Auch wenn die Band heute im ganzen Landkreis auftritt, die Christ-König-Gemeinde bleibt die Heimat. Jedes zweite Jahr organisieren sie hier das Oktoberfest.

Das Selbstbild, nur Hobbymusiker zu sein, hat Kochen bis heute nicht abgelegt. „So ein Quatsch“, sagt Korcz. „Schau doch mal: Stücke, von denen wir vor ein paar Jahren meinten, die könnten wir nie covern, die spielen wir heute mit Leichtigkeit.“

Nächster Auftritt

27.1. Faschingsball der Fidelen Nassauer; ab 20 Uhr im Clubhaus im Wenzelweg 21.

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